Vorbild für den Dialog zwischen Kirche und Moderne

Der um 1200 im bayerisch-schwäbischen Lauingen geborene und später als Hochschullehrer in Köln und Paris tätige Dominikanerpater war nach Aussage des Bischofs unter damaligen Bedingungen in Tradition und Moderne gleichermaßen versiert. Er habe wie kein anderer mittelalterlicher Gelehrter neben den gesamten philosophischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen seiner Zeit auch das jüdische und arabische Wissen seiner Zeit beherrscht. Heute so aktuelle Begriffe wie Toleranz oder Dialog der Kulturen seien für Albertus Magnus selbstverständlich gewesen, betonte Bischof Fürst.

Die heutige Kultur habe sich von einer hörenden zu einer sehenden Kultur entwickelt, führte Bischof Fürst aus. Es gelte aber: „Was wir im Auge haben, da hinein werden verwandelt.“ Es verändere die gesamte Gesellschaft erheblich, wenn Menschen hauptsächlich Leistung und Erfolg im Blick hätten; wenn junge Menschen über Jahre hinweg Killerspiele anschauten und das Gesehene wie Gift in ihre Köpfe und Seelen schleiche; oder wenn in Politik, Kirche und Gesellschaft häufig Strukturen von Oben und Unten und die Regeln von Machtspielen dominierten. Man müsse „mit großer Verantwortung darauf sehen, was wir vor Augen haben und was wir anderen vor Augen stellen, um uns da hinein verwandeln zu lassen“, betonte Bischof Fürst.

In dieser Situation könne, so der Bischof, ein Wort des mittelalterlichen Gelehrten einen bedenkenswerten Gegenimpuls setzen: „Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild gestaltet.“ Die Begegnung zwischen Gott und Mensch, die in einmaliger Weise an Jesus Christus sichtbar werde, könne zu einem Vorbild werden, zu einem Bild, dessen Betrachtung das Leben in heilsamer Weise verwandle, sagte Bischof Fürst.