„Waffendienst mit der Lehre Christi nicht vereinbar“

Rottenburg/Bad Saulgau. 8. Oktober 2015. Mit einem Gottesdienst erinnern am kommenden Sonntag (11. Oktober) die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die katholische Friedensbewegung Pax Christi und die katholische Kirchengemeinde Bad Saulgau an Josef Ruf. Der einzige katholische Kriegsdienstverweigerer der NS-Zeit aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde am 10. Oktober 1940 wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ in Brandenburg a. d. Havel hingerichtet. Ruf war am 15. Dezember 1905 in Hochberg, heute Stadtteil von Bad Saulgau, geboren worden.

Der Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz würdigt Josef Ruf als „Märtyrer der Gewaltlosigkeit“, der treu seinem Gewissen bis in den Tod gefolgt sei. In einem Brief aus der Haft hatte Ruf seine Kriegsdienstverweigerung mit dem Satz begründet: „Ich kann den Waffendienst mit der Lehre Christi nicht vereinbaren.“

Josef Ruf steht mit seiner Verweigerung in der Tradition christlicher Friedenszeugen wie des Heiligen Martin von Tours, des Patrons der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Martin hatte im 4. Jahrhundert den Kriegsdienst verweigert, nachdem er sich taufen ließ. Überliefert ist sein Wort an den Kaiser: „Bis heute habe ich die gedient. Gestatte, dass ich jetzt Gott diene. Ich bin ein Soldat Christi. Es ist mir nicht erlaubt, zu kämpfen.“

Der Schneidergeselle Josef Ruf gehört zu den wenigen bekannten katholischen Kriegsdienstverweigerern im Zweiten Weltkrieg. Aus einfachen Verhältnissen kommend trat er dem Franziskanerorden bei und anschließend der Christkönigsgesellschaft in Meitingen. Durch den Gründer dieses Säkular-Instituts, den katholischen Priester Dr. Max Josef Metzger, der im Jahr 1944 hingerichtet wurde und für den derzeit ein Seligsprechungsprozess läuft, kam Ruf in Kontakt mit pazifistischem Gedankengut. Er traf in Ulrichsbrunn bei Graz auf Michael Lerpscher, der am 5. September 1940 als erster katholischer Kriegsdienstverweigerer hingerichtet wurde.

In Meitingen bei Augsburg, wo die Christkönigsgesellschaft ihren Sitz hat, erinnert seit November 2012 ein „Stolperstein“ an Josef Ruf, den der Künstler Gunter Demnig zusammen mit Stolpersteinen für Lerpscher und Metzger verlegt hat.

 

Hinweis:
Der Gottesdienst zum 75. Todestags von Josef Ruf findet statt am Sonntag, 11. Oktober um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Bad Saulgau. Hauptzelebrant ist Weihbischof Thomas Maria Renz.