Weg von der Blindheit unserer Zeit

Sie wollten „wegführen von eingefahrenen Sehgewohnheiten, von der Bilderflut, von der Blindheit unserer Zeit“, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart in seiner Predigt beim traditionellen Aschermittwoch der Künstler in Stuttgart. Bilder und Kunstwerke dienten der heilsamen Unterbrechung und ließen unsichtbares Inneres sichtbar werden.

Immer mehr Menschen verspürten ein eklatantes Sinndefizit in ihrem Leben, betonte Bischof Fürst. Der Ersatz von Sinn durch Spaß führe aber nicht zu Befreiung; es entstehe vielmehr „ein bunter Reigen seichter Vergnügungen“, so der Bischof. Als zentrale Aufgaben von Kunst wie von Kirche bezeichnete er das Finden von Ausdrucksformen, durch die sich Menschen die Fülle des Lebens und der Wirklichkeit erschließt. Darin seien Kirche und Kunst im Innersten miteinander verbunden, sagte der Bischof.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Tübinger Johanneskantorei unter der Leitung von Wilfried Rombach. Sie führte das 2007 beim Festival Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd uraufgeführte Werk „Reflexionen“ von Detlef Dörner auf.

Nach dem Gottesdienst sprach der international renommierte Professor für Ästhetik und Design, Bazon Brock (Wuppertal). Er wies in seinem Vortrag auf eine nach seiner Ansicht bestehende Konkurrenzsituation zwischen Religion und Kunst hin. Er betonte, es sei für ihn undenkbar, Künstler als Ersatzprediger für Ungläubige zu gebrauchen. "Wenn die Künstler glauben, mit ihrem Gepinsel auf der Ebene der Glaubensgemeinschaften operieren zu können, begehen sie ein Sakrileg", so Brock vor der Veranstaltung gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Museen dürften nicht zu Tempeln stilisiert werden. "Wer beten will, soll in die Kirche gehen und nicht ins Museum", unterstrich der Ästhetikprofessor und Ausstellungsmacher.