Weihbischof Kreidler beim 40-jährigen Jubiläum von St. Josef, Jungingen

Alle sollten willkommen sein, auch wenn sie aus einem fremden Land kommen, so der Weihbischof. In der Kirchengemeinde sollte man sein können, wie man ist. „Hier darfst du sein, wenn dein Leben voller Fragen ist.“ So würden die Kirchengemeinden in Zukunft zu bedeutenden Alternativen in einer oft kalten Gesellschaft. Gerade wenn sie die willkommen hießen, die sonst nicht willkommen seien, die Alten, körperlich und seelisch Kranken, die Behinderten, Arbeitslosen, die an ihren Lebensentwürfen Gescheiterten und die immer größere Zahl der neuen Armen im reichen Land.

Die Gemeinde der Zukunft sei für Kreidler jedoch auch eine Gemeinde, in der ausdrücklich nach Gott, seinem Willen und Plan gefragt werde. „Wir tun uns schwer, über unsere persönlich Ich-Du-Beziehung zu Gott mit anderen zu reden“, sagte Kreidler. In einer Gesellschaft, in der Gott nicht vermisst werde, brauche es Gemeinden, die die Frage nach Gott wach halten.

Kreidler wünschte sich auch barmherzige Gemeinden, die keine utopischen Lösungen für eine fehlerfreie Kirche und Kirchengemeinde suchten. „Wir sollen durch unsere Schwächen hindurch Gottes Barmherzigkeit verkünden“, sagte Kreidler. Wichtig sei es, nicht auf die eigene Perfektion oder die der anderen zu schauen, sondern auf Gottes Barmherzigkeit. „Wer bei sich oder anderen nur Perfektion im Sinn hat, wird immer wieder verzweifeln“, betonte Kreidler. „Rührt nicht manche Verbitterung und Enttäuschung einfach daher, dass wir unausgesprochen die höchsten Ansprüche aneinander haben?“ Machen wir die Kirchengemeinden nicht zu „Leistungsgesellschaften im Kleinen“, sagte Kreidler. „Sehen wir einander wieder mehr mit den Augen der wohlwollenden Barmherzigkeit Gottes.“