Weihnachten in den Dimensionen der Schöpfung denken

„Die Botschaft des Weihnachtsfestes ist die Antwort auf unsere menschliche Not, auf unser innerstes Verlangen.“ Unter diese zentrale Aussage hatte Bischof Gebhard Fürst seine Predigt bei der Christmette am Heiligen Abend im Rottenburger St.-Martinus-Dom gestellt. „Gott ist Mensch geworden, damit die Menschen wissen, dass sie geliebt sind“, sagte der Bischof. Gott sei in die Welt gekommen, damit die Menschen Ruhe für ihre unruhigen Seelen finden und „etwas Glanz erleben in der rauen Zeit“. Gott sei Mensch geworden, um den Menschen einen Raum zu erschließen, wo sie Mensch sein dürfen „und nicht nur Arbeitstiere oder Leistungsträger“, so Bischof Fürst. Die Menschwerdung Gottes verwandle die Zwänge des Lebens in Freiheit. Sie lasse Menschen, von denen keiner etwas wissen wolle, erfahren, dass sie geliebt seien. „Gott liebt Menschen, denen alles sinnlos und absurd erscheint und die ihr Leben aufgegeben haben“, er liebe aber auch die, die sich ihres Lebens freuten und dankbar seien. Wenn ein Mensch gesagt bekomme: Ich liebe dich, so verwandle das sein Leben. „Um wie viel mehr verwandelt Gottes Liebe zu uns unser unruhiges, glanzloses, vergessenes und verloren gegebenes Leben?“, fragte der Bischof. Das Wort „Ich liebe Dich Mensch!“ führe „aus den Todesfeldern der Selbstvorwürfe und der Resignation heraus auf die Lebenspfade der Freude und des Dankes“, betonte Bischof Fürst.

Festgottesdienst in St. Eberhard in Stuttgart: „Auch die Schöpfung gilt es zu retten und zu heilen“

Der Gedanke der Rettung stand auch im Mittelpunkt der Bischofspredigt im Festgottesdienst am Weihnachtsmorgen in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard. „Seit Weihnachten wissen wir, woher uns Heil und Rettung kommen“, sagte Bischof Fürst. Denn die zentrale Botschaft des Weihnachtsfestes laute: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“

Die in Jesus von Nazareth leibhaftig anwesende Liebe Gottes, so der Bischof, rette Menschen aus ihrer Angst, ihren Zwängen und ihrer Verzweiflung. Aber diese Rettung richte sich nicht nur auf den Menschen, sondern „auf die gefährdete Schöpfung, auf ihre Verlorenheit, auf ihre Versklavung und skrupellose Ausbeutung durch den Menschen“. „Gottes heilendes, rettendes Handeln müssen wir heute aufgrund der Ereignisse unserer Zeit umfassender verstehen“, betonte Bischof Fürst. Und weiter: „Der Mensch ist Ziel des Heilshandelns Gottes, aber auch die vom Menschen geschundene, ja teilweise schon zerstörte Schöpfung. Auch die Schöpfung gilt es zu retten und zu heilen.“

Es seien nicht einfach apokalyptische Visionen, dass ganze von Menschen bewohnte Regionen überschwemmt und die Lebensgrundlagen zerstört würden, dass Meere umkippten und das Leben im Wasser absterbe. All dies sei in den Bereich des Möglichen, sogar des Wahrscheinlichen getreten, sagte der Bischof. So sei es keineswegs „an den Haaren herbeigezogen“, am Weihnachtsfest über den Klimawandel zu sprechen. Weihnachten sei das Fest von Gottes rettender Liebe, die ohne Eigennutz sei und nichts Zerstörerisches an sich habe. Die Weihnachtsbotschaft in sich aufzunehmen, bedeute daher für Christen auch, sich mit Gottes Hilfe zu Rettern der Welt gerufen zu wissen, betonte Bischof Fürst.

Dr. Thomas Broch