Weit über das Normalmaß hinaus für andere Menschen da

Monika Margarete Freiin von Ow, Gut Neuhaus bei Starzach-Bierlingen, wurde mit der Würde einer Dame des Silvesterordens geehrt. Mit dem Ehrentitel eines Komtur mit Stern des Silvesterordens wurde der in Ostfildern lebende Komponist und Kirchenmusiker Professor Bernhard Krol ausgezeichnet. Die Komturwürde des Silvesterordens wurde dem Friedrichshafener Unternehmer Karl Fränkel und dem langjährigen Vorstandsmitglied des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Heinz Lüer, verliehen.

In einer Feierstunde anlässlich der Ordensverleihung am Donnerstagabend überreichte Bischof Gebhard Fürst im Rottenburger Bischofshaus den Geehrten im Namen des Papstes Urkunde und Ordenszeichen. Es sei „herausragendes Ereignis“, unterstrich Bischof Fürst, die vier Personen für ihr vorbildliches Engagement in der Kirche und für ihre Mitmenschen „in ebenso verdienter wie außergewöhnlicher Weise“ zu ehren.

Monika Margarete Freiin von Ow (76) lebt mit ihrer Familie auf Gut Neuhaus bei Starzach-Bierlingen und ist in den Gremien ihrer heimatlichen Kirchengemeinde in vielfältiger Weise aktiv: als 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats, als Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses der Seelsorgeeinheit Starzach, als Mitglied des Seniorenausschusses, als Beiratsvorsitzende in der Hospizgemeinschaft, als Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der Krankenpflegevereins St. Martinus Bierlingen sowie als Mitglied des Pastoralen Leitungsteams. Monika von Ow hat als eine der ersten Frauen Psychologie studiert und später als Heimleiterin in der Behindertenhilfe in der Stiftung Liebenau gearbeitet. Auf Vorschlag des früheren Rottenburger Diözesan-Bischofs Walter Kasper wurde sie 1991 in den Stiftungsrat der neu gegründeten Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn berufen und noch im selben zum Vorsitzenden dieses Gremiums gewählt. In ihren zwei Amtsperioden als Stiftungsratsvorsitzende hat Frau von Ow die Entwicklung der noch jungen Stiftung mitgetragen und konstruktiv begleitet. Durch ihre Kompetenz als verantwortungsbewusste und kenntnisreiche Beraterin und durch die Pflege intensiver persönlicher Kontakte hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass die kritische Zeit des Umbruchs und der Ablösung der sozial-caritativen Einrichtungen der Stiftung St. Franziskus von der Ordensgemeinschaft der Schwestern von Heiligenbronn in erfolgreicher Weise bewältigt werden konnte. Die erforderlichen Veränderungen im Bereich der Behinderteneinrichtungen habe sie maßgeblich mitgeprägt, würdigte Bischof Fürst ihr Engagement und betonte, dass sie diese Tätigkeit in der Heiligenbronner Stiftung in ihrem Ruhestand ehrenamtlich geleistet habe. Eine „aufgeschlossene und Innovationen gegenüber offene Frau“, sei sie doch nie darauf bedacht gewesen, „sich öffentlich zu profilieren oder zu produzieren“. Unsere Gesellschaft brauche Menschen wie Monika von Ow, „die weit über das Normalmaß hinaus und vor allem auch jenseits aller Entlohnungen und Tarife sich für andere Menschen einsetzen“, betonte der Bischof.

Professor Bernhard Krol (86) lebt in Ostfildern-Kemnat. Der 1920 in Berlin geborene Musiker war nach dem Musikstudium in Wien und Berlin von 1945 bis 1962 Hornist im Orchester der Berliner Staatsoper und bei den Berliner Philharmonikern, von 1962 bis 1979 beim Stuttgarter Radiosymphonieorchester. Ehrenamtlich engagierte er sich zum Beispiel als Jury-Vorsitzender des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD oder als Musikbeiratsmitglied beim Deutschen Cäcilienverband. 1981 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, 1990 wurde er zum Professor ernannt. Bernhard Krol ist ein moderner Komponist, der einen großen Teil seines künstlerischen Schaffens in den Dienst der Kirchenmusik gestellt hat. Ein großer Teil seiner rund 180 mit einer Opuszahl versehenen Kompositionen – Orgelwerke, Chorwerke, Messen, Orchester- und Kammermusik – sind der Kirchenmusik gewidmet. Es sei ein Anliegen Krols, so Bischof Gebhard Fürst, zeitgenössische Komposition und katholische Liturgie miteinander zu verbinden und „den Geheimnissen der Liturgie zeitgenössische Ausdruckskraft zu geben“. Dabei zeichne sich seine Musik „durch die seltene Mischung von Religiosität und Humor aus“, hob der Bischof hervor. Stets habe sich seine Fähigkeit erwiesen, die Liturgie mit neuen Impulsen zu versehen. „Menschlich sympathisch“ sei es, so Bischof Fürst, dass Krols Kompositionen immer den praktizierenden Musiker erkennen ließen und bei hohem künstlerischen Niveau zugleich ein realistisches Augenmaß dafür bewiesen, was für musikalische Laien leistbar sei. Viele geistliche Chorwerke legten dafür Zeugnis ab.

Karl Fränkel (82), 1924 in Bad Waldsee geboren und heute mit seiner Familie in Friedrichshafen wohnhaft, ist als Inhaber der Firma „Fränkel AG“ in der Bau- und Immobilienbranche tätig. Seinem Geburtsort Bad Waldsee blieb er als großzügiger Mäzen verbunden, wofür das Eingangsportal der Stadtpfarrkirche und der Brunnen vor dem Rathaus sichtbare Dokumente sind. Auch in der gesamten Region um Friedrichshafen ist Karl Fränkel als Wohltäter bekannt und geschätzt. Dank seiner Spendenbereitschaft, von der viele Kirchengemeinden profitierten, konnten Glocken gegossen, Orgeln neu beschafft oder instand gesetzt oder die Renovation von Kirchen realisiert werden. Ebenso kommt seine Hilfsbereitschaft auch Hilfsorganisationen in der Region, Kindergärten und Jugendgruppen zugute. „Die Kirchengemeinden sind ihm dafür sehr dankbar“, betonte Bischof Fürst. „Tiefe Erlebnisse von Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit von Mensch zu Mensch“, die Fränkel während der Kriegsjahre in der Ukraine und in Weißrussland erfahren habe, prägten diesen bis heute, sagte der Bischof. „Diese Jahre sind für ihn bewegendes Moment, durch das wir sein Handeln in seiner Motivation verstehen können.“ Sein soziales Engagement beschränke sich daher auch nicht auf den heimischen Umkreis, hob Bischof Fürst hervor. Auf internationaler Ebene verdiene seine tatkräftige Unterstützung der weißrussischen Partnerstadt Friedrichshafens, Polozk, Erwähnung. Die Anschaffung medizinischer Geräte etwa oder die Bereitstellung von Lebensmitteln für Kinderhäuser stoße bei Karl Fränkel stets auf selbstverständliche Hilfsbereitschaft. Fränkel, so betonte Bischof Fürst, sein im besten Sinn des Wortes ein Stifter, „jemand, der nicht zögert, sein Eigenes einzusetzen, von dem, was er besitzt, zu spenden und denen zu geben, dies es gut gebrauchen können.“ Die breite Palette seiner Gaben umfasse „manchen Konzertflügel in einem schmucken Saal in Oberschwaben“ ebenso wie „dringend notwendigen Winterstiefel für Kinder in Weißrussland“, unterstrich der Bischof. Es sei konsequent, dass der Geehrte bereits 2003 die „Fränkel-Stiftung“ gegründet habe, „damit“, so Bischof Fürst, „seine Herzensanliegen auch über seine Lebenszeit hinaus wirksam bleiben“. Bereits im Jahr 1965 war Fränkel für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen worden.

Heinz Lüer (71), geboren 1935 in Braunschweig, lebt heute mit seiner Familie in Allmersbach im Tal im Rems-Murr-Kreis. Als „einen der kompetentesten Kenner des Bereichs der Kinder- und Jugendhilfe und der Jugendsozialarbeit“ in Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland würdigte Bischof Gebhard Fürst den langjährigen stellvertretenden Caritasdirektor des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Lüer habe sich „zeitlebens in glaubwürdiger, kompetenter und höchst engagierter Weise für die Caritas eingesetzt“, betonte der Bischof. Die Entwicklung und den Aufbau des Diözesan-Caritasverbandes habe Lüer mit hoher fachlicher Kompetenz entscheidend geprägt. Die Trägerlandschaft der freien Wohlfahrtspflege im kirchlichen und politischen Raum habe er durch berufliches und ehrenamtlichen Engagement entscheidend mit geprägt. Folgerichtig sei ihm vom baden-württembergischen Sozialminister das Bundesverdienstkreuz überreicht worden. Schon seit Jugendjahren habe sich Heinz Lüer im kirchlichen und politischen Bereich ehrenamtlich engagiert. Dabei liege „das wesentliche Proprium seines Engagements eindeutig im sozial-karitativen Bereich“, unterstrich Bischof Fürst. Weit über seine berufliche Tätigkeit hinaus habe er die inhaltlichen und gesetzlichen Grundlagen für das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1963 und für das heutige Kinder- und Jugendhilfegesetz geschaffen. Der Ausbildungsgang der Jugend- und Heimerzieher und das Konzept der heutigen Sozialpädagogischen Fachschulen gehen auf seine Initiative zurück, immer gestützt durch ehrenamtliche Mitwirkung in Gremien und Vorständen. Zeitlebens, so der Bischof, habe Heinz Lüer in seinem beruflichen und ehrenamtlichen Schaffen die „karitative Dimension geradezu verkörpert“.