Weitere Etappe auf dem Abschied von europäischer Moralität

Medienberichten vom Donnerstag zufolge soll unter bestimmten Auflagen menschliches Erbgut in tierische Eizellen implantiert werden dürfen, um nach sechstägigem Zellwachstum Stammzellen zu erhalten.

„Unter dem Vorzeichen ungedeckter medizinischer Heilsversprechen wird die Instrumentalisierung des Menschen in immer weitere Dimensionen vorangetrieben“, sagte Bischof Fürst, der von 2001 bis 2005 Mitglied des Nationalen Ethikrats war. Es sei besonders bedenklich, dass die Missachtung einst geltender ethischer Tabus „mitten in Europa“ angekommen sei, sagte der Bischof. Dabei verdanke sich gerade die europäische Kultur und Humanität dem Zusammenwirken von biblischem Menschenbild und den Grundgedanken der Aufklärung. Der Rottenburger Bischof wies darauf hin, dass nach Immanuel Kant, einem der Väter der Aufklärung, „alles von Menschen Gezeugte von Anfang an als Person betrachtet werden“ müsse und „dass Menschen niemals als Mittel zum Zweck missbraucht werden“ dürften. Auf den vermeintlichen „Etappensieg“ der Stammzellenforscher, so Bischof Fürst, könne man nur mit Bertolt Brechts Galilei antworten, dass eines Tages „euer Jubelschrei über irgendeine neue Errungenschaft von einem universalen Entsetzensschrei beantwortet werden könnte“.