Wertegerüst für die Wirtschaft

Die Globalisierung sei den Menschen schmackhaft gemacht worden mit der Aussicht, sie werde den allgemeinen Wohlstand erhöhen und die Zahl der Arbeitsplätze steigern, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Donnerstag in Stuttgart bei der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). „Heute sehen wir klarer, dass sich dies nur zum Teil bewahrheitet hat.“ Viele Betriebe und besonders die großen, international agierenden, stünden unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Bischof Fürst betonte die Notwendigkeit eines global wirksamen Wertegerüstes für die Wirtschaft, das sich am christlichen Menschenbild ausrichtet.

Nur scheinbar sei die Wirtschaft ethisch neutral, betonte der Bischof. Tatsächlich gelte dem Anschein nach das Recht des Stärkeren und Schnelleren, Rücksichtslosigkeit zahle sich aus. Bischof Fürst stimmte dem CDU-Politiker Norbert Röttgen zu, der im vergangenen Jahr eine Bindung der wirtschaftlichen Akteure an eine unternehmerische Ethik und an gesamtgesellschaftliche Verantwortung gefordert hatte. Der Staat könne durch Regulierung nie ersetzen, was von verantwortlichen Wirtschaftsakteuren an moralischer Selbstverpflichtung nicht mehr empfunden werde. Der christliche Glaube und die daraus abgeleiteten ethischen Normen bilden nach Überzeugung des Bischofs eine verlässliche Grundlage für ökonomisches Handeln, in dem im Mittelpunkt der schöpferische Mensch als Gottes Ebenbild mit einer unverwechselbaren Würde steht. Der Mensch sei mehr wert als das, was er bringt und leistet. „Kein noch so großer Umsatz, keine noch so hohe Rendite ermöglichen perfektes Leben, keine ökonomische Größe garantiert Lebensglück“, so Bischof Fürst.