Who's perfect?

Menschen, die offensichtliche Einschränkungen wie eine Behinderung oder Krankheit haben, die pflegebedürftig oder finanziell auf Unterstützung angewiesen sind, werden in unserer Gesellschaft abgewertet, so Haker. „Dahinter steht immer noch das vermeintliche Ideal der Unabhängigkeit des Menschen, das seit der Moderne unsere Wertvorstellungen prägt.“ Bereits das ungeborene Leben sei vom Perfektionismuszwang betroffen: So gebe es in den USA massive Stimmen ein so genanntes 'Familiy-Balancing' zuzulassen, das Eltern eine Auswahl des Geschlechts ihrer Kinder mit Hilfe von Methoden der Reproduktionsmedizin ermöglicht, kritisierte Haker, Mitglied in der europäischen Ethikkommission.
Ethik heute müsse von einem Netz notwendiger und Not wendender Beziehungen im Blick haben, auf die jeder Mensch angewiesen ist. Soziale Gerechtigkeit dürfe dabei nicht durch das Zauberwort von der Eigenverantwortung umdefiniert werden. Die Moraltheologin machte deutlich, dass Gott wesentlich ein Gott in Beziehung ist, der anwesend ist und Anteil nimmt. „Als Menschen müssen wir uns nicht um Gott sorgen, wohl aber Gottes Sorge um die Menschen leben", so Haker.

Die Reihe "Gotteskünderinnen - Montagspredigten zu sozialpolitischen Themen" will in der Tradition der prophetischen Rede die Stimme von Frauen zu aktuellen Themen zu Gehör bringen. "Gotteskünderinnen" ist ein ökumenisches Projekt des Fachbereichs Frauen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, des Katholischen Bildungswerks Stuttgart, sowie der Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und dem Kirchlichen I-Punkt Stuttgart. Am 5.12.2005 findet um 19 Uhr in der Leonhardskirche der letzte der vier Abende statt: Die Dominikanerin Aurelia Spendel wird zum Thema 'Zwei Flügel zum Fliegen - Politik und Spiritualität' predigen.