Wichtige Impulse, aber gemeinsames Vorgehen erforderlich

Rottenburg. 9. Oktober 2013. In der Diskussion um die Handreichung der Erzdiözese Freiburg zur Seelsorge für geschiedene wiederverheiratete Katholiken hat Bischof Gebhard Fürst seine Position untermauert.

Das vom Seelsorgeamt der Erzdiözese verbreitete Papier gebe wichtige Impulse, betonte Bischof Fürst am Mittwoch in Rottenburg. Allerdings greife es einer mit allen Bischöfen in Deutschland und mit dem Papst abgestimmten Lösung vor. Bischof Fürst verwies auf bereits seit Jahren bis heute geleistete umfangreiche kirchenrechtliche und seelsorgliche Hilfen für geschiedene wiederverheiratete Paare in seiner Diözese. Diese Paare seien vollwertige Mitglieder ihrer Kirche und bräuchten besondere Zuwendung.

In dem 2010 begonnenen und im vergangenen Juni abgeschlossenen diözesanen Dialog- und Erneuerungsprozess „Glaubwürdig Kirche leben“ drängte Bischof Fürst beharrlich auf von Liebe und Barmherzigkeit getragene Lösungen, die lehramtlich, kirchenrechtlich und pastoral stimmig sind. Im Dialogprozess und in dessen Gesprächsforen nahm die Problematik geschiedener Wiederverheirateter einen hohen Rang ein. Nachdrücklich drängte der Rottenburger Bischof in diesem Prozess auf die Bildung einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Diese Arbeitsgruppe, die bereits mehrfach tagte, soll im November einen Bericht vorlegen, wie es hieß. Er wünsche sich, dass die Impulse aus der Erzdiözese Freiburg im Interesse der betroffenen Paare und der Glaubwürdigkeit der Kirche in den Ergebnissen der Arbeitsgruppe Eingang fänden, sagte Bischof Fürst. Ziel müssten grundsätzliche Klärungen auf weltkirchlicher Ebene sein.

In seinem Fastenhirtenbrief im vergangenen Jahr formulierte Bischof Fürst: „Wir alle müssen lernen, das Scheitern von Menschen und ihrer Lebensplanung ernster zu nehmen und Hilfen anzubieten, damit neues Leben gelingen kann. Auch das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“ In einem Brief an die aus sechs Bischöfen bestehende DBK-Arbeitsgruppe unter Leitung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode schrieb Bischof Fürst bereits im Juni, eine „angemessene Einzelfallbetrachtung“ jedes betroffenen Paares sei unerlässlich. Es gebe Situationen, „in denen eine Wiederheirat Geschiedener nicht einfach als fortdauernder Ehebruch zu betrachten ist, sondern als verantwortungsvoller Ausweg“. Im Gemeindealltag müsse erfahrbar werden, dass wiederverheiratete Geschiedene zur Kirche gehören und nicht ausgegrenzt werden. Es verstehe sich, dass deren Problematik „nicht durch die Bagatellisierung des Scheiterns der ersten Ehe gelöst werden kann“. Vielmehr gelte es, die Erfahrungen ebenso ernst zu nehmen wie die Entscheidungen zu Trennung und ziviler Zweitehe.

Bereits jetzt nutzt die Diözese den kirchenrechtlichen Spielraum für wiederverheiratete Geschiedene in vollem Maße. Um Partnerschaften zu stärken, macht sie unter anderem Angebote zur Vorbereitung der Ehe wie zu deren Begleitung. Zum Angebot gehören etwa auch Gottesdienste für Menschen, deren Ehe gescheitert ist. Derzeit werden intensiv Wege geprüft, wie wiederverheiratete Geschiedene als Mitarbeiter der Diözese angestellt werden beziehungsweise nach einer Wiederheirat im Dienstverhältnis bleiben können.

Von der für das kommende Jahr anberaumten Bischofssynode im Vatikan zur Problematik geschiedener wiederverheirateter Katholiken erhofft sich der Rottenburger Bischof weltkirchlich stimmige Wege, die der biblisch begründeten Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe Rechnung trägt und gleichzeitig einen lebens- und glaubensfördernden Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche erleichtert. Aktuell gelte es, so Bischof Fürst, in Anerkennung auch scheiternder ehelicher Bindungen seelsorgliche Spielräume zu nutzen, die ein kirchliches Miteinander in Liebe und Barmherzigkeit ermöglichen. Dies erfordere sensible Seelsorge und besondere Zuwendung zu den Betroffenen, in der jedes individuelle Schicksal sorgsam ins Gespräch kommt.

Uwe Renz