„Wider den Größenwahn“

Mit ihren zahlreichen Hinweisen auf Gott als Quelle und Ziel des Lebens und der Hoffnung biete sie wertvolle Hilfen, in den gegenwärtigen Herausforderungen durch technologische Revolutionen das menschengerechte Maß zu finden, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Dienstag in Rottenburg. Die Hoffnungs-Enzyklika von Papst Benedikt wende sich gegen alle Versuche technokratischer Macher, in der Schöpfung angelegte Unvollkommenheiten ohne Rücksicht auf erprobte Werte zu perfektionieren und den Menschen willkürlich zur Verfügungsmasse zu machen. Geduld sei heute zu einer weithin vergessenen Tugend geworden, betonte Bischof Fürst. Der Papst weise darauf hin, wenn er sagt: „Wartenkönnen im geduldigen Ertragen der Prüfung ist notwendig für den Gläubigen.“


Ausdrücklich nannte Bischof Fürst die Human-Gentechnologie, insbesondere die Stammzellenforschung, als Prüfstein für eine geduldig-gläubige Grundhaltung. „Wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, aus imperfekten Menschen perfekte machen zu wollen.“ Er stimme dem Papst zu, wenn dieser betone, seit der Neuzeit werde die Wiederherstellung des verlorenen Paradieses nicht mehr vom Glauben erwartet, „sondern von dem neu gefundenen Zusammenhang von Wissenschaft und Praxis“. Diese Fortschrittsgläubigkeit sei zu einer großen Herausforderung für die christliche Hoffnung geworden, so der Bischof. Er unterstrich, gerade heute seien die Humanwissenschaften mehr denn je auf das Wertefundament der christlich-jüdischen Tradition verwiesen. Eine Haltung der Hoffnung gehöre elementar dazu. Eine Erwartung aber, dass der Mensch durch die Wissenschaft erlöst werde, führe in die Irre. „Diese Art von Hoffnung ist trügerisch“, heißt es in „Spe salvi“.

Wenn der Papst in seiner Enzyklika die für Christen grundlegende Bedeutung des ewigen Lebens anspreche, so hebt er nach Überzeugung von Bischof Fürst genau auf die christliche Glaubenshaltung ab, das Leben mit einer Kultur der Geduld und der Hoffnung als vorläufig und endlich im weitesten Sinne zu akzeptieren. „Vielleicht wollen viele Menschen den Glauben heute einfach deshalb nicht, weil ihnen das ewige Leben nichts Erstrebenswertes zu sein scheint?“ zitierte der Rottenburger Bischof den Papst. Benedikt XVI. habe mit seiner Enzyklika einen Appell ausgegeben, das Leben als Geschenk dankbar anzunehmen, es geduldig zu bewahren, hoffnungsvoll zu gestalten und Anfechtungen eines widergöttlichen Größenwahns zu widerstehen. Diese Aufgabe sei eine über die Jahrhunderte bleibend aktuelle, so Bischof Fürst. Darauf weise der Papst mit seinem Satz hin: „Das immer neue Ringen um die rechten Ordnungen der menschlichen Dinge ist jeder Generation auferlegt; es ist nie einfach zu Ende gebracht.“