Wie Ostern im Herbst

Allerheiligen, Gedenktag der Toten? So einfach ist es nicht. Wer genau hinsieht, entdeckt zwei Feste: Allerheiligen und Allerseelen.

Allerheiligen und Allerseelen: Beide Tage erzählen davon, dass es zwei verschiedene Vorstellungen über die Toten gibt: nämlich die bei Gott Angekommenen und die, die noch unterwegs sind. An beiden Tagen jedoch ragt der Himmel in die Erde hinein, wie Matthias Hambücher, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart Nordwest, erklärt.

Wie der Name Allerheiligen schon sagt, geht es an diesem Tag um die Heiligen, allerdings nicht nur um die von der Kirche Heiliggesprochenen. „Allerheiligen ist wie Ostern im Herbst“, sagt Matthias Hambücher. Denn es werde gefeiert, „dass es jenseits der kanonisierten Heiligen viele Menschen gibt, deren Leben in Gott angekommen ist“.

Ausdruck der Sehnsucht

An Allerseelen dagegen werde der Toten gedacht, zu denen man eine persönliche Verbindung pflegt und denen man alles Gute wünscht. Auch wenn der Gräberbesuch meist schon am Feiertag und damit an Allerheiligen stattfindet, hat der Wunsch, dass es den Toten gut gehe, an Allerseelen seinen Platz.

Und dies ist ein Wunsch, der über das Christentum hinausweise, weil darin eine Sehnsucht vieler Menschen zum Ausdruck komme, so Pfarrer Hambücher.

Ursprünge im 4. Jahrhundert

Der Ursprung des Allerheiligen-Festes reicht bis in das 4. Jahrhundert zurück. Damals wurde derer gedacht, die für den christlichen Glauben ihr Leben ließen und als Märtyrer starben. In der abendländischen Kirche wird Allerheiligen seit dem 9. Jahrhundert am 1. November gefeiert. Als Initiator des Festes gilt der mittelalterliche Theologe Alkuin.

Der am 2. November begangene Allerseelentag etablierte sich, vom französischen Benediktinerkloster Cluny ausgehend, rund 200 Jahre später.

In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.