Persönliches

Wie Seelsorge hinter Gittern aussieht

Gefängnisseelsorger Kurt Waidosch

Kurt Waidosch spricht über seine Arbeit als Gefängnisseelsorger. drs/Guzy

Die Menschen, denen Kurt Waidosch begegnet, befinden sich in einer absoluten Ausnahmesituation: Sie sind Strafgefangene.

Für Kurt Waidosch ist es Seelsorge, wie er sie sich vorstellt – Seelsorge in konkreterster Form. „Ich spüre, dass ich Menschen intensiv begegnen kann“, sagt er. 

Schon seit 14 Jahren arbeitet Waidosch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwäbisch Hall. In Einzelgesprächen und bei Freizeitangeboten für Gruppen versucht er, den Strafgefangenen Erfahrungen mitzugeben, „die hilfreich sind“. Jetzt sitzt Waidosch in einem Kreis von Zuhörern, um bei einem Vortragsabend der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Schwäbisch Hall von seiner Arbeit zu berichten.

In ruhiger Art macht Waidosch seine Grundhaltung deutlich: „Es geht nicht darum, den Straftäter, sondern den Menschen zu sehen.“ Auch im Leitbild der katholischen Gefängnisseelsorge in den Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart heißt es: „Wir nehmen Menschen im Gefängnis unvoreingenommen an und nehmen uns Zeit für sie.“

Verschwiegenheit ist Pflicht

Denn früher oder später werden sie entlassen, früher oder später sind sie wieder Teil des normalen Lebens und könnten Nachbarn sein, erklärt Waidosch seine Grundbotschaft für die Zuhörer. Er lese auch keine Akten, sagt der Gefängnisseelsorger. Und was er erfährt, unterliegt der Verschwiegenheit.

In der JVA Schwäbisch Hall sitzen laut dem Gefängnisseelsorger etwa 400 erwachsene Männer ihre Freiheitsstrafen ab. Delikte aller Art seien darunter vertreten. Dazu kommen noch Personen in Untersuchungshaft. „Was jemand getan hat, ist klar. Im Gefängnis müssen die Leute nicht mit Masken herumlaufen“, sagt Waidosch. So öffneten sich die Männer, die mit ihm sprechen, schnell.

Die Strafgefangenen können aber nicht so einfach zu ihm. Waidosch erklärt das Prozedere: Wer mit ihm reden will, stellt einen Antrag. Dann geht Waidosch zu dessen Zelle, spricht dort oder im Gemeinschaftsraum. Mit wem er etwas vertrauter ist, wen er schon etwas einschätzen kann, den nimmt er auch mit in sein Büro. Das, erläutert Waidosch, sei ähnlich eingerichtet wie ein Wohnzimmer, die Atmosphäre soll dem Gespräch helfen. 

Vom Erzieher zum Pastoralreferenten

Die Gefangenen kommen mit unterschiedlichen Anliegen zu ihm. Schwierig für die Strafgefangenen sei vor allem, Beziehungen aufrechtzuerhalten – bei zwei Besuchsterminen pro Monat und fünf Minuten Telefonmöglichkeit pro Woche, erklärt Waidosch.

Der 56-Jährige, der aus Crailsheim stammt, studierte Theologie und Sozialpädagogik. Er machte ein Sozialpraktikum in Brasilien und promovierte in Theologie. Waidosch arbeitete zunächst als Erzieher, doch wollte er dann Gefängnisseelsorger werden.

Der Weg dorthin führte ihn über die Ausbildung zum Pastoralreferenten und die klassische Arbeit in einer Kirchengemeinde. Fünf Jahre war Waidosch im Dekanat Ellwangen tätig, bevor er Gefängnisseelsorger wurde.
 
Gemeinsames Musizieren und Singen spielen eine große Rolle bei seiner Arbeit. Waidosch hat sogar etwas Russisch gelernt, um auch einmal auf Russisch ein Lied anstimmen zu können. Mit Gefangenen hat er auch schon Musik-CDs aufgenommen. Waidosch legt eine davon in den Player ein, um eine Hörprobe zu bieten. „Was hat dieser Scheiß gebracht? Jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Text im Knast!“, rappt ein Strafgefangener.