„Wir gehen nicht traurig weg aus Ulm, aber schmerzen tut es schon.“

Die Bezeichnung „Klösterle“, wie die Ulmer Katholiken den Franziskanerkonvent in der Weststadt nennen, drücke etwas aus „von der Verbundenheit der Menschen dieser Stadt und dieser Region mit diesem Ort und den Brüdern, die hier seit 1922 gelebt und gearbeitet haben“, sagte P. Hadrian Koch. Das Loslassen sei keine leichte Entscheidung, weder für die Franziskaner noch für die Katholiken in Ulm, für die das Kloster eine geistliche Heimat gewesen sei. Es gehe bei diesem Abschied um die Erfahrung, „dass wir Pilger und Fremdlinge in dieser Welt und in dieser Zeit sind“.

Die „bedrängende Realität“, in der die Franziskaner stehen, erläuterte der Provinzial folgendermaßen: Bei seinem Eintritt in den Orden im Jahr 1966 habe die Fuldaer Franziskanerprovinz 400 Ordensgeistliche in 23 Niederlassungen gezählt, davon fünf Niederlassungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Heute zähle die Provinz in Deutschland noch 87 Brüder, die in Hessen und Baden-Württemberg lebten. Weitere 17 Brüder seien seit Jahren in Brasilien, Japan, Kenia, Togo, Jordanien und Litauen tätig. Nach dem Weggang aus Ulm habe die Provinz noch neun Niederlassungen, davon vier in Baden-Württemberg. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart verblieben noch die Konvente im Rottenburger Kloster Weggental und in Wangen im Allgäu. Der Franziskanerorden in der Fuldaer Provinz zähle heute noch ein Fünftel der Mitgliederzahl von 1950. Im Jahr 2010 sollen nach Aussage des Provinzials die vier deutschen Franziskanerprovinzen mit insgesamt 360 Ordensangehörigen zu einer einzigen zusammengeführt werden. Lediglich vier junge Männer bereiteten sich derzeit in Deutschland auf einen Eintritt in den Franziskanerorden vor.

Diese Situation, so P. Hadrian Koch, verlange es, das Gebet „Dein Wille geschehe“ ernst zu nehmen und Gottes Willen nicht mit den eigenen Wünschen zu verwechseln. Das Leben, von dem Jesus spreche, gebe es „ohne Loslassen und Hergeben“ nicht. Aber „Jesus ruft uns hinaus ins Weite“ betonte der Pater und verlieh damit dem Abschied einen tröstlichen Akzent: „Weil ich glaube, dass für Gott alles möglich ist, möchte ich voll Hoffnung und Zuversicht den nächsten Schritt in die Zukunft tun.“

Weihbischof Thomas Maria Renz, für die Orden zuständiger Bischofsvikar in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dankte den Franziskanern für ihren Dienst im Geist des hl. Franz von Assisi. Fast 90 Jahre lang hätten sie vom Ulmer „Klösterle“ aus einen wichtigen und wertvollen Platz in der Seelsorge in und um Ulm eingenommen. Neben vielen Aufgaben in der Gemeindepastoral seien sie u. a. über lange Zeit hinweg aus der Gefangenenseelsorge nicht wegzudenken gewesen.