Kirche

Wo die Seele Rast macht

Die Autobahnkapelle Christophorus an der Kochertalbrücke

Die Autobahnkapelle Christophorus an der Kochertalbrücke hat die Grundform eines Fisches. Foto: Guzy

Sie laden ein, zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen: 44 Autobahnkirchen gibt es in Deutschland, zwei stehen in unserer Diözese.

Bereits im Mittelalter wurden Wanderern, Pilgern und Reisenden Andachtsmöglichkeiten in Kapellen und an Wegkreuzen angeboten. Sie dienten als Orte des Schutzgebets und der Besinnung, und sie erinnerten die Menschen daran, sich auch auf Reisen immer wieder auf Gott zu besinnen.

Dasselbe tun die Autobahnkirchen heute, schreibt die Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen (VRK), deren Verantwortliche sich für die Kapellen besonders einsetzen. Die Kirchen laden zu Ruhe und Besinnung ein und können ein Gegenpol zum Leben auf der Überholspur sein. Der Tag der Autobahnkirchen am 21. Juni soll daran erinnern.

Rund 1 Million Menschen besuchen laut VRK jedes Jahr eine Autobahnkirche. Sie schätzen vor allem die Ruhe und die Anonymität. Das zeigte auch eine Studie des Zentrums für kirchliche Sozialforschung an der Katholischen Hochschule Freiburg. Viele nutzen das Anliegenbuch, um ihre Gedanken festzuhalten, zünden eine Kerze an und geben eine Spende. So auch in den Autobahnkirchen auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart an der Kochtertalbrücke entlang der Autobahn 6 und auf dem Winterberg entlang der A 96 bei Leutkirch.

Eine der jüngsten Autobahnkirchen in Deutschland

Die Autobahnkapelle Christophorus an der A 6 ist für viele Reisende nicht nur ein flüchtiger Zwischenstopp, sondern ein Ort, der Verbundenheit schafft. So betete einmal ein Paar um seinen Kinderwunsch in der Kapelle. Irgendwann später kehrte es extra dorthin zurück, denn mittlerweile hatte es eine Tochter. Aus den Eintragungen im Buch für die Gebetsanliegen, das in der Kapelle ausliegt, ließ sich die Geschichte herauslesen, wie Schwester Inge von der Christusträger-Schwesternschaft in Hergershof berichtet.

Die A 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg ist ein stark befahrener Abschnitt der West-Ost-Verkehrsachse. Die Schwesternschaft hatte daher die Idee, an der Strecke einen Ort zum Innehalten zu schaffen.

Im Jahr 2014 wurde die Kapelle eingeweiht. Sie ist damit eine der jüngsten Autobahnkirchen in Deutschland und die erste und bisher einzige im nördlichen Teil von Baden-Württemberg. Sie findet sich auf dem Parkplatz Kochertalbrücke Süd, ist aber zu Fuß auch vom Parkplatz auf der Nordseite zu erreichen.

Ein Pfarrer auf Durchreise hält schon mal einen Gottesdienst

Das Kirchlein mit dem aufsteigenden Dach hat die Grundform eines Fisches. Das umlaufende Fensterband aus Buntglas greift das Fischsymbol vielfach auf. Am Eingang steht eine Christophorus-Figur aus Holz. Die Christusträger-Schwesternschaft, die sich als „evangelische Kommunität in ökumenischer Offenheit“ versteht, kümmert sich um die Kapelle.

Die Kapelle und das Gebetsangebot sind ökumenisch ausgelegt. Die Kapelle steht allen christlichen Gruppen offen. So hält schon mal ein Pfarrer auf Durchreise dort Gottesdienst. Es gibt normalerweise ein monatliches Abendgebet und einen monatlichen Treff für Lkw-Fahrer. Wegen Corona musste das bisherige Angebot aber reduziert werden.

Der Gebetsort werde gut angenommen. Auch aus der Umgebung besuchen laut Schwester Inge viele Menschen die Autobahnkapelle, die für Fußgänger und Radfahrer über die Verbindungsstraße Wolpertshausen-Geislingen am Kocher zu erreichen ist.

Viele bitten um Schutz und Gesundheit für die Familie

„Eine fröhliche Tagesfahrt zu der schönen Kapelle“ erwähnt eine kurze Notiz im Buch für die Gebetsanliegen. Die meisten Beiträge bitten um Schutz und Gesundheit für die Familie. Es gibt einige fremdsprachige Einträge, insbesondere auf Polnisch.

Die Kapelle ist ab 7 Uhr geöffnet (April bis September bis 21 Uhr, Oktober bis März bis 20 Uhr). Denn einige Pendler suchen sie regelmäßig auf, um auf ihrem Weg zur Arbeit innezuhalten.

Die Galluskapelle steht an der A 96 bei Leutkirch

Die Galluskapelle auf dem Winterberg gibt bei klarem Wetter den Blick frei auf die bayerischen, österreichischen und schweizerischen Alpen, aber auch auf die Allgäuhügel der Umgebung.

Die Idee einer Autobahnkapelle entstand bereits Anfang der 1990er Jahre, als die A 96 von Lindau nach München in diesem Abschnitt gebaut wurde. Im März 1997 gründete sich der ökumenische, ehrenamtlich tätige Förderverein "Galluskapelle Winterberg e.V.", im Jahr 2000 wurde die erste Autobahnkapelle auf württembergischen Boden eingeweiht

Nach dem Aufstieg vom Autobahnparkplatz empfangen die Allgäu-Heiligen Columban, Magnus und Gallus die Besucher. Der runde Kapellenraum mit seiner hellen und offenen Atmosphäre lädt jährlich knapp 10.000 Menschen zur Andacht ein, was sich aus den Einträgen im Fürbittbuch und anhand der verkauften Kerzen errechnen lässt.

Das Programm ist derzeit ausgesetzt

Das sonst übliche Programm für Reisende und Einheimische mit Ausstellungen, Musikveranstaltungen und verschiedenen Gebetsformen ist derzeit wegen der Coronabestimmungen ausgesetzt. Auch die geplante Andacht am Tag der Autobahnkirchen kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Kapelle ist jedoch täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.