Würze einer solidarischen Gesellschaft

In einem ökumenischen Gottesdienst, den er beim Deutschen Stiftungstag am Freitag, 13. Mai, gemeinsam mit dem evangelischen Landesbischof Frank Otfried July in der Stuttgarter Stiftskirche feierte, betonte Bischof Fürst seine Freude über den Stiftungsboom in einer Zeit, in der viele Menschen sich von der Kirche distanzierten. Die Bereitschaft vieler Menschen, ihr Vermögen für das Gemeinwesen zur Verfügung zu stellen, sei zumeist nicht von einer religiös-diakonischen Grundüberzeugung zu trennen.

Stiftungen, so der Bischof, stellten ein „kluges Ensemble von Idee und Stifterwille, Bedarf an Kapital, angestrebter Nachhaltigkeit und investierter Zeit für angemessene Kommunikationsprozesse“ dar. Sie hätten sich auf den Auftrag Jesu „mit Herzblut“ eingelassen, Salz der Erde zu sein, sagte Bischof Fürst in seinem Dank an die Stifterinnen und Stifter. Sie seien die Würze einer solidarischen Gesellschaft. Die Kultur, die Stiftungen innewohne, sei zutiefst christlich. Sie lebe von Dank und Bitte. Da müssten Menschen groß genug sein, um zu bitten; andere wiederum machten sich kleiner, als sie es nach gängigen Maßstäben aufgrund ihres Vermögens nötig hätten. Wenn dieses Zusammenspiel stimme, sei der Dialog gelungen, der eine Stiftung ausmache. Dies entspreche dem christlichen Bild vom Menschen ebenso wie die Tatsache, dass Stifter eigenverantwortlich und subsidiär tätig seien. Und schließlich gelte als weiteres christliches Sozialprinzip auch der Grundsatz der Personalität: Stifter seien keine anonymen Geber, sondern zeigten sich mit ihrem Gesicht und ihrem guten Namen, betonte Bischof Fürst.

Dr. Thomas Broch