Zeichen von Solidarität und Identifikation

Zehn von ihnen haben sich am Dienstag im Rottenburger Bischofshaus getroffen und - sofern sie zum ersten Mal gewählt wurden - in Gegenwart des Bischofs das kirchenrechtlich vorgeschriebene Treueversprechen abgelegt. Seit der Neuorganisation der Dekanate in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den vergangenen Jahren sind die Dekane mit deutlich stärkerer Verantwortung in die Leitungsaufgaben der Diözese einbezogen, als dies in früheren Jahren der Fall. Unter anderem sind sie Dienstvorgesetzte der Pfarrer und der anderen Mitarbeitenden im Dekanat.

Angesichts der in letzter Zeit bekannt gewordenen Vorfälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche sprach Bischof Fürst von einer „Heimsuchung“ und einer großen Glaubwürdigkeitskrise für die Kirche. Um so mehr sei es zu würdigen, dass die Pfarrer als Dekane ein Leitungsamt mit hoher innerkirchlicher und öffentlicher Verantwortung übernehmen. Dies erfülle ihn ebenso mit Dankbarkeit wie die Tatsache, dass bei der Wahl der Kirchengemeinderäte am vergangenen Sonntag die Wahlbeteiligung mit knapp 25 Prozent im Vergleich zur letzten Wahl 2005 nahezu gleich hoch geblieben sei und dass 60 Prozent der bisherigen Kirchengemeinderäte und Pastoralräte wieder gewählt worden seien. Dies seien Zeichen der Identifikation durch Höhen und Tiefen hindurch.

Zwei Voraussetzungen nannte Bischof Fürst unter Berufung auf den 1945 durch die Nationalsozialisten ermordeten Jesuitenpaten Alfred Delp dafür, dass die Kirche den Weg zu den Menschen finden könne. Zum einen müsse sich die Kirche immer wieder auf ihren Auftrag zurückbesinnen, eine „Kirche der Diakonie“ zu sein, deren Dienst nicht durch eigenes Ermessen, sondern durch die Not der Menschen bestimmt werde. Zum anderen brauche die Kirche „erfüllte Menschen“, damit sie wieder verstanden werde. Der Dienst der Dekane beinhalte auch, mitzuhelfen, dass es in der Kirche erfüllte und schöpferische Menschen gebe, die sich als Sachwalter Christi wüssten und vor der Welt die Frohe Botschaft bezeugten.

Der neu gewählte Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen, der Wendlinger Pfarrer Paul Magino, dankte dem Bischof für die Beauftragung und das damit verbundene Vertrauen. Die Kirche, so griff Magino die aktuelle Diskussion auf, werde derzeit mit deutlich schärferen Augen beobachtet werde als andere Institutionen. Derzeit schmerze dies. Es sei aber auch ein Zeichen dafür, was von der Kirche in dieser Zeit erwartet werde.

Die neu oder wieder gewählten Dekane und stellvertretenden Dekane sind:

Im Dekanat Ehingen-Ulm: Dr. Harald Talgner, stv. Dekan, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Donau-Riß (Oberdischingen);
m Dekanat Esslingen-Nürtingen: Paul Magino, Dekan, Pfarrer in Wendlingen und Unterboihingen, seit 2006 stv. Dekan; und Martin Schwer, stv. Dekan, Pfarrer der Seelsorgeeinheit „Jakobsbrunnen“ (Nürtingen);
im Dekanat Heidenheim: Dr. Sven van Meegen, Dekan, Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Lone-Brenz (Niederstotzingen); Jürgen Zorn, Pfarrer in Heidenheim und Heidenheim-Mergelstetten;
im Dekanat Heilbronn-Neckarsulm: Siegbert Denk, Dekan, Pfarrer in Neckarsulm und Neckarsulm-Amorbach; Joseph Ambasseril, stv. Dekan, Pfarrer der italienischen Gemeinde Sacro Cuore in Heilbronn-Böckingen; Msgr. Wolfgang Westenfeld, stv. Dekan, Pfarrer in Heilbronn, bereits 1987 Kreisdekan;
im Stadtdekanat Stuttgart: Prälat Michael F. Brock, Dekan, Pfarrer der Domkirche St. Eberhard, Stadtdekan bereits seit 2001 und 2006, Regionaldekan seit 2002;
Dr. Christian Hermes, stv. Dekan, Pfarrer in Stuttgart-Mitte (St. Elisabeth) und Stuttgart-Botnang; Dr. Heiko Merkelbach, stv. Dekan, Pfarrer in Stuttgart-Möhringen; Johannes Steinbach, stv. Dekan, Pfarrer in Stuttgart-Mitte (St. Georg), Dekan des ehemaligen Dekanats Stuttgart Mitte bereits 2003.

Dr. Thomas Broch