Zeugen einer Kultur der Solidarität

Viele der dieser Ausstellung präsentierten Heiligenfiguren hätten ihre angestammten kirchlichen Podeste verlassen und seien nun in der säkularen Öffentlichkeit eines Ulmer Museums zu sehen, sagte Weihbischof Kreidler in einem Grußwort zur Eröffnung. Religion und Öffentlichkeit seien für beide Seiten ein spannendes Thema. Während es die Gefahr der Kirche sei, sich als Sonderwelt in Botschaft und Sprache abzuschließen, laufe die Moderne Gefahr, sich jeder Sinndimension jenseits von Wirtschaft und Wissenschaft zu verschließen und sich damit von wichtigen Quellen der Sinnstiftung abzuschneiden.

Die Ulmer Heiligen-Ausstellung, so Johannes Kreidler, sei zwar historisch und kunsthistorisch angelegt. Doch ziele sie „mitten hinein in das Zentrum unserer Gegenwart mit ihren zentralen Herausforderungen“. Denn Heilige seien als exponierte Gestalten europäischer Kultur und Sozialgeschichte auch Zeugen einer Kultur der Menschlichkeit und der Solidarität, in der Menschen wie Brot für einander seien. Künstlerische Darstellungen von Heiligen seien oft auch Spiegelungen individueller und sozialer Nöte der jeweiligen Zeit. Aber bis in die Gegenwart herein machten sie auch beeindruckende Antworten einzelner Menschen auf diese Not deutlich. Die Ausstellung unterstreiche dies auch durch moderne Heiligengestalten. Die Gegenwart rufe geradezu nach Ressourcen von Solidarität. „Der Solidaritätsbedarf ist enorm hoch, in Bezug auf den Hunger vieler Menschen nach Nahrung wie auf den existentiellen Hunger nach Sinn und Geborgenheit“, so Weihbischof Kreidler.

Die Ausstellung „Martyrium – Vision – Caritas: das Bild der Heiligen“ ist von 8. Februar bis 22. April 2012 zu sehen im Museum für Brotkultur, Salzstadelgasse 10, in Ulm. Infos unter www.museum-brotkultur.de.

Dr. Thomas Broch