Zu Ehren des seligen Rupert Mayer

Rupert Mayer war am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren worden; sein Elternhaus steht dort am Marktplatz. Im September wurde vor der katholischen Marienkirche in Stuttgart ein neu gestalteter Rupert-Mayer-Platz eingeweiht.

Rupert Mayer verbrachte seine Kindheit und seine Schulzeit in Stuttgart, wo er das Abitur machte. Danach studierte er in Fribourg, München und Tübingen katholische Theologie und wurde 1899 in Rottenburg zum Priester geweiht. Ein Jahr später trat er dem Jesuitenorden bei und kam nach Jahren als Volksmissionar in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden 1912 als Männerseelsorger nach München. Im Ersten Weltkrieg erlitt er 1916 eine lebensgefährliche Verletzung im rumänischen Sultatal, weil er sich schützend über einen Soldaten gebeugt hatte; sein linkes Bein musste amputiert werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Rupert Mayer in München als Präses der Marianischen Männerkongregation zur „Stimme der Katholiken“. Früh warnte er vor den Gefahren des Nationalsozialismus und wurde 1937 zum ersten Mal verhaftet. 1939 verurteilte ihn das NS-Regime zu sieben Monaten Isolationshaft im KZ Sachsenhausen. Nach der Freilassung mit der Auflage eines Predigtverbotes musste er die Zeit bis zum Kriegsende unter Gestapo-Bewachung im Kloster Ettal verbringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete der gesundheitlich in Folge der Haft schwer angeschlagene Pater wieder als Seelsorger in München; am Allerheiligentag 1945 starb er während der Messe in der Münchner Michaelskirche. Begraben ist der 1987 in München von Papst Johannes Paul II selig gesprochene Stuttgarter in der bayerischen Landeshauptstadt in der Bürgersaalkirche der Marianischen Männerkongregation.

Das bisherige Karl-Adam-Haus der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Hospitalviertel der Landeshauptstadt erinnerte an den 1966 verstorbenen gleichnamigen Tübinger Theologieprofessor. Der 1876 in der Oberpfalz geborene und als theologischer Denker weithin geachtete Professor hatte in der NS-Zeit völkisch, rassistisch und antisemitisch geprägte Aussagen gemacht. In der verstärkten Auseinandersetzung der vergangenen Jahre mit der NS-Geschichte war Adams Haltung inner- und außerhalb der Kirche kritisiert worden. „Adam kann als politisch und weltanschaulich in Teilen irregeleitetes Kind einer unseligen Zeit für heutige Generationen keine Orientierung bieten“, betonte Bischof Fürst. Rupert Mayer dagegen sei ein starkes Vorbild des Mutes und der Standhaftigkeit gegenüber unmenschlichen Ideologien. Unbenommen davon seien die theologischen Leistungen Adams als eines der damals meist gelesenen Theologen zu würdigen.

In den nächsten Wochen wird in einem angemessenen Rahmen die Umbenennung des bisherigen Karl-Adam-Hauses in Rupert-Mayer-Haus offiziell vorgenommen.