Zuhören, wie alte Menschen betreut werden möchten

Stuttgart. 19. März 2014. In den Einrichtungen der katholischen Alten- und Pflegehilfe muss weiterhin der ganze Mensch im Mittelpunkt stehen, über die pflegerische Leistung hinaus. Dies sagte die Leiterin der Hauptabteilung Caritas in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Irme Stetter-Karp, am Mittwoch in Stuttgart.

Auf ihre Initiative hin informierte sich zum Abschluss eines Projekts zur Zukunft kirchlicher Sozialstationen eine Delegation aus der Diözese über ein Modell der „Integrierten Altenpflege“ in Vorarlberg.
Im österreichischen Ludesch habe man ein Konzept gefunden, das die Bedarfe von Pflegebedürftigen wie auch ihrer Angehörigen sehr gut abbilde, sagte Stetter-Karp. „Der markanteste Unterschied zur Pflegesituation bei uns ist die Tatsache, dass Pflegekräfte gleichzeitig in der ambulanten sowie in der stationären Altenhilfe eingesetzt werden“. Außerdem werde dort Wert gelegt auf eine umfassende Beratung unter Einbeziehung der ganzen Familie des Pflegebedürftigen. Weitere Impulse für die Arbeit in der Diözese gebe die konsequente Ausrichtung auf den Respekt vor dem Wunsch des alten Menschen nach umfassender Betreuung und Begleitung im häuslichen Umfeld, sei es die Pflege zu Hause, in kleinen Wohngemeinschaften oder auch einer Pflege auf Zeit in der Nachbarschaft. Gleichzeitig biete das Ludescher Modell Sicherheit im Falle von Überlastung durch die Möglichkeit, Pflegebedürftige zeitweise stationär aufzunehmen, zeigte sich Stetter-Karp beeindruckt.
Bei der Entwicklung von Zukunftskonzepten kirchlicher Sozialstationen sei man aber ganz bewusst auch zurück gegangen in die Mitte des 19. Jahrhunderts, dem Beginn dieser Tätigkeit in der Diözese, ins Kloster Reute, sagte Stetter-Karp. Auch dort sei schon immer der ganze Mensch im Blick gewesen und man dürfe einen Gedanken der Franziskanerinnen von Reute bei allen Überlegungen heute nicht außer acht lassen: In deren Gründungsakte gebe es dazu den Vermerk, dass die Schwestern neben den drei üblichen Gelübden ein viertes, den „unentgeltlichen Krankendienst“, abgelegt hätten. Mit der Begründung „damit die Armen sich nicht abhalten lassen, uns zu rufen“.