Zukunftsweisend und ermutigend

Besonders dankbar ist Bischof Fürst, dass der Papst mit seiner Enzyklika auf theologische und dennoch jedermann verständliche Weise in das Zentrum des christlichen Glaubens vordringe. Der Papst betone, dass das diakonische Handeln kein Beiwerk christlicher Lebensgestaltung sei, sondern die zentrale Konsequenz der frohen Botschaft. Die Liebe Gottes stehe am Anfang allen Handelns des Menschen. Die Kirche als Ganze müsse dementsprechend in ihrem diakonischen Wirken eine Antwort auf Gottes Liebe sein, so Bischof Fürst. Ihr Engagement zugunsten der Notleidenden, auch in den gesellschaftlich verankerten Strukturen der Caritas, sei unverzichtbar, wenn Kirche glaubwürdig bleiben und missionarisch wirken wolle.

Als für viele Menschen hilfreich bezeichnete Fürst die begriffliche Genauigkeit des Vatikanpapiers. Mit seiner Unterscheidung von Eros und Agape treffe der Papst einen Nerv der heutigen Zeit, die die erotisch Liebe als die höchste Form der Liebe hochstilisiere und die fürsorgende Liebe abwerte. Der Papst betone dem entgegen, dass beide Elemente der Liebe zusammengehörten, wie auch Leib und Seele in der Liebe vereint sein müssen. Die Reduzierung des Menschen auf das rein Körperliche entwürdige den Menschen, betone der Papst. Der Leibfeindlichkeit, die der christlichen Botschaft häufig zugesprochen werde, erteile er jedoch eine Absage.

Im zweiten Teil des Textes spricht der Papst vom „Liebestun der Kirche“. Bischof Fürst sieht darin sein Anliegen bestätigt, die diakonisch-missionarische Kraft der Kirche zu stärken, wie er es in seiner Neujahrsansprache am Beginn des Jahres in Rottenburg formuliert hatte. Von der Enzyklika des Papstes erhofft sich der Rottenburger Bischof, dass die Gesellschaft den Stellenwert des diakonischen Handels überdenke und den gesellschaftlichen Einsatz für die Notleidenden in unserer Gesellschaft verstärke.

Die Caritas stehe in der Sicht des Papstes nicht am Rande der Kirche, sondern in ihrer Mitte. „Missionarisch sein heißt in ‚Werken der Liebe’ Zeugnis ablegen für die lebendige Wahrheit, die der Glaube ist“, so hatte es der Bischof von Rottenburg-Stuttgart in seiner Neujahrsansprache formuliert. Die Enzyklika ermutige ihn, den eingeschlagenen Weg der Kirche in Rottenburg-Stuttgart fortzusetzen, so Fürst. Der Text werde dabei in Zukunft als eine Grundlage für das diakonische Handeln der Kirche dienen. Nicht nur den Gläubigen in seiner Diözese sei der Text empfohlen. Er könne auch Politikern aller Konfessionen und Bekenntnisse, Vertretern von gesellschaftlichen Gruppen und Verbänden Orientierung geben.

Erfreut zeigte sich Bischof Fürst über die besondere Erwähnung des Patrons der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Martin von Tours. Der Papst stelle ihn als eine Ikone des unersetzlichen Wertes des individuellen Liebeszeugnisses den Menschen in der ganzen Welt vor Augen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit ihren knapp 80 Martinskirchen, der lebendigen Martinstradition und der Verleihung der Martinusmedaille im November jeden Jahres sei der Heilige besonders lebendig. Er sei für viele Gläubige und die Pastoral der Diözese insgesamt die große Leitfigur, so Bischof Fürst.

Die Enzyklika „Deus Caritas Est“ ist in gedruckter Form beim Bischöflichen Ordinariat, Expedition, Postfach 9, 72101 Rottenburg a.N., oder per fax unter 07472 169-561 kostenlos zu beziehen. Im Internet ist der Text auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz einzusehen.