Zum Vertrauen berufen

„Entdeck den roten Faden deines Lebens – Gottes Ruf auf der Spur“ war der Leitgedanke dieses Jahres. „Christus steht am Ausgangsportal dieses Berufungsjahres, und er zeigt uns eindrücklich, was das Maß der Berufung in seiner Spur ist“, sagte Bischof Fürst am Samstagabend im Rottenburger Dom. Der radikale Widerspruch, dass der Gekreuzigte der Retter sein solle, verlange ein tiefes Vertrauen, betonte der Bischof mit Bezug auf das Evangelium des Christkönigsfestes. „Die große Berufung in unserem Leben ist die Einladung, ganz auf Gott selbst zu vertrauen und ein Vertrauen einzuüben, das mit dem Kreuz vor Augen leben lernt und leben kann“, sagte Bischof Fürst. Dieses Vertrauen mache es möglich, „gerade im leidenden Gottesgesandten Jesus am Kreuz“ Gott zu entdecken.

Das bedeute auch, sagte der Bischof, dass Gott uns in den Kreuzen der Welt begegne, „in den leidenden Menschen, nicht im Triumph der Stärke und Kraft“. Das Mitleiden mit dem Leiden der Welt sei die „Grundsignatur“, der „rote Faden“ der Berufung und der Nachfolge Jesu. „Wer nur dasteht und zuschaut, für den wird dieses Schauspiel der Welt Anlass zu Hohn und Spott über Gott“, so Bischof Fürst. Wenn man allerdings aufmerksam wahrnehme, was Gott durch Menschen in ihren verschiedenartigsten Berufungen in der Welt bewirke, dann gebe es auch Grund zu tiefer Dankbarkeit, betonte der Bischof. Der Glaube an Jesus Christus erweise sich „als heilsamer Schutz gegen jede Art von Zynismus angesichts der Situation unserer oft so heillosen Welt“.

Das „Jahr der Berufung“ sei zwar abgeschlossen, aber das Anliegen selbst „allenfalls angerissen“. Die Einladung, den roten Faden der eigenen Berufung zu suchen, und zu fragen, „wozu ich eigentlich im eigenen Leben mit meinen Talenten berufen bin“, gehe selbstverständlich weiter, unterstrich der Bischof. Das gelte für Berufungen in vielerlei Weise, etwa zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche und Gesellschaft, zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Es bedeute „natürlich auch die Berufung im tieferen und besondere Sinne, die Berufung zu einem Dienst, einem Amt in der Kirche“, sagte Bischof Gebhard Fürst.