Zwei unvergessene Persönlichkeiten im Zentrum des Rottenburger Stadtbilds

Beide haben auch ihren festen Platz in der Geschichte dieser Stadt.“ Dies hat Bischof Gebhard Fürst bei der Einweihung des Rottenburger Eugen-Bolz-Platzes am Sonntag betont, zu dessen gelungener Neugestaltung er der Stadt Rottenburg und Oberbürgermeister Klaus Tappeser beglückwünschte. An der Frontseite des Bischöflichen Palais, „also fast am Begegnungspunkt zwischen Bischof-Sproll-Straße und Eugen-Bolz-Platz“, so der Bischof, sei bereits das Fundament für die historische Treppe gelegt, die im Rahmen der Sanierung des Gebäudes rekonstruiert werde. Diese Treppe hatten die Nazi-Horden in inszenierten Demonstrationen im Sommer 1938 gestürmt, von dort aus war Bischof Sproll Ende August desselben Jahres in die Verbannung gegangen. Auch die damals von dem Pöbel eingetretene Tür solle „als historische Erinnerung an diese dunkle Zeit“ wieder angebracht werden.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart habe „das Andenken ihres mutigen Bekennerbischofs immer in Ehren gehalten“, ebenso auch „die Erinnerung an den überzeugten Christen und charakterstarken Politiker Eugen Bolz“, betonte Bischof Gebhard Fürst. Als Zeichen dafür habe er selbst im Jahr 2006 zwei Erinnerungsstücke an die beiden Persönlichkeiten in die römische Martyrerkirche San Bartolomeo übertragen: einen Stein, den die Nationalsozialisten seinerzeit ins Bischofspalais geschleudert hatten, und ein Täschchen, in dem die Ehefrau von Eugen Bolz diesem zwei Tage vor seinem Tod die Kommunion in die Todeszelle gebracht habe. Ein Seligsprechungsverfahren für Bischof Joannes Baptista Sproll sei seit längerem in Vorbereitung, betonte Bischof Fürst. Im April 2007 habe er gemeinsam mit Weihbischof Johannes Kreidler bei der Seligsprechungskongregation in Rom ein Gespräch in diesem Anliegen geführt. Allerdings benötige ein solches Verfahren auch sorgfältige historische Vorbereitungen, die in einigen Details zu Bischof Sproll erst jetzt hätten abgeschlossen werden können. Aus dem Seligsprechungsprozess für den Ellwanger Pater Philipp Jeningen wisse er, wie langwierig solche Verfahren sein können. Auf Drängen von außen reagiere Rom eher mit Zurückhaltung, als dass es dem berechtigten Anliegen diene, betonte Bischof Fürst.