Zwischen den Welten leidenschaftlich und hoffnungsvoll leben

In seiner Predigt beim Ökumenischen Eröffnungsgottesdienst am Freitag in der Schwäbisch Gmünder Augustinerkirche wies Stroppel darauf hin, dass „zwischen den Welten“ die „eigentliche, zutiefst tragende und höchste Wirklichkeit“ sei. Zwar bewegten sich die Menschen scheinbar in dieser Welt und Zeit, doch alleine schon zwischen Weltanschauungen, Lebensstilen und religiösen Vorstellungen lägen Welten, so Stroppel. Und noch in einem weiteren Sinn sei der Mensch für eine bestimmte Lebenszeit „hineingespannt“ zwischen Geburt und Tod, „unserem je persönlichen Weltende“. Diese Erkenntnis, so der Generalvikar, unterbreche die Versuchung und gelegentliche Not, „diese Welt und Zeit für alles nehmen zu müssen“, und mache offen dafür, „hinaus zu horchen nach dem Wovonher und Woraufhin und Warum oder Wozu“. Allerdings könnten diese Fragen hoffnungslos sein und ins Leere gehen. Hilfe könnten die biblischen Texte geben, von denen die Vertonungen des Kirchenmusikfestivals inspiriert seien. Viele Worte der Bibel sprächen dem Menschen Mut zu, er sei nicht einfach „ein blinder Wurf des Schicksals, ein aufflammendes Streichholz vor dem Dunkel oder Licht der Weltgeschichte“, betonte Stroppel. Sie besagten: „Mensch, du hast dein Leben, dein einmaliges Leben mit deiner ganzen Welt aus der Leben schaffenden Hand Gottes und mit dem Leben gewährenden Segensgeleit Gottes.“

Clemens Stroppel wies darauf hin, dass auf Marc Chagalls Bilder die Menschen oft kopfüber schwebten. Für ihn bedeute dies: „Wir stehen nicht nur ein Leben lang mit einem Fuß im Grab, wir stehen immer schon mit beiden Füßen im Himmel, leben von Gott her und auf ihn zu mitten in unserer womöglich ganz weltlich sich gebärdenden Welt und Zeit“. Die von Gott verheißene Zukunft eines neuen Himmels und einer neuen Erde, die Zusage: „Seht, ich mache alles neu“, sei keine „Vertröstung auf ein Irgendwanneinmal“. Sie sei vielmehr eine befreiende Kraft, „jetzt und hier treu, mutig, hoffnungsvoll und leidenschaftlich zu leben“, betonte Stroppel.

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„Seht, ich mache alles neu“ ist auch der Titel einer Komposition des Rottenburger Domkapellmeisters Professor Frank Leenen, die beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in Schwäbisch Gmünd zur Uraufführung kommt. Das Auftragswerk für das Festival ist für zwei gleichstimmige Chöre und zwei Sprecher komponiert und wird von der Mädchenkantorei der Rottenburger Domsingschule vorgetragen. Siehe dazu ein Interview mit Frank Leenen unter www.drs.de.