Zwischen Freiheit der Lehre und Zwängen des Rankings

Dabei will sie im Stuttgarter Tagungshaus der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart) Anregungen für eine sinnvolle Begleitung des Wissenschaftsbetriebs durch Seelsorge geben.

Auf der Landeskonferenz befassen sich 60 Seelsorgerinnen und Seelsorger mit dem Wissenschaftsverständnis zwischen naturwissenschaftlichen und künstlerischen Kriterien. Dabei erwarten sie Impulse von hochrangigen Experten aus Wissenschaft und Politik. So reibt sich für die Rektorin der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, Petra von Olschowski, offen-kreative Kunst mit klassischen Studiengängen wie Architektur und Restauration. Der emeritierte Professor für Öffentliches Recht in Heidelberg und ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof fordert klare Voraussetzungen für Lehren und Forschen. Prof. Ottmar Schneck von der ESB Business School Reutlingen fragt, ob die Wissenschaft bei der Vermittlung ökonomischen Wissens versagt und die gesellschaftliche Verantwortung der individuellen Ethik überlassen habe. Der frühere Wissenschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Prof. Peter Frankenberg, umreißt die Verantwortung in den Ministerien. Die Hochschulseelsorge wird bei der Konferenz gefragt nach kritischer Begleitung, die weit über Seelsorge für einzelne Studierende hinausgeht.

Nur wenige Bundesländer weisen eine solche Vielfalt von Hochschulen auf wie Baden-Württemberg. Forschung und Lehre an den Universitäten, den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und den Pädagogischen Hochschulen bieten hohe Qualität und genießen teils internationales Renommee. Allein drei der elf deutschen Eliteuniversitäten liegen in Baden-Württemberg. Durch Spezialisierung und Perfektionierung wächst das Wissen vielfältig ausgebildeter junger Menschen stetig. Die Veranstaltung fragt vor diesem Hintergrund auch nach dem Sinn dieser Anstrengungen: Wie wappnet man sich gegenüber der Gefahr zu großer Stofffülle? Mindert zunehmendes Spezialistentum die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen? Wo bleibt die Freiheit des Lehrens in den Abhängigkeiten der Drittmittel-Finanzierung? Solche Fragen fordern auch die Hochschulseelsorge heraus - muss sie doch überlegen, wie sie den Wissenschaftsbetrieb und vor allem die Menschen darin unter ständig sich verändernden Bedingungen kritisch begleiten kann.

Hinweis: In der Landesarbeitsgemeinschaft für Hochschulseelsorge in Baden-Württemberg (LAG) haben sich die Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg sowie die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammen geschlossen, um gemeinsame Anliegen der Hochschulseelsorge ökumenisch und landesweit zu vertreten. Grundlage hierfür ist die umfangreiche Präsenz und Tätigkeit der Kirchen an nahezu allen Hochschulstandorten in Baden-Württemberg durch ihre Katholischen Hochschulgemeinden (KHG), Evangelischen Studierendengemeinden (ESG) und den Studentenwohnheimen in kirchlicher Trägerschaft.

An die Redaktionen: Zur Tagung der Hochschulseelsorge sind Sie herzlich eingeladen. Für Rückfragen steht Ihnen Stefanie Wahle-Hohloch zur Verfügung, Telefon (07472) 169-318, Email: swahle(at)bo.drs.de; das Programm finden Sie auf www.hochschulseelsorgeinbw.de.