Zwischen Woher und Wohin

Das Thema des Wettbewerbs lautete „mensch.werden.lernen“. Michael Krämer, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung, erläuterte bei der Preisverleihung: „Wir versuchen in der keb Orte zu schaffen, an denen Menschen sich als Menschen erleben können, an denen sie ihr Werden entdecken und entwickeln.“ Ausgezeichnet wurden Walle Sayer (Horb-Dettingen), Anke Laufer (Tübingen) und Anja Munding (Köln).

Michael Krämer würdigte in seiner Laudatio die eingereichten Werke: „Sprechen in dieser Weise macht wirklich den Menschen zum Menschen, weil sie ihm ein Woher gibt und ein Wohin aufzeichnet, das offen bleibt wie der Augenblick, in dem sich Leben abspielt.“ Mit dem ersten Preis wurde der 1960 in Bierlingen im Landkreis Tübingen geborene Schriftsteller Walle Sayer aus Horb-Dettingen ausgezeichnet. Die Literaturpreis-Jury bescheinigte seinen fünf eingereichten Gedichten „eine sprachlich hoch konzentrierte Gestaltung des ausgeschriebenen Themas“. Der gelernte Bankkaufmann ist Träger mehrerer Literaturpreise, darunter der Ludwig-Uhland-Förderpreis 2009 und der Thaddäus-Troll-Preis 1994. Seine erste Veröffentlichung war 1984 der Gedichtband „Die übriggebliebenen Farben“. Für ihre Erzählung „Das Zwinkern der Venus“ erhielt die 1965 in Villingen geborene, jetzt bei Tübingen lebende Anke Laufer den zweiten Preis. Laufer hat Ethnologie und Politik studiert und 1998 zum Thema „Rassismus, ethnische Stereotype und nationale Identität in Peru“ promoviert. Seit 2006 publiziert sie Prosa. Sie ist unter anderem Trägerin des Deutschen Kurzkrimipreises 2009, des Würth-Literaturpreises 2011 und des Schwäbischen Literaturpreises 2007. Die dritte Preisträgerin ist die 1974 geborene Anja Munding aus Köln. Die Lehrerin war schon im Studium vielseitig engagiert und arbeitet in Köln „im religiösen und kulturellen Umfeld, in Regie-Arbeiten, in Kindergarten und Schule mit und für Menschen“, so Michael Krämer in seiner Laudatio. So entsprächen nicht nur ihre mit dem dritten Preis ausgezeichneten Gedichte, sondern ihre Person dem im Thema des Wettbewerbs „mensch.werden.leben“ ausgedrückten Grundgedanken der kirchlichen Erwachsenenbildung.

Autorinnen und Autoren aus drei europäischen Ländern hatten sich um den Literaturpreis der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart beworben. Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen des Tages der Katholischen Erwachsenenbildung verliehen, diesmal im Zusammenhang mit dem 40-jährigen Bestehen der Organisation.