Kultur

1300 Jahre Klosterinsel Reichenau

Impression aus der Großen Landesausstellung 2024 zur Insel Reichenau. Bild: Badisches Landesmuseum, ARTIS – Uli Deck

Diese Ausstellungsimpression zeigt ein Antependium mit gewirkten Szenen aus dem Leben Jesu aus dem ehemaligen Kloster Rheinau und ist eine Leihgabe des Schweizerischen Nationalmuseums. Bild: Badisches Landesmuseum, ARTIS – Uli Deck

Der Codex Egberti. Bild: Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Der "Codex Egberti" aus Trier ist eine Leihgabe der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier und des Stadtarchivs Trier. Er gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Bild: Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Die Große Landesausstellung 2024 widmet sich der Klosterinsel Reichenau, die Jubiläum feiert. Die Ausstellungseröffnung ist am Samstag.

Die Große Landesausstellung „Welterbe des Mittelalters – 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau“ im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz zeigt den Besucher:innen ab dem kommenden Wochenende die größte, jemals realisierte Zusammenkunft von Reichenauer Handschriften, heißt es seitens des für die Ausstellung verantwortlichen Badischen Landesmuseums in Karlsruhe. Höhepunkt seien zehn Vitrinen im zweiten Obergeschoss: „Hier finden sich die wichtigsten Werke der Reichenauer Schreibwerkstatt“, sagt Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums.

Nach über 1.000 Jahren kehrten fünf von der UNESCO ausgezeichnete Handschriften aus Paris, Cividale del Friuli, Trier, Aachen und Darmstadt wieder an den Bodensee und damit an den Ort ihrer Entstehung zurück. So enthalte das Liuthar-Evangeliar aus der Domschatzkammer Aachen eine der bekanntesten Miniaturen der mittelalterlichen Buchkunst: ein Widmungsbild, auf dem der Mönch Liuthar dem Kaiser einen Codex überreicht. Das Evangeliar sei über die gesamte Ausstellungsdauer zu sehen, sagt Köhne und erläutert: „Handschriften sind nahezu das Aufwändigste und Fragilste, was ein Museum ausstellen kann. Die Präsentation erfordert besondere klimatische Bedingungen, spezielle Vitrinen und eine sorgsame Lichtführung. Wir sind sehr glücklich, dass wir die kostbaren Handschriften jeweils mindestens drei Monate zeigen können, verteilt auf beide Hälften der Laufzeit. Den Besucherinnen und Besuchern bietet sich die einmalige Gelegenheit, die Entwicklung der Buchmalerei vom 9. bis 11. Jahrhundert auf der Reichenau nachzuvollziehen und die Handschriften und Stile miteinander zu vergleichen“, sagt Köhne.

Das zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Poussay-Evangelistar aus Paris sei so ab dem Ausstellungsbeginn am Samstag, 20. April, zu sehen. „Es wird bei uns erstmalig seit der Restaurierung seines Prachteinbandes gezeigt“, sagt der Museumsdirektor. In der zweiten Ausstellungshälfte könnten sich die Besucherinnen und Besucher dann auf den Egbert-Psalter aus Cividale del Friuli freuen, der bis zum Ausstellungsende am Sonntag, 20. Oktober, zu sehen sein werde. „Die Ausreise des Psalters musste durch das italienische Kulturministerium genehmigt werden. Das bedeutende Werk zählt zum nationalen Kulturerbe Italiens und würde das Land sonst nie verlassen, heißt es seitens des Museums.

Die engen Verbindungen der Reichenau zu Italien dokumentierten in der Ausstellung auch zwei bedeutende Steinwerke: Die 1973 ausgegrabene Reliefplatte aus der Kirche St. Peter und Paul in Niederzell werde im direkten Vergleich zu einer nahezu identischen Platte aus dem Archäologischen Nationalmuseum in Venedig gezeigt – und untermauere damit den neuesten Forschungsstand: Um das Jahr 800 müsse der Bischof von Verona und Stifter Egino Werkleute aus Venetien für seinen Kirchenbau auf die Reichenau mitgebracht haben.

Zahlreiche weitere nationale wie internationale Leihgeber unterstützen die Jubiläumsschau ebenfalls mit ihren wichtigsten Stücken: Aus Köln erwarte das Museum mit dem Harrach-Diptychon eines der schönsten Elfenbeinreliefs aus der Hofschule Karls des Großen. Von einer gelebten Heiligenverehrung zeugten Leihgaben wie das Verena-Armreliquiar aus Bad Zurzach. Der mit Edelsteinen besetzte Kirchenschatz besitze ein kleines Türchen, das geöffnet den Blick auf den Armknochen der Heiligen freigibt. Herausragende Schätze wie der Egbert-Schrein aus Trier, das Hatto-Fenster aus Mainz oder der Wetterhahn aus Brescia, einer der ältesten überhaupt, führten die Besucherinnen und Besucher in die mittelalterliche Klosterwelt ein. „Damit bietet die Schau eine konkrete Vorstellung von den Anfängen und der Blütezeit des frühen Christentums“, sagt Eckart Köhne, und Olaf Siart, Wissenschaftlicher Projektleiter der Großen Jahresausstellung, fasst eine Hauptaussage der Ausstellung wie folgt zusammen: „Klöster waren zentrale Orte. Sie waren Herrschafts- und Verwaltungssitze, ordnende Institutionen, religiöse Zentren und kulturelle Leuchttürme, die ins ganze Land und weit darüber hinaus strahlten. Wer sich mit der Geschichte des Klosters Reichenau beschäftigt, lernt die Strukturen des Frühmittelalters kennen. Nach der Antike entstanden hier die Wurzeln Europas neu.“

Weitere Informationen über das Jubiläumsjahr, die Große Landesausstellung und zum Programm auf der Insel Reichenau selbst finden sich hier.

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