Pater Philipp Jeningen

Ein Festwochenende für den „guten Pater Philipp“

Pater Philipp Jeningen. Gemälde von Gerhard Stock 2003. Foto: FOTO-PHOSITIV/Marianne Borst

Am 16. Juli wird Pater Philipp Jeningen seliggesprochen. Kardinal Semeraro aus Rom kommt zur liturgischen Feier nach Ellwangen.

Ein außergewöhnliches Ereignis findet am Samstag, 16. Juli, in der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt: Pater Philipp Jeningen wird in Ellwangen an der Jagst seliggesprochen. Der Jesuitenpater erhält diese besondere Ehre durch Marcello Kardinal Semeraro, den Präfekten der Selig- und Heiligsprechungskongregation aus Rom. Das Pontifikalamt wird auf dem Marktplatz vor der Basilika St. Vitus in Ellwangen gefeiert und startet um 10 Uhr. Zu den Konzelebranten zählen unter anderem Bischof Dr. Gebhard Fürst und der Apostolische Nuntius Nikola Eterović. 

Mit der Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen (1642-1704) geht ein lang gehegter Wunsch vieler Menschen in Ellwangen und Umgebung, aber auch in anderen Teilen der Diözese in Erfüllung. Seit seinem Tod 1704 ist die Verehrung des „guten Pater Philipp“ nie erloschen; bis heute ist sein Grab in der Liebfrauenkapelle der Ellwanger Basilika eine vielbesuchte Stätte des Gebets und der Fürbitte.

Ein Volksmissionar und Seliger für heute

Als Volksmissionar war Pater Philipp Jeningen im 17. Jahrhundert in Ellwangen tätig. Der aus Eichstätt stammende Jesuit wirkte zunächst als Lehrer in Mindelheim und Dillingen, ehe er 1680 nach Ellwangen gesandt wurde. Als Beichtvater vor allem im Marien-Wallfahrtsort auf dem Schönenberg sowie in der Stiftskirche, der heutigen Basilika St. Vitus, sah er seine Aufgabe darin, „dem Nächsten Gott, Jesus und die Gottesmutter ins Herz einzuprägen“, ihn aus der Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit herauszuführen und ihm zu einem von Herzen kommenden Verhältnis zu Gott, Jesus Christus und der Gottesmutter zu verhelfen. Gerade die Beziehung zu Maria, ihre Nähe, die er insbesondere in der Anbetung erfuhr, prägten seine Spiritualität. Nachdem immer mehr Wallfahrer zum Marien-Wallfahrtsort auf dem Schönenberg pilgerten, regte Pater Philipp Jeningen an, die dortige Kapelle durch eine große Wallfahrtskirche zu ersetzen. Der Bau der Kirche wurde verwirklicht, nachdem die Stadt 1681 nach einem Gebetsversprechen an Maria von einem Großbrand verschont blieb.

Aus dem Wallfahrtsseelsorger wurde immer mehr ein Volksmissionar, der zu den Menschen ging und ihnen demütig und liebevoll begegnete. In einer Zeit, die ähnliche Krisensymptome zeigte wie die heutige – Priestermangel und „Wüstenerfahrungen“ im Glauben – besuchte er zwischen 1680 und 1704 um die 1.000 Orte, um die Gegenwart Gottes den Menschen ganz sichtbar vor Augen zu führen. Den Nöten der Zeit – auch als Folge von Pest und Krieg – setzte er Anteilnahme, Gottvertrauen und Aufbauarbeit entgegen. Sein Motto „Alles zur größeren Ehre Gottes“ leitete er vom Wahlspruch des Ordensgründers Ignatius ab.

Festwochenende zur Seligsprechung mit vielen Programmpunkten

Die Seligsprechung in Ellwangen wird von einem Festwochenende begleitet, das bereits am Freitagabend (15. Juli) um 21 Uhr mit einer Lichterprozession vom Schönenberg zur Basilika in der Innenstadt beginnt. Direkt vor dem Pontifikalamt zur Seligsprechung am Samstag, 16. Juli, begrüßt Bischof Fürst die Gäste. Ein Talk u.a. mit dem Ellwanger Stadtpfarrer Sven van Meegen schließt sich an, bevor um 10 Uhr das Pontifikalamt mit der Seligsprechung beginnt. Im Anschluss sind alle Mitfeiernden zum Mittagessen auf dem Marktplatz eingeladen. Am Samstagabend um 19 Uhr gibt es auf dem Schönenberg eine Marienvesper.

Der Sonntag, 17. Juli, startet mit einem weiteren Pontifikalamt mit Bischof Fürst um 10 Uhr am Bergaltar auf dem Schönenberg. Parallel dazu wird eine Kinderkirche gefeiert. Auch hier wird im Anschluss zum Mittagessen auf den Kirchplatz geladen. Um 18 Uhr findet ein abschließender Vespergottesdienst in der Basilika St. Vitus statt.

Podcast, Buch über Pater Philipp Jeningen und Livestream der Seligsprechung

Im Vorfeld der Seligsprechung spricht Jesuitenpater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg im Podcast „Kapellengespräch“ über die Seligsprechung Philipp Jeningens und über deren Bedeutung in der heutigen Zeit. Der Podcast erscheint am Mittwoch, 6. Juli, u.a. bei Soundcloud, den diözesanen Facebook- und YouTube-Kanälen sowie unter www.drs.de.

Bischof Fürst hat das Buch „Menschenfreund und Mystiker. Pater Philipp Jeningen – ein Seliger für heute“ veröffentlicht. Die Beiträge darin schlagen eine Brücke von der Erinnerung an einen längst verstorbenen heiligmäßigen Mann zum Verlangen heutiger Menschen nach Trost und Ermutigung und zu der Frage nach einer Kirche, die das Evangelium Jesu Christi als Hoffnung für unsere Zeit aufscheinen lässt. Am Beispiel Pater Philipp Jeningens reflektieren sie, welche Zugänge zur Verehrung von Seligen und Heiligen für Gläubige auch heute noch möglich sind. Das Buch ist vor kurzem im Schwabenverlag erschienen.

Das Pontifikalamt zur Seligsprechung wird live auf der Homepage der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter www.drs.de übertragen. Weitere Informationen über Pater Philipp Jeningen finden sich dort auch in einem speziellen Dossier.

Ein Seliger für heute

Alle Informationen zur Seligsprechung finden Sie in unserem Dossier

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