Der Verein hat einen italienischen Namen, Präsidium und Geschäftsstelle befinden sich aber in Oberschwaben. Wie die Verbindung zwischen dem „Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen“ in Rom und Württemberg vor einem Vierteljahrhundert entstand, welche Rolle die Kardinäle Walter Kasper und Kurt Koch spielen und wie der Verein die Ökumene hierzulande voranbringt, erklärt Präsident Max Semler im Interview.
Herr Semler, „Unità dei Cristiani“ - welche Botschaft steckt in diesem Namen?
Kardinal Walter Kasper hatte den Namen „Unità dei Cristiani“ für den Förderverein vorgeschlagen. Das bedeutet „Einheit der Christen – Ökumene“, wie es im Zusatz heißt. Ich kann mich noch gut an die Gründungsversammlung erinnern, die diesem Namen einmütig zustimmte.
Wie kam es vor 25 Jahren zur Gründung?
Im Jahr 2000 trafen sich auf Einladung des Unternehmers Andreas Maier aus Schwendi einige Mitglieder vom Rotary Club Biberach zu Gesprächen. Es ging um die Gründung einer Organisation, die die Arbeit von Walter Kasper, damals Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, in Rom finanziell und ideell unterstützen sollte. Zuvor gab es allerdings mehrere Gespräche in einem kleinen Kreis zusammen mit Bischof Kasper. Man einigte sich darauf, einen Verein zu gründen. Bei der Gründungsversammlung der „Unità dei Cristiani“ am 17. August 2001 war Kasper bereits Kardinal und Präfekt des Päpstlichen Ökumenerates.
Wie würden Sie die Ziele des Vereins beschreiben?
Bei unseren Tagungen geht es darum, in Gesprächen, ökumenischen Gottesdiensten, Gebeten und Veranstaltungen das Verständnis und den Respekt gegenüber den unterschiedlichen Glaubenswegen zu vertiefen. Durch die persönlichen Begegnungen unter unseren Mitgliedern und darüber hinaus sind viele neue Freundschaften unter Menschen entstanden, die das Anliegen der Ökumene mittragen. Wir wollen die Einheit der Christen in versöhnter Verschiedenheit voranzubringen.
Wie engagieren sich der Verein und die Mitglieder konkret für das Miteinander der Konfessionen und Kirchen?
Wir haben bisher neun Ökumene-Preise an Personen, Organisationen, und Projekte verliehen, die an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Anlässen und auf verschiedene Art die Ökumene weiterentwickeln und neue Impulse geben sollen. Wir haben dabei die Kirchenleitungen im Blick, besonders aber auch die Basis vor Ort. Neben der Mitwirkung bei Kirchentagen in Berlin, Stuttgart und München veranstalten wir Vorträge, veröffentlichen Beiträge auf unserer Internetseite oder unterstützen bei der Herausgabe von Büchern und Schriften. Zu unserem Programm gehören auch Rom-Pilgerreisen zu Kardinal Kasper, Kardinal Koch, seinem Nachfolger, und zu Gesprächen mit dem Papst bei der Generalaudienz.
Zurückgehende Finanzen, Zusammenlegung von Kirchengemeinden, Überprüfung der Gebäude und Räumlichkeiten - sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche sind gerade im Wandel. Was könnte aus Ihrer Sicht da gemeinsam gehen?
Weiterbildungsmaßnahmen, Vorträge, Gottesdienste und Feste könnten gemeinsam organisiert und veranstaltet werden. Bei Jubiläen am Ort und in Vereinen könnten die Kirchen ökumenische Gottesdienste anbieten. Einfach noch mehr die Gemeinsamkeiten entdecken und das, was jetzt schon möglich ist, seitens des Ehrenamtes und der Kirchenleitungen ins Rampenlicht zu stellen und in der Praxis umzusetzen.
Ist die Ökumene im Blick auf die vergangenen 25 Jahre in Ihren Augen auf einem guten Weg?
Viele ökumenische Aktivitäten und Begegnungen vor Ort in den Gemeinden wären vor Jahren noch undenkbar gewesen. Leider muss ich aber immer wieder feststellen, dass in manchen Gemeinden wenig bis kein Raum für eine ökumenische Zusammenarbeit besteht. Das ist sehr bedauerlich, man war da oft schon weiter. Trotz einiger Rückschläge befindet sich die Ökumene aber nicht im Stillstand. Sie lebt und ist unumkehrbar – ganz besonders an der Basis in den Gemeinden. Das stimmt mich zuversichtlich.




