Synodaler Weg

Alles getan oder noch viel zu tun?

Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Thomas Brandl

Bild: Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Eine zweitägige Akademie-Tagung in Hohenheim fragt nach den ganz konkreten Folgen des Synodalen Wegs für die Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Skepsis, Zufriedenheit und Unzufriedenheit – vor allem aber viele Wünsche. Das war der Beginn der Tagung "Wirksame Wegmarken" in der Diözesanakademie. Sie beschäftigt sich zwei Tage lang mit der Frage: Welche Folgen hat der Synodale Weg für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Und welche muss er haben?

Befürchtungen jedenfalls kursierten unter den etwa hundert Gästen aus Diözesanrat, praktischer Seelsorge, Ordinariat und Fachtheologie. "Wir stehen", so lautete am ersten Tag die meistgehörte Zeit-Diagnose, "praktisch wieder da wie vor fünfzig Jahren bei der Würzburger Synode." Und was aus deren Reformschwung geworden sei? Eben.

Das "Rottenburger Modell" als Orientierung

Einem vergleichbar spurlosen Versanden des Synodalen Wegs wollte die Tagung in Hohenheim entgegenwirken. Wobei Bischof Gebhard Fürst zu Beginn anmerkte, das meiste aus den Vorschlägen des Synodalen Wegs zur Mitsprache von Nichtgeweihten sei in dieser Diözese ohnehin schon, über die letzten fünfzig Jahre hinweg, umgesetzt und tägliche Praxis geworden.

Am "Rottenburger Modell" hätten sich auch die Ziele orientiert, die das Forum 1 des Synodalen Wegs, "Macht und Gewaltenteilung" letztlich aufgeschrieben habe und die dann vom Plenum auch beschlossen worden seien. "So weit sind andere Diözesen noch lange nicht", sagte Fürst, und ein derart gut eingespieltes Verhältnis zwischen "Laien" und Klerus sei einzigartig in Deutschland.

Besorgnis vor möglichem Bischofswechsel

Dafür – und auch für die Rolle des Bischofs bei der Umsetzung des "Rottenburger Modells" gab es durchaus Applaus im Publikum. Und dass Fürst an der Laienpredigt ebenso festhalten will wie an der (von November an) geplanten Ermöglichung der Taufspendung durch Nichtgeweihte, auch das wurde begrüßt.

Darunter mischte sich aber die Besorgnis, ob mit dem anstehenden Bischofswechsel das "Rottenburger Modell" bestehen bleibe oder ob der Nachfolger – so ähnlich, wie es Gemeindereferentinnen beim Wechsel eines Pfarrers nicht selten feststellen – "der Neue" dann alle Fortschritte wieder kassieren könnte. "Und wir", hieß es in Hohenheim so häufig, "sind völlig abhängig von den Leitenden." Eine gemeinsame Augenhöhe gebe es nicht. Fürst wiederum betonte, die Rottenburger Regelungen seien krisenfest und rechtssicher.

Raum für Experimente

Andere beklagten, das Modell sei "in die Jahre gekommen"; da gebe es "Verfallszeiten". Die Regelungen müssten überholt und ausgebaut werden. Besonders stark gefordert wurde der Wandel zu einer "geschlechtergerechten Kirche". Wenn Männer, Priester, weniger würden, brauche es auch neue Formen der Liturgie. Frauen riefen sich gegenseitig zur "Selbstermächtigung" auf; sie wollten sich "nicht länger von klerikalen Machtmenschen gängeln lassen".

Verkündigung dürfe "nicht am Geschlecht hängen"; alle seien zur Seelsorge aufgefordert. Die künftige Kirche brauche "Raum für Experimente" – den gerade Frauen sich nehmen sollten und wollten. "Wir müssen aus der Depression raus. Der Abwärtstrend kann eine Chance für eine geschlechtergerechte Kirche sein", sagte etwa Schwester Nicola Maria aus Stuttgart.

Begleiter und Berater der Hohenheimer Tagung ist der tschechische Theologe und Soziologe Tomáš Halík, der am Donnerstag auch seine Vorstellungen darüber skizziert, wie die katholische Kirche aus ihrem Tief wieder herauskommen könnte.

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