Brauchtum

(Auch) Narren haben ihre Hoimet bei Gott

„Jedem zur Freud – niemand zum Leid" lautet das Selbstverständnis der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte, deren Präsidiumsmitglieder am Gottesdienst im Rahmen des VFON-Ringtreffens teilnahmen. Foto: drs/Jerabek

Narren können „gscheid feire“ - und auch „gscheid bäda“. Zum Auftakt des VFON-Ringtreffens kamen zahlreiche Zunftmitglieder in das Marchtaler Münster.

48 Grad 14 Minuten nördlicher Breite, 9 Grad 34 Minuten östlicher Länge – für manche sind es Koordinaten (von Obermarchtal), für andere ist es „Hoimet“. Ein Wochenende lang war die rührige Gemeinde an der Südwestgrenze des Alb-Donau-Kreises zumindest vorübergehende Hoimet tausender Narren, die zum Ringtreffen der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) kamen. Unzählige Mitglieder der 27 traditionellen Narrenzünfte aus dem oberschwäbischen Raum und einige Gastzünfte strömten „zum Narrenfescht ins Jubiläumsnescht". Denn für die gastgebende Narrenzunft Obermarchtal galt es, das 100-Jahr-Jubiläum nachzuholen, dass 2022 abgesagt werden musste. Und als ob das nicht schon gereicht hätte, feiert die 1300-Seelen-Gemeinde heuer „1250 Jahre Obermarchtal“.

Voller Narren (und auch „normaler“ Leit) war das Münster beim Gottesdienst zum Auftakt des Treffens. „Wir feiern heut an diesem Ort, der Heimat ischd im tiefsten Wort", reimte Pfarrer Gianfranco Loi, bildet doch die imposante Klosteranlage einen zentralen Identifikationspunkt in Obermarchtal. In den Fürbitten, in Liedern und vor allem in der Predigt dachte die feiernde Gemeinde über „Hoimet" nach. „Heimat wächst net nur durch Zahl, sie wächst durch Menschen überall“, sagte Pfarrer Loi mit Blick auf das Jubiläumsjahr. Und ganz wichtig: „Heimat isch die Zusage ganz klar, / die Gott uns gibt und schon immer war, / er sagt zu dir, egal wo du bischd: / Du bisch mein, du lieber Chrischd."

Ich darf kommen wie ich bin

Das Vertrauen, bedingungslos angenommen zu sein - „Bei Gott darf ich so kommen her, / wie ich halt bin, net anders, net mehr" - zeichne den christlichen Glauben aus, betonte Loi: „Man kann im Leben alles verlier'n, / Ansehen, Stellung oder sich blamier'n, / doch was Gott einmal zu dir spricht, / des nimmt dir keiner nie und nicht." Durch Gott werde letztlich „alles zum Heimatort". Und milde gestimmt wie der gute Hirte im Evangelium, der dem verlorenen Schaf nachgeht, sagte Loi mit einem Lächeln: „I bin net bös, dass ich einige aus eurer Runde / nur einmal im Jahr hier sehe zu dieser Stunde..." Aber wer weiß: Vielleicht sieht man sich am Aschermittwoch wieder, weil Umkehr nötig und möglich sei, lud Loi „ganz ohne List" bereits „zum Äschele" ein.

Den emotionalen Höhepunkt des Gottesdienstes im Rot, Gold und Grün ausgeleuchteten Münster, den Farben der Gemeinde Obermarchtal, bildete das Danklied „Hoimetgfühl – Marchtlgfühl“. Zu Herzen gehend, dass selbst „hartgesottene" Narren Tränen in den Augen hatten, spielten und sangen die Musikkapelle Obermarchtal, Solistinnen und der Narrenchor zusammen mit der ganzen Gemeinde diese Ode an den „Oot" (Ort), der Hoimet ist.

Weitere Nachrichten

Diözesanrat
Das letzte Treffen des Geschäftsführende Ausschusses des 11. Diözesanrats.
Der Geschäftsführende Ausschuss des 11. Diözesanrats kommt zu seiner abschließenden Sitzung zusammen und Mitglieder ziehen Bilanz.
Weiterlesen
Kirchenjahr
Die Personen stehen in bunten Kostümen auf der Bühne, singen und tanzen.
Was es mit den Rittern der Schwafelrunde auf sich hat und weshalb sie in der Fasnet von Altdorf-Weingarten nicht mehr wegzudenken sind.
Weiterlesen