Malteser

Auf ein Wort gegen Einsamkeit

Im Tagestreff der Malteser können Menschen mit Demenz zusammenkommen und erfahren durch gemeinsame Aktivitäten Gemeinschaft und Freude. Bild: Christian Vierfuss / Malteser

Über Möglichkeiten barrierefreier Zugänge zur Gemeinschaft für Menschen mit Demenz diskutierten Engagierte, Fachkräfte, Politiker und Angehörige.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Auf ein Wort gegen Einsamkeit" diskutierten auf Einladung der Malteser und der Strategischen Sozialplanung der Landeshauptstadt Stuttgart Politik, Fachkräfte, Leitungen, ehrenamtlich Engagierte und Angehörige das Thema "Isolation und Einsamkeit von Menschen mit Demenz - Barrierefreie Zugänge zur Gemeinschaft für Menschen mit Demenz schaffen".

Die Veranstaltungsreihe ist Teil der Stuttgarter Initiative gegen Einsamkeit "Gemeinsam - Zusammenhalt finden", die von der Strategischen Sozialplanung im Referat Soziales und gesellschaftliche Integration der Landeshauptstadt Stuttgart koordiniert und umgesetzt wird.

"Wenn Angehörige zu uns kommen, dann hat sich das persönliche Netzwerk bereits zurückgezogen", so Nadine Henninger vom Sozialen Ehrenamt der Malteser Stuttgart. "Ebenso können Isolation und Einsamkeit zu Demenz führen beziehungsweise diese verstärken. Mit dem Forum wollen wir das Thema Demenz enttabuisieren und für die alltäglichen Herausforderungen der betroffenen Menschen sensibilisieren."

Interaktiver Parcours zum Einfühlen

Wie sich Menschen fühlen, die an Demenz erkrankt sind, konnten die Teilnehmenden beim Demenzparcours "Hands on Dementia" selbst erfahren. Der Parcours ist ein interaktiver Weg, der hilft, Menschen mit Demenz zu verstehen und sich in sie einzufühlen.

An verschiedenen Stationen durchliefen die Teilnehmenden einen ganz gewöhnlichen Tag: Anziehen, Frühstücken, Einkaufen, Kochen, Mittagessen, Straßenverkehr, Büro, Hausarbeit, Freizeit, Abendessen – allerdings aus der Perspektive eines Menschen mit kognitiver Einschränkung. Viele Aufgaben erlebten die Teilnehmenden als anstrengend; das Unvermögen, Aufgaben nicht lösen zu können, machte sie teilweise wütend, hilflos, löste Erschöpfung aus oder Resignation.

Nachdem die Expertinnen reflektierten, was ihnen selbst in dieser Situation helfen würde, ging es darum zu überlegen, wie Barrierefreiheit und Möglichkeiten der Partizipation auch für Menschen mit Demenz in der Stadtgesellschaft geschaffen werden könnten: Wie müssen die Wege, Orientierungshilfen und Einkaufsmöglichkeiten, Terminvergaben beim Arzt u.a. gedacht werden, damit sie auch für diese Zielgruppe gut zugänglich sind? Sollten nicht alle Menschen – unter anderem Einkaufspersonal, Polizei, in den Ämtern – geschult werden, damit sie die Menschen möglichst im Alltag unterstützen können?

Das Verstehen ist der Schlüssel

"Das Thema uneingeschränkte Zugänge zum gemeinschaftlichen Leben für Menschen mit Demenz wird in Zukunft in unserer Gesellschaft noch viel relevanter werden", so Nadine Henninger. "Es ist gut, dass wir hier gemeinsam im Gespräch sind – idealerweise zukünftig auch mit den Menschen, die es betrifft."

Daran anknüpfend betont die Leiterin der Strategischen Sozialplanung der Landeshauptstadt Stuttgart Gabriele Reichhardt: "Das Verstehen von Menschen mit Demenz ist der Schlüssel, damit sich Betroffene und ihre Angehörigen nicht einsam fühlen. Das haben wir heute eindrücklich erlebt."

Aber Einsamkeit betrifft nicht nur Menschen mit Demenz, sondern kann jede und jeden treffen. "Deshalb", so Dr. Daniela Neumann von der Strategischen Sozialplanung, "hat die Stadt Stuttgart die Initiative gegen Einsamkeit 'Gemeinsam – ZusammenHalt finden' gestartet. Damit geben wir dem leisen Thema Einsamkeit in der Stadt eine kräftige Stimme. Denn Einsamkeit braucht mehr Aufmerksamkeit."

Engagement gegen die Einsamkeit

Rund 20.000 Menschen in Stuttgart fühlen sich einsam. Die Landeshauptstadt will der Entwicklung entgegenwirken und hat die Initiative "Gemeinsam – ZusammenHalt finden" gestartet. In der Veranstaltungsreihe "Auf ein Wort gegen Einsamkeit" stellen Fachleute in unregelmäßig stattfindenden Foren ihr Angebot gegen Einsamkeit vor oder berichten aus ihrer Arbeit mit Betroffenen. 

An 30 Standorten in Baden-Württemberg besuchen rund 150 ehrenamtliche Malteser rund 1.300 ältere und einsame Menschen zu Hause oder betreuen und fördern Menschen mit Demenz in Malteser Tagestreffs oder in einem Café Malta. Ausfahrten Ehrenamtlicher mit Rikschas oder der Mobile Einkaufswagen helfen, dass ältere und allein lebende Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Weitere Nachrichten

72-Stunden-Aktion
Diözesanadministrator Dr. Clemens Stroppel besucht das Projekt in Tübingen-Bühl – und bedankt sich bei allen Teilnehmenden der 72-Stunden-Aktion.
Weiterlesen
72-Stunden-Aktion
72-Stunden-Aktion
Ministrant:innen pflanzen im Hospitalwald 200 junge Bäumchen, darunter auch einige exotische Sorten.
Weiterlesen