Es gibt wohl nicht viele schmiedeeiserne Kreuze am höchsten Punkt eines barocken Kirchturms, die sich das bunte Treiben eines kleinen landwirtschaftlich geprägten Fleckens quasi auf Augenhöhe anschauen konnten. Das christliche Symbol auf der von 1777 bis 1779 erbauten Kirche St. Oswald in Otterswang zwischen Bad Schussenried und Aulendorf hat diesen „Abstieg“ mitgemacht und als Hofkreuz im nahegelegenen Weiler Fünfhäuser womöglich mehr Verehrung erfahren als in 44 Meter Höhe. Bernhard Bliestle recherchierte die außergewöhnliche Geschichte des Kreuzes bei Familie Steinle, in deren Hof es als Wegzeichen lange stand, im Heimatbuch der Gemeinde Otterswang und im Aulendorfer Kirchenanzeiger von 1972. Hier ist sein Ergebnis.
Beim Kreuz, das heute im Hof des Anwesens „St. Monika“ der Familie Steinle in Fünfhäuser steht, handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung des Turmkreuzes der Otterswanger Kirche. Warum aber wurde im Jahr 1975 an diesem Ort ein Hofkreuz in dieser außergewöhnlichen Form errichtet? Die Geschichte hat ihren Anfang im Jahre 1822. Damals war das Kreuz auf dem Otterswanger Kirchturm nicht mehr standfest, es begann zu wanken. Ein kleineres und leichteres Kreuz diente fortan als Ersatz. Das schöne schmiedeeiserne Turmkreuz aber fand eine neue Heimat. Der damalige Hofbesitzer von „St. Monika“, Oswald Forstenhäusler, hat es nach Fünfhäuser geholt und an einer markanten Weggabelung aufgestellt.





