Katholikentag

Aus Alt wird Aufbruch

Für den Bau des Katholikentagsstandes werden ausschließlich bereits benutzte Materialien verwendet. Foto: Studio umschichten

Kirchenstühle, Holz, neue Ideen: Der Katholikentagsstand der Diözese zeigt, wie Wandel gelingt – nachhaltig, gemeinschaftlich und überraschend anders.

Wer den Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf dem Katholikentag 2026 vom 13. bis 17. Mai 2026 in Würzburg betritt, spürt es sofort: Hier geht es nicht nur ums Verweilen – hier wird erzählt. Von dem, was war. Und von dem, was kommen kann. Holz, das schon viele Gottesdienste erlebt hat. Kirchenstühle, auf denen Menschen gebetet, gehofft, vielleicht auch gezweifelt haben. Ein Boden, der einst Teil eines sakralen Raums war. All diese Materialien haben ihren ursprünglichen Ort verlassen – und doch sind sie geblieben. In neuer Form. Mit neuer Aufgabe.

„Für den Bau verwendeten wir ausschließlich bereits genutzte Materialien und Bauteile“, erklärt Peter Weigand vom Stuttgarter Design-Build-Studio umschichten, das den Stand konzipiert und gebaut hat. „Unter anderem die ausrangierten Kirchenstühle und den aus der sanierungsbedürftigen Kirche ausgebauten Holzboden.“ Was zunächst nach einem gestalterischen Konzept klingt, ist zugleich eine Haltung: Bestehendes nicht einfach ersetzen, sondern konsequent weiterdenken.

Kirche im Wandel: Zukunft wächst aus dem, was da ist

Es geht nicht um einen radikalen Bruch, sondern um Transformation. Der Stand macht diese erlebbar. „Die wieder- und weiterverwendeten Materialien bilden das Fundament für etwas Neues“, so Weigand. Was früher Kirchenbank war, wird heute Teil einer offenen Begegnungsfläche. Was einmal Boden war, wird zur Bühne für Austausch und Ideen.
So wird sichtbar: Kirche der Zukunft ist kein abstraktes Konzept – sie entsteht konkret, greifbar und gemeinsam. „Das Vergangene ist noch ablesbar, aber das Neue schreibt bereits seine Geschichten darauf.“

Miteinander gestalten: Ein Raum für Begegnung und Beteiligung

Das Motto des Katholikentagstandes – „Miteinander Kirche der Zukunft gestalten“ – wird am Stand buchstäblich begehbar.

Ehemalige Kirchenstühle „stützen die Sitz- und Liegeplattformen und bilden kleine Sitztribühnen“, beschreibt Weigand die Gestaltung. Die verschiedenen Ebenen schaffen Orte für Begegnung auf Augenhöhe – offen, zugänglich, gemeinschaftlich.

Hier wird erlebbar, was Kirche ausmacht: Beteiligung, Austausch und das gemeinsame Gestalten von Raum und Gemeinschaft.

Ressourcen achten: Nachhaltigkeit als geistliche Haltung

Die konsequente Wiederverwendung der Materialien ist mehr als ein ästhetisches Statement. „Der gesamte Stand ist außerdem wie ein Baukastensystem geplant und konstruiert: alles kann sauber zerlegt, eingelagert und wiederverwendet werden – wir hinterlassen keinen Müll“, betont Weigand.

Darin liegt eine klare Perspektive für die Zukunft: Verantwortung für die Schöpfung konkret leben. Bewahren, was wertvoll ist, und daraus Neues entstehen lassen – ressourcenschonend, nachhaltig, zukunftsfähig.

Neue Perspektiven wagen: Räume anders denken

Der diözesane Stand lädt dazu ein, Perspektiven zu wechseln – im wahrsten Sinne des Wortes. „Sich einmal ganz oben auf die Lehnen der großen Stuhlpyramide setzen und die Menschen, den Trubel unter sich beobachten“, empfiehlt Weigand. Oder: „sich gemütlich auf eine der Plattformen lümmeln und in freundlicher Atmosphäre etwas verschnaufen.“ Diese Momente eröffnen neue Blickwinkel. Und genau darum geht es: Gewohntes verlassen, Neues ausprobieren, andere Perspektiven einnehmen.

Ein Ort, der weiterdenkt

Der Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist mehr als eine temporäre Installation. Er ist ein Erfahrungsraum für das, was Kirche sein kann – heute und morgen. Ein Ort, der zeigt: Zukunft wächst aus dem, was da ist. Veränderung gelingt gemeinsam. Und so bleibt Kirche lebendig. 

Der Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart befindet sich auf der Kichenmeile, FB-N-12.

Über umschichten

Das Studio umschichten, gegründet 2008 in Stuttgart von Lukasz Lendzinski und Peter Weigand, arbeitet an den Schnittstellen von Kunst, Architektur und Stadtentwicklung. „In unseren Projekten untersuchen wir, wie Räume entstehen, genutzt werden und sich verändern können.“ Oft geschieht das in temporären Interventionen: „Diese Situationen machen verborgene Wünsche, Probleme oder besondere Momente sichtbar.“

Ein zentraler Ansatz ist dabei der bewusste Umgang mit Materialien: „Wir arbeiten oft mit zeitlich begrenzten Eingriffen … und möchten Menschen dazu anregen, über Materialien, deren Kreisläufe und über mögliche Zukünfte von Räumen und Orten nachzudenken.“ So entstehen Projekte, die weiterwirken – und Räume, die neue Perspektiven eröffnen.

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