Geschichte

Ausbildung mit starkem Vorbild

Jubiläum der Katholischen Fachschulen St. Martin

Entrollt: Schülerinnen und Schulleiter Dr. Thomas Ochs präsentieren das Banner, das am Gebäude auf das Jubiläum aufmerksam machen soll. Foto: DRS/Guzy

Die Katholischen Fachschulen St. Martin würdigen regelmäßig ihren Namenspatron. In diesem Jahr kann sich die Einrichtung aber auch selbst feiern.

Den Anfang machten 44 Schülerinnen. Vor bald 50 Jahren, im Oktober 1972, ging mit ihnen der erste Kurs an der Berufsfachschule für Sozialpädagogik in Neckarsulm an den Start. Nach den Standorten Stuttgart und Rottweil war es für den Caritasverband für Württemberg damals die dritte Gründung einer Ausbildungseinrichtung dieser Art.

Ihr 50-jähriges Jubiläum werden die Katholischen Fachschulen St. Martin mit kleineren, über das Jahr verteilten Aktionen feiern, wie Schulleiter Dr. Thomas Ochs erklärt. So bekommt zum Beispiel die Kirchengemeinde eine Osterkerze geschenkt. Eine weitere Kerze, die die Schule hat anfertigen lassen, steht seit wenigen Tagen in der Schulkapelle. Sie soll von Klasse zu Klasse wandern.

Schülerzahl wächst

Seit ihrer Gründung hat die Schule sich kontinuierlich weiterentwickelt. Über einen neuen Höchststand von 320 Schülerinnen und Schülern kann sich Ochs freuen, der die Katholischen Fachschulen St. Martin seit 2012 leitet. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren gerade auch dank des praxisintegrierten Ausbildungsgangs stetig gestiegen, wie er erklärt.

„Wir bieten eine Breitbandausbildung, nicht nur für kirchliche Einrichtungen“, sagt Ochs. Er nennt Jugendheime oder -häuser als mögliche Einsatzbereiche nach der Ausbildung. Das Hauptarbeitsfeld umfasst aber Kindergärten und Kindertagesstätten. Die Schülerinnen - sie stellen die überwiegende Mehrheit - und Schüler sind laut Ochs zumeist zwischen 17 und 25 Jahre alt.

Sie kommen auch aus den Nachbarlandkreisen wie dem Neckar-Odenwald-Kreis. In einer Einrichtung sei ihr die Schule empfohlen worden, sagt Laura Haag aus Mosbach. Mund-zu-Mund-Propaganda spiele bei der Werbung neuer Schülerinnen und Schüler häufig eine Rolle, berichtet Ochs.

Identifikation mit dem Heiligen

„Wir sind offen für Menschen jeglicher Herkunft mit und ohne religiöses Bekenntnis. Ebenso erwarten wir aber auch von unseren Schülerinnen und Schülern Offenheit für religiöse Fragen und interreligiöse Themen sowie für christliche Feste und Feiern“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Schule. Ochs spricht von einer werteorientierten Ausbildung. Als Themen gehörten dazu die Bewahrung der Schöpfung und Solidarität – ganz nach dem Vorbild von St. Martin, dessen Namen die Schule seit 2017 trägt. Die Taten des Heiligen bieten dabei für alle Schülerinnen und Schüler Identifikationspotenzial, weiß Ochs zu erzählen.

„Die jungen Leute und das Kollegium haben Freude an der Begegnung mit anderen Menschen“, beschreibt er die Schule. Die Ausbildungseinrichtung steht heute in Trägerschaft der Institut für soziale Berufe Stuttgart gGmbH, die 2002 von verschiedenen katholischen Stiftungen und Verbänden gegründet wurde. Die Schule leistet einen Beitrag dazu, Personal für die Kindereinrichtungen zu gewinnen.

Personalnot im Kindergartenbereich war übrigens schon vor 50 Jahren ein Thema. Die damalige Presse-Berichterstattung anlässlich der Eröffnungsfeier im Herbst 1972 erwähnte den (regionalen) Mangel an qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern.

Geschichte des Gemeindezentrums St. Paulus

Das Gebäude, in welchem sich die Katholischen Fachschulen St. Martin finden, ist älter als die Ausbildungseinrichtung. Es entstand unter der Regie von Pfarrer Josef Sandel und wurde 1929 als „Gemeindehaus und Töchterinstitut St. Paulus“ eingeweiht. Das Haus diente nicht nur für Kultur und Gemeindeleben, sondern vereinte eine Frauenarbeits-, Haushalts- und Handelsschule unter einem Dach. Die Sießener Schwestern übernahmen die Erziehungs- und Bildungsaufgaben.

Im Jahr 1940 wurde das Haus für deutschstämmige Umsiedler aus der Bukowina („Buchenland-Deutsche“) beschlagnahmt. 1945 kehrten die Schwestern zurück, um wieder an ihre Aufgaben anzuknüpfen. 1967 verließen sie das Haus. Nach einem Umbau begann im Oktober 1972 der Schulbetrieb der Berufsfachschule für Sozialpädagogik in dem Gebäude, das weiterhin auch Räume für die Kirchengemeinde bietet.

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