Martinusmedaille

Auszeichnung für gelebte Solidarität

Bischof Dr. Gebhard Fürst ehrte 13 engagierte Frauen und Männer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die sich aus ihrem Glauben heraus für andere Menschen einsetzen, mit der Martinusmedaille. Die Verleihung erfolgte am Sonntag, den 12. November 2023, im Anschluss an ein Pontifikalhochamt zu St. Martin mit Bischof Fürst. Vordere Reihe v. l.: Friedrich Hägele, Johannes Schockenhoff, Margret Schmid, Bischof Gebhard Fürst, Antonia Schmid, Maria Oberhofer. Mittlere Reihe v. l.: Peter Schmid, Doris Lorenz, Roland Löhle, Siegfried Genal. Hintere Reihe v. l.: Angela Sailer, Barbara Gauweiler-Bubenheimer, Monika Thoma, Ilona Nagel. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

Den heiligen Martin zum Vorbild: Bischof Fürst ehrt 13 Frauen und Männer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit der Martinusmedaille.

Bischof Dr. Gebhard Fürst ehrte 13 engagierte Frauen und Männer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die sich aus ihrem Glauben heraus für andere Menschen einsetzen, mit der Martinusmedaille. Die Verleihung erfolgte am Sonntag, den 12. November, im Anschluss an ein Pontifikalhochamt zu St. Martin mit Bischof Fürst.

„Unsere Martinsfeier und die Verleihung der Martinusmedaillen erinnern an die unzähligen liebenden Herzen und helfenden Hände in unserer Diözese. Viele Christinnen und Christen lassen ihren Glauben handfest werden in dem, was sie – oft im Verborgenen – tun. Solange es auch heute viele Menschen gibt, die den Armen und Notleidenden unserer Städte und Dörfer beistehen, bleibt das Zeugnis des Martin von Tours in Erinnerung – bleibt Gottes Wort unter uns lebendig“, sagte Bischof Fürst.

Mit ihrem Leben zeigten die 13 Frauen und Männer, was es heißt, nach dem Vorbild des heiligen Martin unserem Herrn Jesus Christus zu folgen, sagte Bischof Fürst weiter und erinnerte: „47 Jahre ist es nun her, dass Bischof Georg Moser zum ersten Mal die Martinusmedaille an hochengagierte Gläubige in unserer Diözese verliehen hat.“ Seither sei die Verleihung der Medaillen um das Martinsfest herum zu einer schönen Tradition geworden. „Geehrt werden Frauen und Männer, die sich mit ihrem Denken, Reden und Tun aus ihrem Glauben heraus für andere einsetzen. Beispielhaft zeigen sie uns und unseren Zeitgenossen, wie christliche Solidarität heutzutage aussehen kann. Möge Ihr Beispiel viele Nachahmer in unserer Zeit finden, sodass eine Kultur der Barmherzigkeit entsteht. Ihnen die Martinusmedaille verleihen zu dürfen, ist mir eine Ehre“, sagte der Bischof.

Ausgezeichnet wurden von ihm daraufhin folgende Frauen und Männer:

Barbara Gauweiler-Bubenheimer aus der Kirchengemeinde St. Stephanus in Aalen-Wasseralfingen setzt sich im Rahmen ihres Engagements für Pax Christi für den Frieden ein. Die Medaille erhielt sie auch für die Gründung eines „Umsonst-Ladens“, für ihren Einsatz zum Wohl ukrainischer Flüchtlinge und für ihr Engagement im Ausschuss Ortskirche-Weltkirche beim Sammeln von Spenden sowie beim Projekt-Einsatz vor Ort in Afrika. „Und alles das aus einer tiefen Verwurzelung heraus, in den Glauben, in die Liturgie, in die Feier der Eucharistie“, hielt Bischof Fürst fest.

Siegfried Genal aus der Kirchengemeinde St. Gallus und Ulrich in Kisslegg, der auf beeindruckende Art und Weise vorlebe, wie vielfältig der Dienst an Alten und Sterbenden sein kann, sagte Bischof Fürst. Sehr vielfältig sei sein Engagement und bei weitem nicht auf Seniorenarbeit begrenzt. Genal sei aktiv in der Pfarrei und bei Kolping, in der Dorfgemeinschaft und in der Lokalpolitik. „Doch immer wieder und an verschiedenen Stellen ist er ganz da für die Senioren: ob bei den wöchentlichen Wortgottesfeiern im Seniorenheim Ulrichspark Kißlegg der Stiftung Liebenau, ob bei Krankenbesuchen und beim Austeilen der Krankenkommunion, ob in der Hospizgruppe, die er 2010 mitbegründet hat, wo er bis heute Mitglied im Vorstand ist, oder im Besuchsdienst bei den Seniorengeburtstagen in der Pfarrei“, würdigte der Bischof das Engagement des Geehrten.

Friedrich (Fritz) Hägele aus der Kirchengemeinde  St. Bonifatius Hofherrnweiler-Unterrombach, dessen  außerordentliches Engagement anschaulich zeige, dass praktizierte Nächstenliebe im Sinne des heiligen Martin auch Menschen zuteilwerden kann, die tausende Kilometer Luftlinie entfernt leben. Bischof Fürst nannte hierbei die Diözese Kurnool in Indien, zwischen Mumbai und Sri Lanka gelegen. Denn mit seinem Lebensprojekt der Indienhilfe und dem Freundeskreis e.V. wirke Hägele weit über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus. „Im Moment zum Beispiel betreut seine Initiative 3300 Kinder und Jugendliche in Schulen in Indien, die zum Teil schon 30 Jahre bestehen. Insgesamt wurden bisher 16.000 Jungen und Mädchen der untersten Kasten der indischen Gesellschaf eine Schul- und eine Berufsausbildung gegeben“, sagte Fürst und sprach von einem ganz konkreten Beispiel für ein jahrzehntelanges Engagement. 

Roland Löhle aus der Dompfarrei St. Martin in Rottenburg erhielt die Martinusmedaille in Würdigung seines Einsatzes für die Bildung von Erwachsenen in Rottenburg. „Herr Löhle leitete bis Ende Juli 2023 als 1. Vorsitzender mehr als 17 Jahre lang den Verein ‚Abendrealschule Rottenburg am Neckar', der 57 Jahre lang in der Bischofsstadt eine staatlich anerkannte Ersatzschule trug", hielt der Bischof fest. Löhle habe diese verantwortungsvolle Aufgabe als ehrenamtliches Engagement mit 65 Jahren angetreten und habe seit dieser Zeit unendlich viele Stunden seines Ruhestandes für dieses ehrenamtliche Engagement aufgewendet. Er habe dabei mit bewundernswerter Sorgfalt und Umsicht den Trägerverein geleitet, was angesichts der multinationalen Schülerschaft mit Schüler:innen aus bis zu 20 Nationen, der hohen Belastung für die Schülerinnen und Schüler – mit fünf Abenden pro Woche und jeweils vier Schulstunden nach Arbeitsschluss – sowie der Vielfalt im Lehrerkollegium nicht immer einfach gewesen sei.

Doris Lorenz aus der Kirchengemeinde St. Ägidius in Tübingen-Hirschau könne mit Fug und Recht als Mittelpunkt des ehrenamtlichen Engagements in der Kirchengemeinde Hirschau bezeichnet werden, sagte der Bischof. „Ihr war und ist bei Ihrem Tun in besonderer Weise immer die Gemeinschaft in unserer Kirchengemeinde, aber auch die generationenübergreifende Zusammengehörigkeit vor Ort im Lichte des Glaubens das zentrale Leitmotiv.“ Der christliche Glaube sei ihr dabei stets Basis und Motivation, sich den Bedürftigen in der Gemeinde anzunehmen. Ob in der Pfarrei, ob im Kontakt mit der evangelischen Kirchengemeinde, ob im Miteinander mit der Dorfgemeinschaft oder bei ihrem Einsatz für Maria 2.0: Stets sammle und vereine sie Menschen und binde sie in das kirchliche Miteinander ein. Dabei wies der Bischof auch auf ihre Schlüsselrolle bei der Vernetzung mit dem Deutschen Roten Kreuz in Hirschau hin.

Ilona Nagel aus der Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall setzte sich jahrzehntelang sehr für die Belange der Drogenabhängigen in Schwäbisch Hall ein. „Sie war Gründungsmitglied des Treffpunkts 'Point' der hilfesuchenden Drogenabhängigen in Schwäbisch Hall. Bis heute ist Ilona Nagel mit dabei und engagiert sich auch für die Familien der Drogenkranken oder Verstorbenen, nachdem sie selbst auf tragische Art und Weise zwei Söhne verloren hat", hielt der Bischof fest. Von Anfang an sei sie dabei nicht nur Vertrauensperson, sondern treibende Kraft und Organisatorin der Hilfseinrichtung gewesen. „Sie sorgte zuverlässig dafür, dass bei jeder Öffnungszeit immer zwei Ehrenamtliche da waren. Sie kümmerte sich um die notwendigen Hilfsmittel, über viele Jahre fünfmal in der Woche." Und auch dafür, dass stets ein kleines Frühstück angeboten wurde, habe sie gesorgt. „Frau Nagels Engagement zeigt mir sehr deutlich, wie auch durch Schicksalsschläge hindurch Gott durch Menschen vermittelt Gutes zu verrichten vermag", hielt Bischof Fürst fest.

Maria Oberhofer aus der Kirchengemeinde St. Martinus in Neukirch-Goppertsweiler sei aus ihrem christlichen Grundverständnis in unterschiedlichsten Bereichen der Pfarrgemeinde aktiv, von ihrer Tätigkeit als Kirchenpflegerin über die Leitung von Wortgottesfeiern bis hin zum Bibelkreis und vielen anderen größeren und kleineren Aktionen. „Im Jahr 1986 nahm sie zwei Tage vor Weihnachten drei Pflegekinder aus der Nachbarschaft bei sich auf, die ansonsten in fremde Familien weiter weggegeben werden sollten", erinnerte der Bischof anlässlich der Verleihung der Martinusmedaille. Wie sehr die Kirche „Sauerteig in der Welt" sein könne, werde bei Oberhofer insbesondere auch an der engen Verknüpfung des pfarreilichen Engagements mit Aktivitäten zusammen mit der bürgerlichen Gemeinde deutlich. Bischof Fürst nannte als Beispiel die Hockstube für Senior:innen.

Angela Sailer aus der Kirchengemeinde St. Magnus in Ammerbuch-Altingen ist seit mehreren Jahrzehnten in der Kirchengemeinde überaus engagiert. Sie war und ist sowohl im liturgischen und kirchlichen Bereich als auch in der Verbindung von Kirche und Kommune und in ihrem sozialen Engagement mit einem guten, stets aufmerksamen Blick auf Hilfsbedarf sehr aktiv, hielt Bischof Fürst anlässlich der Verleihung der Martinusmedaille fest. Ihr Name sei untrennbar mit der Kirchengemeinde St. Magnus verbunden. „Exemplarisch herausheben möchte ich das Engagement für das Projekt Cana in Peru mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Die Entstehung dieses Projektes ist, wie so vieles andere, dem Engagement von Frau Sailer zu verdanken“, sagte Fürst. Ebenso erwähnenswert sei ihr Einsatz für den Verkauf fair gehandelter Produkte. „Als aktuelles Projekt ist sie zusammen mit weiteren Ehrenamtlichen dabei, die Gründung des Vereins ‚Aktionsgruppe Eine Welt Ammerbuch‘ vorzubereiten und zu beantragen“, hielt der Bischof fest.

Antonia Schmid aus der Kirchengemeinde St. Gallus in Tettnang erhielt die Martinusmedaille als Auszeichnung ihres Einsatzes für die Kolpingfamilie und wegen ihrer Vernetzung mit der bürgerlichen Gemeinde vor Ort. Sie sei für Kolping Tettnang und die Kirchengemeinde St. Gallus sowie für die Stadt Tettnang eine „feste Größe“, sagte Bischof Fürst und hielt fest: „Schon in den 1980er Jahren initiierte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Gottesdienste mit anschließendem Hock als Ort der Begegnung.“ Nach dem frühen Tod ihres Mannes sei sie ehrenamtlich immer noch aktiver geworden. Er könne die Projekte nur unvollständig aufzählen, in denen sie sich engagierte, sagte Fürst. Er nannte das Projekt „Miteinander – Füreinander“; ihr Engagement im Leitungsteam der Kolpingfamilie, die Gestaltung von Gebetsstunden, Krankenbesuche, die Verbindung mit der Internationalen Bodenseekonferenz der Kolpingsfamilie, Kleidersammlungen für die Kleiderzentrale in Laupheim und den unermüdlichen Einsatz von Schmid bei Veranstaltungen der Feuerwehr.

An Peter und Margret Schmid aus der Kirchengemeinde St. Josef in Stuttgart verlieh Bischof Fürst die Martinusmedaille für ihren Einsatz für das Projekt „Amos“, für die Hospizarbeit und für das Engagement bei dem Projekt „Spuren der Erinnerung“. Peter Schmid habe die Stuttgarter sozial-integrative Kreativwerkstatt „Amos“ im Ehrenamt wesentlich mit aufgebaut, ebenfalls ehrenamtlich unterstützt und begleitet von seiner Ehefrau Margret, sagte Fürst. Außerdem engagiere sich das Ehepaar seit Jahren in der Hospizarbeit, in der Begleitung sterbender Menschen im Stuttgarter Hospiz St. Martin. „Noch bevor das Gebäude im Stadtteil Degerloch überhaupt stand, signalisierte Peter Schmid sein Interesse an Sterbebegleitung. Seine Ehefrau Margret, die 2012 als Sterbebegleiterin im Hospiz St. Martin begann, leistet diesen Dienst bis heute weiterhin“, so Fürst. Beide gemeinsam hätten sich auch sozialpolitisch engagiert und sich 2009 an der „Spur der Erinnerung“ beteiligt, die an die Ermordung von über 10.000 Behinderten und Kranken auf der Schwäbischen Alb erinnerte, sagte Fürst.

Johannes Schockenhoff aus der Kirchengemeinde St. Laurentius in Bietigheim-Bissingen erhielt die Ehrung in Anerkennung seines Engagements für Menschen in Not und die Ärmsten der Armen. „Schon als Student hat er das Projekt ‚Arme Welt' ins Leben gerufen und gehört zu den Mitbegründern von Fairtrade Deutschland", sagte der Bischof. Als ehrenamtlicher Vorsitzender der „Padre Pedro Guatemala-Hilfe" habe Schockenhoff nach dem Tod des Gründers wesentlich dazu beigetragen, die Projekte in Guatemala fortzuführen und weiterzuentwickeln. Als ehrenamtlicher Vorsitzender des ökumenischen Trägervereins der Bietigheim-Bissinger Tafel sorge er zudem seit vielen Jahren für Kontinuität in der Versorgung der Bedürftigen und entwickle die Einrichtung ständig weiter. Aktuell treibe er den Umzug aus einem coronabedingten Provisorium in eine langfristige Bleibe voran. „Als Initiator und aktiver Begleiter der Fairtrade-Stadt Bietigheim-Bissingen verankert er das Gedankengut der Initiativen in der Stadt und verstärkt die Wirkung in der Öffentlichkeit. Außerdem engagiert er sich im ökumenischen Arbeitskreis Asyl durch die Begleitung von Flüchtlingen in Bietigheim-Bissingen", so der Bischof.

Das ehrenamtliche Engagement von Monika Thoma aus der Kirchengemeinde St. Maria Suso in Ulm erfolge an der Schnittstelle zwischen Kirchengemeinde und Sozialraum, zum Beispiel beim ökumenischen Besuchsdienst am Eselsberg, den sie federführend mit der evangelischen Kirchengemeinde, und zunehmend auch gemeinsam mit staatlichen Akteuren initiiert habe, würdigte der Bischof. „So kam es beispielsweise zu dem Projekt ‚Demenz im Quartier‘ und zu weiteren Projekten, zum Beispiel zu „Leih-Oma/Leih-Opa“ sowie einem Fahrdienst für Senior:innen zu Impfterminen in der Corona-Zeit.“ Als es 2015 zum Zuzug von Geflüchteten am Eselsberg kam, habe sie den Besuchsdienst auf diese Personengruppe ausgeweitet, auch mit Hilfe von Student:innen, erinnerte der Bischof. 

Martinusmedaille - die Verleihung in Bildern

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