Synodalität

Beherzt, mutig und gemeinsam weitergehen

Vom 29.–31. Januar tagt die Synodalversammlung in Stuttgart. Drei Stuttgarter blicken kritisch, ernüchtert und hoffnungsvoll auf den Synodalen Weg.

Vom 29. bis 31. Januar trifft sich die sechste Synodalversammlung in Stuttgart. Mit Stadtdekan Christian Hermes, der Ordensfrau Nicola Maria Schmitt und der Publizistin Johanna Beck sind drei Stuttgarter dabei. Sie blicken nachdenklich, teils ernüchtert, aber auch ermutigt auf den Synodalen Weg. Stadtdekan Christian Hermes: „Der Synodale Weg ist vor allem ein gemeinsamer Lernweg unserer Kirche in Deutschland und weltweit: keine bequeme Autobahn, sondern ein steiniger Aufstieg, selten mit Sonnenschein, manchmal mit Steinschlag und dunklen Wolken von oben und immer mit dem schwindelerregenden Blick in den Abgrund des Vertrauensverlustes der Kirche in Deutschland. Aber es geht weiter, wenn sich alle Verantwortlichen nicht selbst oder gegenseitig hängen lassen, sondern beherzt, verlässlich und mutig gemeinsam weitergehen. In Stuttgart setzen wir, wo wir können, viele Impulse aus dem Synodalen Weg um, sei es bei der Prävention gegen sexuellen Missbrauch, der Gleichberechtigung und der gemeinsamen Leitungsverantwortung.“

Der Stuttgarter Stadtdekan nimmt das Verhalten der deutschen Bischöfe genauso in den Blick wie die Erwartungen der Gläubigen. „Die Themen sind auf dem Tisch, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in der Weltkirche. Das hat der Synodale Prozess bestätigt, den Papst Franziskus angeregt hat. Auch in anderen Weltregionen lassen sich die Katholiken nicht mehr mit autoritärem Klerikalismus und dogmatischen Basta-Worten abfertigen, sondern verlangen solide Theologie, überzeugende Spiritualität und rechenschaftsbereite dialogische Leitung.“ Stadtdekan Christian Hermes erwartet eine klare Haltung und mehr Standhaftigkeit von einigen Bischöfen: „Die Bischöfe sind natürlich in einer, wie man gesehen hat, kniffligen Situation. Einige haben Mut und Standhaftigkeit bewiesen und Wege der Erneuerung gesucht, um der Menschen und der Glaubwürdigkeit des Evangeliums willen. Einigen ist es völlig egal, wie viele Menschen sich von der Kirche noch abwenden. Kritische Anfragen scheinen sie geradezu zu bestärken, die Kirche als Bollwerk der Rechtgläubigkeit gegen alle geschichtliche Entwicklung und theologische Einsicht abzuschotten. Am unangenehmsten finde ich rückblickend allerdings, wenn Bischöfe mit großer Mehrheit Beschlüssen zugestimmt haben und so den Eindruck der Reformbereitschaft erweckt haben, um dann nach Hause zu fahren und einfach weiterzumachen wie bisher. Man kann ja für jede Diözese schauen, was in der Eigenverantwortung der Bischöfe umgesetzt wurde und was nicht. Der zynische Vorwurf, der Synodale Weg sei nur ein bischöfliches ‚Täuschungsmanöver‘ oder ‚Beschäftigungstherapie‘ gewesen, ärgert mich. Aber noch frustrierender ist, wenn Verantwortungsträger diese Kritik durch Passivität und unlauteres Durchlavieren noch bestätigen. Das spüren die Menschen und wenden sich ab. Und das finde ich traurig und das Letzte, was wir als Kirche jetzt brauchen können“, so Christian Hermes.

„Das bisher Erreichte in allen Bistümern verankern“

Die Stuttgarter Kirchengemeinderätin Johanna Beck bedauert, dass die zentralen Beschlüsse des Synodalen Weges nicht bindend sind und im Vatikan zudem auf Ablehnung stießen: „Auf rein formaler Ebene fällt meine Bilanz eher etwas ernüchternd aus: Es wurden einige – allerdings nicht bindende – Beschlüsse gefasst und das kirchliche Arbeitsrecht gelockert. Eine grundlegende Reform der problematischen, geschlechterungerechten und missbrauchsbegünstigenden Strukturen ist jedoch bislang ausgeblieben. Zentrale Grundtexte wie der zur katholischen Sexualmoral wurden abgeschmettert, die drängende Frauenfrage nicht gelöst.“ Jenseits der offiziellen Ergebnisse aber sieht Johanna Beck, die als Gastmitglied beim Synodalen Weg dabei ist, durchaus ermutigende Spuren: „Da wäre zum einen ein erkennbarer Mentalitäts- und Perspektivwandel, der sich im Laufe des Prozesses entfaltet hat. Heikle Tabuthemen kamen offen auf den Tisch, Betroffenenzeugnisse wurden gehört und es wurde mit Herzblut diskutiert. Umso wichtiger ist es jetzt, dieses Aufkeimen, das bisher Erreichte, diesen Geist fortzuführen, auf feste Füße zu stellen und in allen Bistümern zu verankern – auch wenn bestimmte Kräfte dieses zaghafte geöffnete Fenster vehement wieder zuschlagen wollen.“

Ermutigende Initiativen wie #OutInChurch

Ermutigend sind für Johanna Beck auch die „Nebenprodukte“, die im Zuge und im Geiste des Synodalen Weges entstanden sind, wie zum Beispiel die Initiative #OutInChurch oder das Buch „Weil Gott es so will“ mit Berichten berufener Frauen. „Diese Projekte haben viel bewegt machen mir nach wie vor Hoffnung auf Veränderung.“

Synodaler Weg hat Perspektivwechsel angestoßen

Die Ordensfrau Nicola Maria Schmitt ist überzeugt, dass der Synodale Weg viele Verhaltensänderungen und Perspektivwechsel angestoßen hat. „Wir sind als Kirche insgesamt im Umgang mit Missbrauch sehr viel sensibler geworden. Das ist eine wichtige Veränderung.“ Die Vinzentinerin stellt fest, dass sich die Gesprächskultur mit Impulsen zu den Synodalen Grundhaltungen immer mehr verbessert hat. Und sie begrüßt die Weiterführung der Themen der Weltsynode im künftigen diözesanen Weltsynoden-Team. Aber auch Schwester Nicola Maria sieht weiteren Reformbedarf in vielen Feldern, etwa beim priesterlichen Amtsverständnis und auch in der Frauenfrage.

Missbrauchsproblematik wachhalten

Johanna Beck geht mit klaren Erwartungen in die sechste Synodalversammlung: „Ich erhoffe mir eine Verstetigung der gemeinsamen Beratungen und Entscheidungen – wie zum Beispiel durch die geplante Synodalkonferenz – sowie weitere Maßnahmen hin zu einer evangeliumsgemäßeren Kirche. Auch eine bessere Kommunikation und Verzahnung mit Rom wäre sicherlich hilfreich. Zudem müssen Wege gefunden werden, die nach wie vor dramatische Missbrauchsproblematik wachzuhalten und zu bearbeiten. Auf persönlicher Ebene freue ich mich über das Wiedersehen mit vielen Menschen, die mir auf diesem Weg ans Herz gewachsen sind.“

Zur sechsten Synodalversammlung:

Diese tagt von Donnerstag, 29. Januar bis Samstag, 31. Januar, im Hotel Maritim im Stuttgarter Westen. Die begleitenden Gottesdienste finden in der Kirche St. Fidelis statt. Mehr Informationen zum Synodalen Weg finden Sie auf der Homepage https://www.synodalerweg.de/

Begleitveranstaltungen zur Synodalversammlung

Die Ordensschwester Nicola Maria Schmitt ist bei der Begleitveranstaltung mit dem Titel „Kirchenkrise und starke Frauen“ beteiligt, zu der die Initiative Maria 2.0 am Mittwoch, 28. Januar, um 19 Uhr ins Haus der Katholischen Kirche einlädt. Mitdiskutieren wird auch die Ordensfrau, Politikwissenschaftlerin und Theologin Philippa Rath.  

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