An der Spitze der Katholischen Spitalstiftung Horb kam es zu einem Generationswechsel: Der 45‑jährige Björn Germann folgt auf den langjährigen Stiftungsvorstand Thomas Müller und übernimmt damit die Führung einer traditionsreichen Einrichtung, deren Geschichte bis ins Jahr 1352 zurückreicht. Damals gründete der Horber Bürger Dietrich Gutermann ein Spital für kranke und bedürftige Menschen, aus dem sich im Laufe der Jahrhunderte die heutige Stiftung entwickelte. Sie betreibt inzwischen zwei stationäre Altenpflegeheime, zwei Tagespflegeeinrichtungen, eine Sozialstation für den Raum Horb, Empfingen und Eutingen sowie verschiedene Angebote des betreuten Wohnens für Seniorinnen und Senioren. Insgesamt betreut die Spitalstiftung so rund 700 Menschen in der Region.
Wandel schrittweise gestalten
Wenige Tage nach seiner Amtsübernahme skizziert Germann im Gespräch die Schwerpunkte, die er sich für seine künftige Arbeit gesetzt hat. Der gelernte Altenpfleger, der in den zurückliegenden sieben Jahren bereits als stellvertretender Stiftungsvorstand in Horb tätig war, möchte die Organisation der Stiftung strukturell weiterentwickeln und gleichzeitig ihre gewachsenen Stärken bewahren. „Mir geht es darum, behutsame Impulse zu setzen und den anstehenden Wandel ganz bewusst schrittweise zu gestalten“, sagt Germann.
Innovative Wohn- und Betreuungsformen
So werde derzeit beispielsweise geprüft, ein geschlossenes Pflegeheim in ein Konzept aus "Betreutem Wohnen Plus" und integrierter Tagespflege umzubauen. Bewohnerinnen und Bewohner könnten dadurch flexibel die Leistungen wählen, die sie benötigen und für die Mitarbeitenden entstünden so flexible Arbeitszeitmodelle, die sich gut in den Alltag integrieren lassen. Ziel sei die Entwicklung innovativer Wohn- und Betreuungsformen, bei denen es keine Konkurrenz zwischen ambulant, teilstationär und stationär sondern durchlässige Strukturen gibt, sagt Germann.
Bezahlbarer Wohnraum für Fachkräfte
Überlegungen gebe es auch vor dem Hintergrund eines angespannten Wohnungsmarkts in der Region, der es Auszubildenden und neuen Mitarbeitenden schwer macht, geeigneten Wohnraum zu finden: „Wir haben ein Haus gekauft, um zwei Mitarbeitenden-Wohngemeinschaften einzurichten und erweitern kontinuierlich unseren Bestand“, sagt Germann und verweist darauf, dass bezahlbarer Wohnraum für Fachkräfte ein entscheidender Standortfaktor ist. Auch das Personalwohnheim werde saniert.
Entwicklungsperspektiven bieten
Diesen Überlegungen folgend wolle die Stiftung künftig auch stärker auf den eigenen Nachwuchs bauen, erläutert Germann. Derzeit beschäftigt die Stiftung rund 285 Mitarbeitende und rund 30 junge Menschen absolvieren ihre Ausbildung in den Einrichtungen der Spitalstiftung. Ausgebildet wird in den Bereichen Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement, Kaufmann/Kauffrau im Gesundheitswesen und zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau. Eine eigene Ausbildungsstation mit einer Praxiskoordinatorin sorgt dafür, dass praktische Ausbildung und Lernprozesse eng begleitet werden. „Ziel ist es, möglichst viele Absolventinnen und Absolventen langfristig zu übernehmen und ihnen Entwicklungsperspektiven zu bieten“, betont Germann.
Stabil und zukunftsfähig
Und auch bei der Entwicklung künftiger Führungskräfte möchte der neue Stiftungsvorstand auf die gezielte Förderung von Mitarbeitenden im eigenen Haus setzen, etwa durch ein Mentoringmodell mit erfahrenen Kolleg:innen. Wie Germann mit Blick auf die interne Organisation fortfährt, soll das Leitungsteam künftig mit einem zentral organisierten Qualitätsmanagement sowie einer zusätzlichen Heimleiterebene neu aufgestellt werden. Außerdem wurde eine Assistenz der Geschäftsleitung eingestellt. So sollen die Einrichtungen enger miteinander verzahnt werden. Darüber hinaus steht die Digitalisierung der Verwaltung und der Pflegeprozesse auf der Agenda, kündigt Germann an und fasst zusammen: „Mein Ziel ist eine Entwicklung, die von den Mitarbeitenden mitgetragen wird und die Stiftung langfristig stabil und zukunftsfähig macht.“




