Diözesanpilgerfahrt

Auf den Spuren von St. Martin 

Verena Ernst und Achim Wicker laden zur Diözesanwallfahrt 2023 ein, für die noch die Möglichkeit zur Anmeldung besteht. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Im Interview gibt das Organisationsteam der Diözesanwallfahrt mit Bischof Fürst einen Ausblick und spricht über den Stand der Vorbereitungen. 

Die große fünftägige Pilgerfahrt der Diözese Rottenburg-Stuttgart führt Ende Mai 2023 auf die Spur des heiligen Martin. Stationen sind Worms, Mainz, Trier, Speyer und Luxemburg. Anmeldungen sind noch möglich. Verena Ernst und Achim Wicker organisieren die Reise. Im Interview geben sie einen Ausblick und sprechen über den Stand der Vorbereitungen.

Frau Ernst, nach einer langen Pause findet 2023 wieder eine große Diözesanwallfahrt statt. Was ist das Besondere daran?

Wir freuen uns natürlich sehr, dass die schon für 2020 geplante und wegen Corona zwei Mal verschobene Diözesanwallfahrt nun endlich stattfinden kann. Besonders ist, dass es die letzte Diözesanwallfahrt zusammen mit unserem Bischof Gebhard Fürst ist, der kommendes Jahr in den Ruhestand treten möchte. Außerdem werden wir anregende Impulse aus dem Leben des heiligen Martin für uns heute erhalten.

Herr Wicker, wie entstand die Idee, sich nach 2013 und 1016 erneut auf die Spuren des Diözesanpatrons zu begeben?

Bischof Fürst sind der heilige Martin und der Martinusweg ein großes Anliegen. Nach Wallfahrten auf den Spuren des Heiligen in Ungarn und Frankreich ist es ihm wichtig, nun auch hier in Deutschland bedeutende Martinsorte zu besuchen und die Idee des europäischen Martinuswegs weiter voranzubringen. So werden wir gemeinsam Orte besuchen, an denen Martin zu Lebzeiten war und die auf unserem 2016 eingeweihten Europäischen Martinusweg liegen. Es wird beeindruckend sein, durch Worms, Mainz, Trier und Luxemburg zu pilgern und dort mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die ebenfalls von Martin von Tours begeistert sind.

Die Anreise erfolgt in bequemen Reisebussen. Wo im Gebiet der Diözese gibt es für Interessierte denn Zustiegsmöglichkeiten?

Wir planen mit vier bis fünf Bussen. Es wird einen Bus vom Bodensee, aus Oberschaben und aus Ulm her geben, einen zweiten Bus aus dem Raum Balingen, Rottenburg, Böblingen, einen dritten Bus von der Ostalb und dem Remstal her sowie einen vierten Bus, der in Esslingen startet und über Stuttgart und Ludwigsburg nach Heilbronn fährt und die Mitreisenden aufnimmt. Soweit die Planung. Wir werden dann sehen, von wo überall sich Personen oder sogar Gruppen anmelden.

Bekannt ist Martin von Tours ja vor allem durch die Szene der Mantelteilung, in der er den Bettler am Stadttor von Amiens vor dem Erfrieren rettet. Ist dieses Bild eigentlich zu eindimensional?

Es ist sicher das Wichtigste, weil es uns vor Augen führt, wie wichtig ‚Teilen‘ ist und gerade deswegen ist Martin ja einer der ganz wenigen Heiligen, der heutzutage wirklich noch für viele Menschen relevant ist und dessen Botschaft unverändert aktuell bleibt. Daneben hat Martin aber noch viele andere Aspekte, von denen wir lernen können. Der seiner Kriegsdienstverweigerung bei Worms ist nur einer davon und auch der ist aktueller denn je. Martin legte aus Glaubensgründen die Waffen nieder und war bereit, an der Spitze des Heeres, unbewaffnet und ohne Schutz, dem Feind entgegenzureiten. Damals wie heute das sichere Todesurteil. Doch es kam nicht zum Kampf, weil die feindlichen Heere sich ergaben.

Frau Ernst, die erste Station der Pilgerfahrt ist Worms. Wie macht sich die eben beschriebene Szene der Kriegsdienstverweigerung dort im Programm fest?

Zum einen ist geplant, dass Vertreterinnen und Vertreter der Gruppe Pax Christi uns im Gottesdienst im Wormser Dom die genannte Überlieferung szenisch darstellen und wir so eine spannende Annäherung an dieses wichtige Ereignis erleben werden. Außerdem besuchen wir die romanische Martinskirche, die im Mittelalter eine bedeutende Wallfahrtskirche war. Der Legende nach wurde sie an der Stelle erbaut, an der Martin nach seiner Kriegsdienstverweigerung im Kerker einsaß.

Welche inhaltlichen Verbindungen zum Leben des Heiligen bietet im Anschluss dann der Besuch in Mainz?

Zum einen erreichen wir Mainz auf dem europäischen Martinusweg, der gleichzeitig als Kulturweg des Europarats anerkannt ist und damit auf einem Weg, den so oder so ähnlich auch Martin gegangen ist. Zum anderen ist der Heilige bereits seit dem 6. Jahrhundert der Schutzpatron des Bistums Mainz und damit auch des Mainzer Doms.

Und welche Verbindungen gibt es in Trier und in Luxemburg, Herr Wicker?

Im Bistum Trier hat der Heilige im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn Fußspuren hinterlassen: Als Bischof von Tours weilte er zwischen 371 und 386 mehrfach in der römischen Kaiserstadt, vornehmlich zu kirchenpolitischen Beratungen. Er war ein angesehener Gast am Kaiserhof, zuletzt wurde er jedoch vom Kaiser Maximus hart erpresst. Bei seinen Besuchen in Trier betete er oft in der Bischofskirche, nahm dort 386 auch an einer Bischofsweihe teil. In Luxemburg war Martin mehrmals auf der Reise von Tours nach Trier oder zurück.

Und an wie vielen Tagen wird denn fußgepilgert?

An zwei Tagen: Am 31. Mai werden wir von Bodenheim nach Laubenheim pilgern und von dort weiter nach Mainz, wo Bischof Fürst zusammen mit Bischof Kohlgraf aus Mainz mit uns ein Pontifikalamt feiern werden. Und am 2. Juni ist ein halber Pilgertag geplant, von Igel zur Martinskirche in Wasserbillig in Luxemburg.

Muss man da immer die ganze Strecke mitlaufen oder gibt es auch die Möglichkeit zum früheren Ausstieg, Herr Wicker?

Das Fußpilgern ist bei dieser Diözesanwallfahrt ein wichtiges Element. Wir freuen uns daher, wenn möglichst viele Menschen auch beim Pilgertag die ganzen 13 Kilometer mitgehen. Wer das nicht schafft, hat nach der Mittagspause die Chance auf einen Bustransfer. Beim halben Pilgertag gehen wir davon aus, dass das alle schaffen. Die Grenzüberquerung nach Luxemburg sollte man sich auch nicht nehmen lassen.

Sie stehen in Kontakt mit den Diözesen, die sie besuchen werden. Welche Begegnungen sind da konkret geplant?

Wir rechnen damit, dass wir an beiden Tagen, an denen gepilgert wird, von Menschen vor Ort begleitet werden. Außerdem treffen wir natürlich auf Gastgeberinnen und Gastgeber, die sich auf uns freuen und ein wirklich interessantes Programm vorbereitet haben. Nicht zu vergessen sind auch, die Pontifikalgottesdienste mit den jeweiligen Ortsbischöfen.

Welche besonderen Gottesdienste wird es denn da geben?

Bei der Diözesanwallfahrt wird es vielfältige Gottesdienste geben, angefangen von kurzen Andachten zum Auftakt einer Pilgerstrecke oder auch einem spontanen Singen an einer Station bis hin zu Eucharistiefeiern in den großen Kirchen und Kathedralen in Worms, Mainz, Trier, Luxemburg und Speyer. Der thematische Akzent der einzelnen Gottesdienste, inspiriert von der Vita des Heiligen, die schiere Raumgröße dieser Kirchen und die musikalische Gestaltung wird jeden Gottesdienst zu einem eigenen spirituellen Erlebnis machen.

Frau Ernst, gibt es auch spezielle Angebote für Teilnehmende mit Handicap?

Für Menschen mit Hörbehinderungen wird eine mobile Höranlage genauso wie eine Übersetzung in Gebärdensprache zur Verfügung stehen. Außerdem sind für sie Begegnungen mit der Seelsorge bei Menschen mit Hörbehinderungen in den von uns besuchten Diözesen geplant.

Und gibt es an den Abenden auch ein Programm, auf das sich die Teilnehmenden freuen können?

Wir haben bisher eine Abendveranstaltung geplant. Am 1. Juni besteht die Möglichkeit, den Martinusfilm „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ in einem Kino in Trier zu sehen. Diese Dokumentation versucht, den historischen Martin im Kontext der damaligen Zeit darzustellen; als Mensch, der gegen Widerstände ein geistliches Leben wählt, sich gegen Kaiser und Klerus stellt und schließlich als erster Heiliger nicht einen Tod als Märtyrer stirbt. An den Film schließt sich ein Gespräch mit Martinus-Kennern an. Das wird sicherlich ein schöner Abend. Wer allerdings vom Tagesprogramm schon ganz erfüllt ist, kann sich abends natürlich auch ausklinken.

Wie werden die Pilgerinnen und Pilger denn untergebracht sein und wie steht es mit der Verpflegung?

Über unsere diözesane Pilgerstelle sind in verschiedenen Hotels Einzel- und Doppelzimmer für uns gebucht worden. Im Preis inbegriffen sind jeweils Frühstück und Abendessen. Von den gastgebenden Diözesen werden wir auch immer wieder zu einem Kaffee oder Snack zwischendurch eingeladen. Ansonsten gibt es in der Mittagszeit immer die Möglichkeit, sich in den Innenstädten selbst zu versorgen.

Herr Wicker, bleibt bei all dem Programm auch noch Zeit zur freien Verfügung für die Teilnehmenden?

Es ist uns wichtig, dass in Mainz, Trier und Luxemburg jeweils Zeit zur freien Verfügung ist, um die Städte auf eigene Faust erkunden zu können oder auch einfach nur gemütlich in ein Café zu sitzen. In Luxemburg und Speyer haben die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob sie an der Stadt- beziehungsweise Domführung teilnehmen möchten oder lieber mehr Zeit zur freien Verfügung haben. 

Verena Ernst ist Pastoralreferentin und arbeitet seit zwei Jahren als Diözesanreferentin im Bischöflichen Ordinariat. Sie ist dort für die Bereiche „Kirche und Tourismus“, „Hochschulpastoral“ und die „Seelsorge bei Menschen mit Behinderung“ zuständig. In Ihrer Freizeit ist die 43-Jährige gerne draußen und freut sich, dass ihre zwei Kinder nun schon so groß sind, dass auch als Familie wieder etwas größere Wanderungen möglich werden. Als Studentin in Tübingen hat sie bei einer Pilgertour, die vom Theologischen Mentorat angeboten wurde, den Jakobsweg kennen gelernt. Nach dem Abschluss ihres Studiums und vor Beginn der Pastoralausbildung war sie zwei Monate auf dem Jakobsweg in Frankreich und Spanien unterwegs. Auch wenn es ursprünglich gar nicht geplant war, pilgerte sie bis nach Santiago. Am Pilgern schätzt sie die Möglichkeit, in der Natur ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und mit Gott und den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Achim Wicker ist in der Diözese verantwortlich für den Fachbereich „Pilgern und Wallfahrtsorte“ und die Pilgerseelsorge in Santiago. Als Geschäftsführer der St. Martinusgemeinschaft hat er wesentlich an der Entstehung des europäischen Martinuswegs von Szombathely (Ungarn) nach Tours (Frankreich) mitgewirkt. Ein besonderes Anliegen ist ihm das Angebot „Samstagspilgern“ in der Diözese und die Pilgerwoche auf dem europäischen Martinusweg. Im Dekanat Balingen, in dem er Dekanatsreferent ist, finden jährlich am 1. Mai und 3. Oktober Pilgertage auf dem Martinsweg Donautal-Zollernalb statt. Und nach dem Vorbild von Sankt Martin startet dort jedes Jahr im Herbst die Aktion „Teilen schmeckt beiden!“ Achim Wicker ist 52 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Wenn er nicht pilgert, dann joggt oder wandert er rund um Balingen und ist auf jeden Fall draußen zu Hause.

Hinweis

Die Diözesanwallfahrt findet von Dienstag, 30 Mai, bis Samstag, 3. Juni, statt. Zustiegsmöglichkeiten gibt es in Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach, Ulm, Königsfeld, Balingen, Rottenburg, Böblingen, Aalen, Schwäbisch Gmünd, Waiblingen, Stuttgart, Ludwigsburg und in Heilbronn. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es bei der Diözesanpilgerstelle unter Telefon 0711/26 33 12 33/-34 oder via E-Mail an: pilgerstelle(at)caritas-dicvrs.de. Die Anmeldefrist endet am 31. März 2023. Auf www.pilgerstelle-rs.de gibt es unter der Rubrik „Aktuelles und Vorschau“ auch die Möglichkeit zur Online-Anmeldung.

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