Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Kunstkommission der Diözese Rottenburg-Stuttgart und die örtlichen Verantwortlichen für den Entwurf des Stuttgarter Künstlers Martin Bruno Schmid zur Gestaltung der liturgischen Orte in St. Maria entschieden. Altar, Ambo und Taufstein greifen das Profil von St. Maria sowie die besondere Situation einer Kirche im Wandel auf. Die Entscheidung fiel Ende März im Rahmen eines geschlossenen Wettbewerbs.
Herzstück des Entwurfs ist der neue Altar. Wie die Wände und Teile des Bodens wird auch dieser aus Sandstein gefertigt. Äußerlich erscheint er als geschlossener Steinblock, im Inneren bleibt er hohl und verfügt über eine Fahrkonstruktion auf Rollen. Dadurch wird er beweglich und kann innerhalb der Kirche zwischen zwei fest definierten Standorten im Chorraum und in der Vierung verschoben werden. Formal orientiert sich der Entwurf an Transport- und Lagerkisten aus dem internationalen Kunstbetrieb. Ein nach oben zeigender, eingravierter, goldener Pfeil erinnert an den Hinweis „This Side Up“ oder nur „Up“, häufig verbunden mit der Anmerkung „Handle with Care“. „Transportkisten schützen und bewahren etwas Wertvolles und sind gleichzeitig auf der Reise“, so Schmid. „Genau diese Balance zwischen Stabilität und Offenheit, zwischen Kontinuität und Wandel sehe ich in St. Maria.“
Zwischen Werkstattcharakter und liturgischer Klarheit
Weihbischof Gerhard Schneider als kommissarischer Vorsitzender der Kunstkommission hat besonders die Verbindung aus Werkstattcharakter und liturgischer Klarheit überzeugt. „Der Altar greift etwas Vorläufiges und Prozesshaftes auf und definiert zugleich einen stabilen geistlichen Mittelpunkt.“ St. Maria stehe exemplarisch für aktuelle Fragen kirchlicher Entwicklung. „Wir überlegen vielerorts, wie Kirchenräume künftig genutzt und erhalten werden können. St. Maria verbindet den klassischen Kirchenraum mit neuen Formen von Nutzung und Begegnung.“ Die formale Gestalt der Transportkiste weckt für Pfarradministrator und Stadtdekan Christian Hermes noch überraschende theologische Assoziationen: „Zunächst wirkt die Gestalt der Kiste sehr fremd – wer aber unsere Tradition kennt, wird unmittelbar an die Bundeslade und das ‚bewegliche‘ Heiligtum erinnnert. Der Altar changiert also zwischen dem Allerprofansten und dem Allerheiligsten. Das hat uns fasziniert.“
Abschluss eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses
Die Neugestaltung der liturgischen Orte markiert den Abschluss eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses rund um die Sanierung von St. Maria im Stuttgarter Süden. Nach dem Architekturwettbewerb 2021, den das Berliner Büro HBRM um Clemens Habermann gewann, und dem Kunstwettbewerb 2025 für das zentrale Kunstwerk, den die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Knobloch für sich entscheiden konnte, wurde im Herbst vergangenen Jahres der dritte Wettbewerb ausgelobt – diesmal für Altar, Ambo und Taufstein. In der Jurysitzung der diözesanen Kommission für sakrale Kunst am 26. März 2026 setzte sich der Entwurf von Martin Bruno Schmid mit acht von neun Stimmen nahezu einstimmig durch. Zustimmung fand er auch bei Stadtdekan Christian Hermes und Mitgliedern des örtlichen Kirchengemeinderats.






