Bischof Dr. Gebhard Fürst: Ansprache Verleihung Franziskus-Preis 2008

Stuttgart, Stella Maris

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrte Mitglieder des Domkapitels und der Sitzung des Bischöflichen Ordinariats,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren der Jury,
sehr geehrte Gäste aus nah und fern

und - nicht zuletzt - sehr geehrte Damen und Herren, die Sie sich mit ihren Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung um den Franziskus-Preis beworben haben.

Ich weiß: Die Spannung wächst immer mehr, und Sie warten auf die Bekanntgabe der Jury-Entscheidung, wer denn nun den Franziskus-Preis verliehen bekommt. Dennoch muss ich Ihre Geduld noch ein wenig strapazieren.

Zum ersten Mal verleihe ich heute gemeinsam mit Frau Umweltministerin Tanja Gönner den Preis, den ich für vorbildliches nachhaltiges Handeln in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gestiftet habe. Wir haben ihm den Namen „Franziskus-Preis“ gegeben und die Verleihung bewusst in die unmittelbare zeitliche Nähe des Festes dieses großen Heiligen gelegt: Franz von Assisi, der im Mittelalter gelebt hat und bis zum heutigen Tag in der Kirche und weit darüber hinaus als Vorbild einer glaubwürdigen Kirche und eines glaubwürdigen Menschseins geliebt und verehrt wird.

Sie haben soeben die Strophen des „Sonnengesangs“ gehört, den Franziskus fast blind und dem Tode nahe gedichtet hat – ein Zeugnis tiefer Schöpfungsfrömmigkeit und darüber hinaus ein bleibendes Dokument abendländischer Kultur. Dieser wunderbare Hymnus preist Sonne und Wasser als schöpferische und lebensspendende Kräfte, er preist Mond und die Gestirne, Tag und Nacht als Symbole einer sinnvollen und lebensdienlichen Schöpfungsordnung, er preist den menschlichen Leib in seiner Schönheit, aber auch in seiner Hinfälligkeit, Gebrechlichkeit und Endlichkeit. Und er bezieht auch die Ambivalenz des menschlichen Lebens ein, das zwischen Größe und Elend oszilliert und immer auch von Versagen und Schuld gezeichnet ist – das allerdings selbst angesichts des Todes aus der Hoffnung lebt, dass ihm ein unverbrüchlicher Sinn, eine erlösende Freiheit verheißen ist.

Die Sonne, die diesem Hymnus seinen Namen gibt, ist mehr als ein astronomisches Phänomen. Sie ist in ihrer lebensspendenden Kraft und in ihrer versengenden Glut ein Hinweis auf das Mysterium tremendum et fascinosum des Schöpfergottes, und Sie ist zugleich Hinweis auf den auferstandenen Christus – Urbild unserer Hoffnung auf die Vollendung unseres Lebens und aller seufzenden Kreatur.

Ich stelle die heutige Feier, in der der Franziskus-Preis verliehen wird, bewusst vor diesen theologisch-spirituellen Horizont. Dieser Preis ist Bestand der Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Darin geht es sicher um ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Rationalität. In diesem Anliegen gehen wir heute mit vielen Hand in Hand – Gott sei Dank, und es dürfen immer noch mehr sein. Aber diese notwendige Art der Vernunft muss für Christen aus einer spirituellen Grundhaltung heraus erwachsen, aus einer Verantwortung gegenüber dem Schöpfergott, aus einer dankbaren Antwort auf sein Geschenk unseres eigenen Lebens und aller Kreatur. Sonst bleibt alles, so wichtig es sein mag, im Schatten des Technokratischen – vielleicht auch im Schatten der Hoffnungslosigkeit, weil vieles so mühsam ist und so erfolglos zu sein scheint.

Der Sonnengesang des hl. Franz enthält eine doppelte Botschaft: Es ist ein Gesang der Lebensfreude, der grundlegenden Bejahung von allem, was ist. Das ist ermutigend bei vielem Pessimismus, der uns oft lähmen mag. Wir dürfen uns am Leben freuen, wir dürfen uns an einander freuen, wir dürfen die Gaben der Natur in sinnvoller Weise nutzen und genießen. Wir müssen nicht als Duckmäuser leben, sondern als „Freigelassene der Schöpfung“. Aber da ist auch die andere Botschaft: der Grundton der Bescheidenheit und der Demut, in der Dankbarkeit und Dienstbereitschaft vereint sind. Wir sind nicht Herren der Schöpfung, sondern stehen gemeinsam mit aller Kreatur in einer Abhängigkeit, die positiv besagt, dass wir Beschenkte sind, negativ gesagt, dass wir mit der Zerstörung unserer natürlichen Umwelt auch unser eigenes Leben zerstören. Wir sind keine Götter, sondern endliche Menschen. Das befreit und entlastet von moralischer Verkrampfung. Aber es weist uns auch unser Maß zu. Die Selbstvergötterung des Menschen hat noch immer zu Schrecken und Elend geführt. In modernem Sprachspiel habe ich der Klima-Initiative unserer Diözese programmatisch den Satz vorangestellt: „Wir sind nicht Shareholder, sondern Treuhänder der Schöpfung“. Sie ist uns zur vernünftigen Nutzung, aber auch zur Pflege und sorgsamen Bewahrung anvertraut. Das sind wir der Verantwortung für unsere Kinder und Enkel schuldig. Das schulden wir der Dankbarkeit gegenüber unserem Schöpfer.

Der Schöpfungsglaube ist der Grund aller unserer Bemühungen um nachhaltiges Handeln; die Hoffnung auf eine Erlösung der gesamten Schöpfung ist die stärkste Motivationskraft, die man sich denken kann. Zwischen diesen beiden Polen müssen wir uns im praktischen Handeln bewähren. Je mehr desto besser. Der Franziskus-Preis soll dafür eine Anerkennung sein.

Ich habe heute zu danken:

• Frau Ministerin Tanja Gönner, die freundlicherweise die Schirmherrschaft über den Franziskus-Preis übernommen hat,
• den Damen und Herren der Jury, die unter der Leitung von Herrn Abgeordneten Windfried Kretschmann eine Entscheidung getroffen hat, die ihr wahrscheinlich nicht ganz leicht gefallen ist,
• Herrn Siegfried Haas, Bildhauer und Maler in Rottweil, der für den Franziskus-Preis ein sehr schönes und ausdrucksstarkes Medaillon geschaffen hat und den ich mit seiner Frau heute abend besonders herzlich begrüße,
• dem BrassPower-Bläserquintett aus Hirrlingen, das diese Feier musikalisch gestaltet,
• den Mitgliedern des Projektentwicklungsteams für die Klima-Initiative unter Vorsitz von Herrn Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm für ihr Engagement in diesem wichtigen Vorhaben unserer Diözese und für die Vorbereitung dieser Preisverleihung,
• Ihnen allen, die Sie heute mitfeiern,
• und ganz besonders Ihnen, den Vertreterinnen und Vertretern der zur Bewerbung eingereichten Projekte – für Ihre Beteiligung an der Ausschreibung und vor allem für die vorbildlichen Initiativen, mit denen Sie sich hier präsentieren. Diejenigen von Ihnen, die dieses Mal mit ihrer Bewerbung nicht zum Zuge gekommen sind, möchte ich herzlich einladen und ermuntern, sich in zwei Jahren wieder an der Auslobung des Franziskus-Preises zu beteiligen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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