Bischof Dr. Gebhard Fürst: Erklärung: "Kirche und Sport als Partner und Mitgestalter der ‚Lebenswelt Schule’ 2005

Stuttgart

Auch in der sich wandelnden Gesellschaft haben Kirche und Sport weiterhin einen hohen Stellenwert. Zweidrittel der Bevölkerung gehören einer der beiden großen Kirchen an und mehr als jeder dritte Bürger in Baden-Württemberg ist Mitglied eines Sportvereins.

Kirchengemeinden und Sportvereine sind bei aller Wesensverschiedenheit jeweils auf ihre Weise grundlegende gesellschaftsgestaltende Faktoren.
Die Kirchen mit ihrer befreienden und heilenden Botschaft setzen sich intensiv für die Gestaltung und die Zukunft einer humanen Gesellschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts ein: Dabei sollen die Ganzheitlichkeit des Menschen und auch das Bewusstsein eines von Gott geschenkten, fragmentarischen und stets zerbrechlichen Lebens ihren Platz finden.
Der Sport wiederum als wichtige gesellschaftliche Sozialisations- und Integrationsinstanz fördert seinerseits den Zusammenhalt von Menschen in Kommunen und Regionen.

Kirche und Sport entfalten sich und ihre gesellschaftsfördernde Wirkung am wirkungsvollsten auf gemeinwohlorientierter Basis.
Durch Vermittlung von Werten wie Identität, Solidarität, Bürgerengagement, Selbstverantwortung und Leistung tragen beide wesentlich zur Sicherung der subsidiären Basis des Sozialstaates bei.

Die moderne Dienstleistungsgesellschaft führt jedoch dazu, dass soziale Aufgabenfelder immer mehr ökonomisiert werden.
Durch diese Entwicklung wird die Wahrnehmung vieler gesellschaftlich-kultureller und sozial-karitativer Aufgaben, die die Kirchen als Sozialpartner des Staates übernommen haben, gefährdet. Auch Sportvereine geraten unter beträchtlichen ökonomischen Druck und mit Ihnen der gesamte Breitensport. Die Politik ist aufgerufen, die ordnungspolitischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Kirchen und der organisierte Sport ihre jeweils spezifischen Aufgaben in der Gesellschaft zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig wahrnehmen können.

Ein wichtiges Betätigungsfeld sowohl für die Kirchen als auch für den Sport sind die Schulen. Auf die "Lebenswelt Schule" kommen in den nächsten Jahren große Herausforderungen zu, angefangen von der Umsetzung der Bildungsstandards über die Diskussionen der Weiterentwicklung des Schulsystems bis hin zum Thema "Bewegte Schule" und des Ausbau von Ganztagesschulen.

Abgeleitet aus der Landesverfassung und entsprechend dem Bildungsauftrag ist die offene und selbstständige Schule neben der Einbeziehung der Eltern auch und insbesondere auf die Kooperation mit Kirche und Sport angewiesen.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Württembergische Landessportbund wollen deshalb auch in Zukunft mit Landtag und Landesregierung einen offenen Dialog darüber führen, wie diese Aufgabenstellungen in einer pädagogisch fundierten und verlässlichen Qualität dauerhaft erfüllt werden können.

Dr. Gebhard Fürst,
Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Dr. Gerhard Maier
Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Klaus Tappeser
Präsident des Württembergischen Landessportbundes

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