Bischofspredigt

Coronazeit statt Weihnachtszeit

Die Predigt von Bischof Dr. Gebhard Fürst am Ersten Weihnachtsfeiertag 2021.

Liebe Schwestern und Brüder!

Coronazeit statt Weihnachtszeit! Wieder ist alles ganz anders als sonst: Abstand statt Nähe. Maske statt offenes Gesicht, Kontaktsperre statt frohes Feiern.

Das durch die Pandemie vom Konsumlärm befreite Weihnachtsfest gibt uns die Chance, uns darauf zu besinnen, was Weihnachten wirklich ist. Nicht Tannenbaum, Sternchen und Glitzerwelt. Nicht Geschenke, Festtagsmahl und heiteres Zusammensein. Zur fröhlichen Weihnachtszeit gehört das alles auch. Aber das Eigentliche, ist das nicht. Auch wenn es anstrengend ist, besinnen wir uns auf das Zentrum des so geliebten Festes.

Weihnachten feiert nichts Gewöhnliches. Heute feiern wir ein unvorstellbares Ereignis mit Einmaligkeitscharakter und Ewigkeitswert. Das Unausdenkbare verkündet der himmlische Bote Gottes: „Heute ist euch der Retter geboren, Christus der Herr.“ (Lk 2,11)

Gott wird Mensch. In Jesus, dessen Geburtstag wir feiern, ist Gott als Mensch ganz unter uns und bei uns. Gott geht in Jesus von Nazareth in unsere menschliche Geschichte ein. ‚Gott wohnt mit seiner ganzen Fülle‘ (Eph   ) im Menschen Jesus. Das größte und schönste Geheimnis des Christentums.

Das Kind in der Krippe im Stall von Bethlehem ist die anschauliche Darstellung des größten Ereignisses in der Geschichte der Menschheit. Gott wird Mensch und liegt in einer Krippe, nicht in einer goldenen Monarchenwiege, eher in einem hölzernen Notbehelf eines gestrandeten Paares mit Namen Maria und Josef.

Gott – der Schöpfer von Himmel und Erde - wird Mensch! Gott der All-mächtige wird ein ohn-mächtiges Kind angewiesen auf menschliche Zuwendung.  An der Brust einer Frau wird das Gotteskind gestillt. Welch unerklärliches Wunder!

Dieses Bild von Gott ist so ganz anders als all die Gottesvorstellungen, die wir sonst kennen. Einmalig, singulär, aber faszinierend, der Einbruch von etwas ganz anderem als sonst. An Weihnachten sind wir eingeladen. das Geheimnis der Menschwerdung Gottes im Glauben anzunehmen und dankbar zu feiern.

Doch, was bedeutet das für uns?

Gott bleibt nicht oben bei sich, hält sich nicht heraus aus der Menschenwelt. Gott kommt zu uns - nimmt einen menschlichen Leib an und unsere menschlichen Schicksale. Er vertraut sich uns an. Dass er groß werden kann, macht Gott sich angewiesen auf menschliche Liebe.

Als Jesus der Krippe im Stall entwachsen war, - als er groß geworden war, wie wir so sagen - hält er sich als Jesus von Nazareth unter den Menschen auf, geht ihre Wege mit, hält sich nicht heraus aus menschlicher Not, die ihn umgibt.

Jesus führt nicht sein eigenes Leben für sich. Er gibt sich her und hilft denen, die ihn brauchen. Jesus verwirklicht sich selbst, indem er sich aufmacht zu Menschen, die kraftlos geworden waren, fixiert auf sich selbst, die ausgegrenzt und ohne Hoffnung lebten. Jesus begegnet allen heilsam, befreit die Verängstigten von Angst und richtet die Niedergedrückten wieder auf. Jesus setzt seine Kraft für Andere so ein, dass geschwächte Menschen heiler, stärker, mutiger werden, Selbstvertrauen fassen und wieder zuversichtlich leben.

Menschen, die sich von Jesus inspirieren lassen und ihm nachfolgen, handeln so wie er. Christen halten sich nicht heraus aus den Problemen dieser Welt. Sie gehen hinein in die heillosen Situationen von Menschen helfen, retten, heilen, befreien, ja erlösen aus Einsamkeit und Verlassenheit.

Liebe Schwestern und Brüder, die auf uns schwer lastende Pandemie legt offen, wo unsere verwundbaren Stellen sind, wo wir verletzlich und bedürftig sind, wo wir geheilt und gerettet werden wollen. Die seelischen Nöte sind in diesen Pandemiezeiten groß. Christen halten sich hier nicht heraus und sehen nicht weg, sondern sind aufmerksam und geben, was dem Gegenüber mangelt. Sie besuchen Einsame und schenken tröstende und heilende Begegnungen.

Der Dichter Wilhelm Willms fragt: „Wusstest Du schon, dass die Nähe eines Menschen gesund und krank machen kann?“ Ja, Nähe eines Menschen kann gesund machen! Seien wir aufmerksam. Schenken wir einander Nähe. Aber Ja, Nähe eines Menschen kann auch krank machen: Nehmen wir uns in acht, handeln wir verantwortungsvoll und vorsichtig – sonst werden andere durch unsere Nähe krank, statt gesund.

Ein Journalist sagte zu mir in einem Interview zum Weihnachtsfest: „Die momentane Zeit ist geprägt von Unsicherheit, Angst und verhärteten Fronten. Was ist ihre weihnachtliche Botschaft in dieser schweren Zeit der Pandemie und für die Menschen, die in ihr leben?“

Im Sinne des Weihnachtsfestes habe ich geantwortet: „Meine weihnachtliche Botschaft lautet: Fürchtet euch nicht, verhaltet euch verantwortungsvoll, denn ihr seid nicht allein auf der Welt. Gott ist mit uns. Aber der Nächste ist auch da. Handelt ganz im Sinne des Jesus von Nazareth, der in diese unsere Welt gekommen ist, um Schwache und Verlorene zu heilen und sie aus ihrer Unheilssituation zu befreien. Habt Vertrauen, dass ihr von Gott nicht verlassen seid, dass ihr Zukunft habt, heute und morgen und ewig in Gott.“

Den Geburtstag dieses Menschen Jesus von Nazareth, in dem Gott zu uns gekommen ist und der durch unser Tun zum Heil von Menschen wirken will, diesen seinen Geburtstag feiern wir dankbar und voll Freude. An Weihnachten werden wir zu Menschen, die für andere ein Segen sind. Dann ereignet sich Weihnachtszeit mitten in Coronazeit.

Amen.

Weitere Nachrichten

Einweihung
Orgelweihe im Münster
Mit einem Gottesdienst und einem Festprogramm feiern zahlreiche Gläubige die Wiedereröffnung der Kirche St. Johannes Baptist.
Weiterlesen
Gottesdienst
Den Gottesdienst zum 2. Advent mit Domkapitular Martin Fahrner gibt es hier zum Nachfeiern.
Weiterlesen