Bischof Dr. Gebhard Fürst: Predigt im Aussendungsgottesdienst der Sternsinger 2002

Rottenburg-Stuttgart

Liebe Sternsingerinnen und Sternsinger, liebe Jungen und Mädchen, liebe Gemeinde!

Was können Hände für Wunder wirken! Wer von euch kann sich nicht an eine Situation erinnern, als man fiebernd mit heißem Kopf im Bett lag und die Mutter abends ins Zimmer kam, um Fieber zu messen. Vor dem Thermometer hat sie dann ihre flache Hand auf die Stirn gelegt, und allein diese Hand hat dann schon so gut getan, dass man sich gleich weniger krank fühlte. Oder, wenn man niedergeschlagen und bedrückt aus der Schule nach Hause kam, eine Note war nicht so gut, oder nachmittags beim Fußball ein Ball in die Scheibe des Nachbarn geflogen ist. Dann gab es vielleicht manches Donnerwetter, aber abends schon beim Zubettgehen, strich der Vater einem über den Kopf und alles war wieder gut. Jeder und jede von euch kennt wahrscheinlich solche oder ähnliche Szenen, überlegt einmal, allein das Zurückdenken an liebe Hände tut richtig gut.

In der Geschichte, die uns Markus im heutigen Evangelium erzählt, geht es um eben eine solche Begebenheit. Jesus geht zu Simons Schwiegermutter, einer fiebernden, zu einer schwerkranken Frau und dann beschreibt Markus sehr schön: Jesus 'ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr.' Mir geht es heute nicht so sehr darum, dass Jesus als unser Heiland Menschen gesund und heil, ja sogar Tote zum Leben erwecken kann. Vom Heiland für die Welt haben wir alle zu Weihnachten viel gehört. Nein, schauen wir doch gemeinsam an, wie Jesus das tut, denn ich glaube, da läßt sich vieles lernen:

Er ging zu ihr: Das heißt, er sucht sie auf, geht zu ihr, wartet nicht, bis sie kommt, sondern er macht sich auf den Weg zu ihr hin. Machen auch wir uns auf und warten nicht darauf, dass die anderen den ersten Schritt machen. Wir wissen jeder selbst, wie schwer oft ein solcher Schritt ist und wenn man sich dann noch nicht so gut fühlt, ist es noch viel schwerer.

Er faßte sie an der Hand: Jesus hat keine Berührungsängste, er kommt, sieht, was nötig ist und faßt an. Dieses spürbare Signal an die schwache Frau ist schon unendlich viel wert. Sie weiß, da ist jemand, der für mich da ist, greifbar, auf den kann ich zählen. Ein solch spürbares Signal kann da oft viel mehr ausrichten als noch so viele Erklärungen und Reden, die häufig bloß Ausreden sind, warum man jetzt gerade nicht helfen kann.

Er richtete sie auf: Jesus geht zu der Frau, reicht ihr seine Hand und gibt ihr so neue Kraft. Er richtete sie auf, das heißt doch, sie kann wieder aufrecht leben, er macht sie wieder so stark, dass sie ab sofort als Mensch gut leben kann.

Damit ist für Markus alles gesagt. Mehr wird von ihm dazu nicht erzählt, aber auch nicht weniger: Das ist unsere Frohe Botschaft, die wir voll Freude weitererzählen wollen, so, wie Markus das getan hat. Das Entscheidende ist: Jesus macht heil, die Begegnung mit ihm verschafft Aufatmen und Heilung, heilmachende Hände richten Menschen auf.

Liebe Mädchen und Jungen, das Thema der diesjährigen Sternsingeraktion: Heilende Hände, damit Kinder heute leben können.

Ihr macht im Grunde noch etwas viel Tolleres als die Geschichte weiterzuerzählen. Durch Euren Einsatz tragt ihr dazu bei, dass diese Geschichte heute spürbar und aktuell bleibt. Dass Kinder anderswo spüren können: Da sind Hände, die sich für mich regen, so dass ich heile werde, so dass ich leben kann. Hände können auf wundersame Weise für andere heilsam sein.

Das ist im Kern auch nochmals die Botschaft, die wir an Weihnachten gehört haben: Gott ist Mensch geworden, er ist handgreiflich geworden zu unserem Heil. Als Sternsingerinnen und Sternsinger bringt Ihr die Botschaft der Liebe Gottes und der Freude über die Geburt Jesu Christi zu den Menschen. Mit der diesjährigen Aktion soll Heil zu allen Kindern dieser Erde kommen. Sie sollen gesund bleiben und Chancen erhalten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. So wie die Schwiegermutter des Simon.

Amen.

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