Bischof

Bischof spricht über „Rechtsstaat und Evangelium“

Bischod Krämer am Rednerpult.

Ehrengast beim Neujahrs- und Bürgerempfang des Landkreises Biberach war Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart - Foto: Landratsamt Biberach

Beim Neujahrs- und Bürgerempfang des Landkreises Biberach in Aßmannshardt verfolgen 600 Gäste die Worte von Bischof Dr. Klaus Krämer.

Rund 600 Gäste füllten am Freitagabend beim traditionellen Neujahrs- und Bürgerempfang des Landkreises Biberach die Turn- und Festhalle Aßmannshardt. Ehrengast Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sprach zum Thema „Rechtsstaat und Evangelium: Wie innere Freiheit unsere Demokratie trägt“. Musikalisch gestaltete die Kreisjugendmusikkapelle (KJK) unter der Leitung von Musikdirektor Tobias Zinser den Abend. In seiner Begrüßungsrede ordnete Landrat Mario Glaser das besondere Verhältnis von Religion und Staat ein und ging der Frage nach, welche Rolle Religion in unserer Gesellschaft heute spielt. Während die formale Bindung an die großen Religionen in vielen Teilen der Welt abnehme, nähmen gleichzeitig Debatten über religiös begründete Identitäten, Werte und Konflikte zu.

Beide Redner, sowohl Landrat Glaser als auch Bischof Krämer, zitierten den Staats- und Verwaltungsrechtler und Rechtsphilosophen Ernst-Wolfgang Böckenförde, der gesagt hat: „Unsere Verfassung lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann.“ Diese Voraussetzungen seien Vertrauen, Solidarität und Gemeinsinn und speisten sich, so Landrat Glaser, aus vielen Quellen – auch aus religiösen Überzeugungen, die über Jahrhunderte unsere Kultur geprägt haben. Bischof Krämer ging in seiner Rede auf das Grundgesetz als Fundament des „partnerschaftlichen Miteinanders von Staat und Kirche“ ein. Die Grundstandards eines sozialen und gerechten Miteinanders mit ihren Prinzipien der Personalität, Solidarität und insbesondere der Subsidiarität seien nicht zuletzt von der Katholischen Soziallehre inspiriert worden.

Menschenwürde gilt für alle

„Als Kirche wollen wir die demokratische und freiheitliche Kultur unserer Gesellschaft aktiv mitgestalten“, bekannte der Bischof. In der Überzeugung, dass die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende seines Lebens für jeden Menschen gelte, setze sich die Kirche dafür ein, dass „alle Menschen unter menschenwürdigen und gerechten Bedingungen leben können und die Chancen und Möglichkeiten haben, ihre Gaben und Begabungen zu entfalten und zu entwickeln“. Wo immer die freiheitliche und demokratische Kultur unserer Gesellschaft bedroht oder in Frage gestellt werde, trete die Kirche dem entschieden entgegen. „Die deutschen Bischöfe stellen sich entschieden gegen rechtsextremistische Konzepte, die auf Abgrenzung und Ausgrenzung zielen und zum Hass auf andere Menschen aufrufen.“

Bischof Krämer räumte ein, dass sich die katholische Kirche mit der neuzeitlichen Demokratie lange Zeit nicht leicht getan habe, bis das Zweite Vatikanische Konzil mit der Erklärung zur Religionsfreiheit „Nostra Aetate“ hier eine grundlegende Neuorientierung brachte. Und auch in der Kirche selbst scheint Demokratie für viele „nach wie vor ein unüberwindlicher oder zumindest ein bislang unaufgelöster Widerspruch zu sein.“ In der Synodalität sieht der Bischof weltkirchlich und vor Ort den Schlüsselbegriff. Synodalität sei das Prinzip des „Rottenburger Modells“ und stehe auch hinter der Neuausrichtung der Diözese im Prozess „Kirche der Zukunft“. Darin, „allen Positionen Raum zu geben und zu von möglichst vielen mitgetragenen Konsensen zu kommen, könnte ein wichtiger demokratiefördernder Beitrag auch zur öffentlichen Diskurskultur in unserer Gesellschaft liegen“, betonte Krämer.

Eintrag ins Goldene Buch des Landkreises

Nach seiner Rede trug sich Bischof Krämer ins Goldene Buch des Landkreises Biberach ein. Zum Abschluss des offiziellen Teils dirigierte Landrat Mario Glaser die Kreisjugendmusikkapelle beim Kreismarsch des Landkreises Biberach, das Publikum sang zwei Strophen lautstark mit. Im Anschluss führten die Gäste aus Politik, Ehrenamt, Kirche sowie Bürgerinnen und Bürger beim Stehempfang viele Gespräche miteinander. Die Kreisjugendmusikkapelle bereicherte den Abend mit Interpretationen der „Olympic Fanface and Theme“ von John Williams, arrangiert von James Curnow, der „Prato-Brücke für den Frieden“ von Fritz Neuböck und „Full of Beans“ von Thiemo Kraas.