Kirche der Zukunft

Bischof verspricht partnerschaftliches Miteinander

Die Referentin steht am Pult, Bischof und Delegierte sitzen in den Bänken der Barockkirche.

Stefanie Oeben (r.) von der Prozessleitung „Kirche der Zukunft“ moderiert die Regionalkonferenz mit Bischof Dr. Klaus Krämer (vorne l.) in Bad Waldsee – Foto: DRS/Waggershauser

Vertreter:innen der Kirchengemeinden und Dekanate der Region Bodensee-Oberschwaben informieren sich und stellen Fragen zu „Kirche der Zukunft“.

Was will die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit dem Prozess "Kirche der Zukunft" erreichen und wie sehen die Schritte dahin aus? Über den aktuellen Stand der grundlegenden Umstrukturierung ließen sich etwa 200 Delegierte am Freitag in der Kirche St. Peter in Bad Waldsee aus erster Hand informieren. Die Vertreter:innen der 169 katholischen Kirchengemeinden im Landkreis Ravensburg und in den Altkreisen Tettnang und Saulgau sowie der Mitarbeitenden in den Dekanaten Friedrichshafen, Saulgau und Allgäu-Oberschwaben äußerten im Vorfeld und bei der Veranstaltung selbst ganz unterschiedliche Fragen, Ängste und Befürchtungen.

Verschiedene Verantwortliche des Bischöflichen Ordinariats gingen auf die Themen ein. Für Bischof Dr. Klaus Krämer, aber auch für Stefanie Oeben und Barbara Strifler von der Prozessleitung sind Beteiligung und Austausch für das Gelingen zentral. „Wir wollen mit unserer frohen Botschaft Hoffnung stiften“, resümierte der Bischof am Ende der zweistündigen Veranstaltung. Mit „Hoffnung“ bezog er sich auf den zentralen Begriff, den die Teilnehmenden zu Beginn noch vor „Veränderung“ und „Gemeinschaft“ bei einer digitalen Umfrage zum Zukunftsprozess genannt hatten.

Weniger Verwaltungsaufwand

Dass die Seelsorge in den aktuellen, oft sehr kleinteiligen Verwaltungseinheiten - jede Kirchengemeinde ist eine selbstständige Körperschaft öffentlichen Rechts - schon allein finanziell nicht aufrechterhalten werden kann, erläuterte Barbara Strifler an konkreten Zahlen. Der Rückgang der Mitglieder durch die demografische Entwicklung werde durch Austritte und weniger Taufen verstärkt und wirke sich auf die Kirchensteuereinnahmen aus. Außerdem halbiere sich nach aktuellen Prognosen die Zahl der Pfarrer, Diakone sowie der Pastoral- und Gemeindereferent:innen bis zum Jahr 2040. Ende letzten Jahres votierte der Diözesanrat deshalb dafür, diözesanweit aus 1020 Pfarreien 50 bis 80 neue Kirchengemeinden zu bilden. Das soll den Verwaltungsaufwand reduzieren und das Pastorale Personal entlasten.

Derzeit sondieren die Kirchengemeinden, wer sich mit wem zusammenschließen könnte. Erste Vorschläge sollen auch in den Dekanaten Allgäu-Oberschwaben, Friedrichshafen und Saulgau bis zum 7. Mai vorliegen, die Entscheidung fällt Ende des Jahres. Danach haben die jeweiligen Kirchengemeinden drei Jahre Zeit, in einer Gründungsvereinbarung die organisatorische und inhaltliche Zusammenarbeit auszuhandeln. Im zuerst angestoßenen Prozessprogramm „Räume für eine Kirche der Zukunft“ sind die 33 Seelsorgeeinheiten in den drei Dekanaten im Moment dabei, 30 Prozent der nicht sakralen, kirchensteuerfinanzierten und beheizten Gebäudeflächen, die zukünftig nicht mehr benötigt werden, zu veräußern oder anders kostenneutral zu nutzen, um die verbleibenden 70 Prozent nachhaltig sanieren und weiterhin finanzieren zu können.

Ehrenamt stärken

Rückmeldungen zum Programm „Seelsorge in neuen Strukturen“ zeigten, dass viele eine Überforderung der hauptamtlichen Mitarbeiter:innen und der eh schon am Anschlag arbeitenden Ehrenamtlichen befürchten. „Es soll niemand verheizt werden“, betonte Bischof Krämer mehrfach. Er und die diözesanen Verantwortlichen setzen auf darauf, besonders die ehrenamtlich Engagierten stärker zu qualifizieren und zu begleiten. Die Erfahrung zeige, dass gerade eine Veränderung auch wieder neue Menschen zur Mitarbeit motiviere. Dass es für diese Motivation auch einer Straffung der Abläufe in den Verwaltungszentren und der Diözesanverwaltung bedarf, räumte der Bischof ein. Das sei vorgesehen, wenn die neuen Strukturen stehen.

Einen Masterplan habe er nicht in der Tasche, versicherte Bischof Krämer. An den Orten, an denen es Schwierigkeiten bei der Zuordnung gebe, versprach er auch in weiteren Gesprächsrunden ein partnerschaftliches Miteinander. Die jetzigen Kirchengemeinden bleiben als sogenannte Kirchorte erhalten. Die wie beim Kirchengemeinderat geforderte Wahl der für sie zuständigen Ortsausschüsse sei eine Möglichkeit, betonte der Bischof. Es müsse aber bei den ganz unterschiedlichen Realitäten in der Diözese unterschiedliche Modelle geben. Und was die Verteilung des nicht zweckgebundenen Geldes angehe, empfahl er eine faire Absprache wie bei einem Ehevertrag. „Wir wollen nicht den Betrieb einfach eindampfen“, nahm er am Ende das Ziel nochmals in den Blick, „sondern nach vorne gehen.“

Die Regionalkonferenz in Bad Waldsee war nach Rottweil und Ochsenhausen die dritte von insgesamt sieben Veranstaltungen dieses Formats in verschiedenen Teilen der Diözese.

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