Moneeb und seine jüngere Schwester Joud spielen gut gelaunt vor den Füßen ihrer Mutter Manabae mit bunten Legosteinen. Die junge Frau im Kleid mit Leopardenmuster und schwarzem Kopftuch dagegen blickt angespannt in die Runde. Die Sudanesin sitzt in einer Gesprächsrunde Geflüchteter, die sich regelmäßig im Hashimi Center in Jordaniens Hauptstadt Amman trifft, und erzählt von ihrer Flucht aus dem Sudan. 2018 hat sich die junge Frau auf den Weg gemacht, weil sie es in ihrer von Kriegen gebeutelten Heimat nicht mehr ausgehalten hat. Und weil sie einen sicheren Platz und eine Zukunft für ihre Kinder wollte.
Auch Amani, die neben ihr sitzt, ist mit ihren drei Kindern aus dem Sudan geflohen. Hier in Amman hat sie zwar Schutz vor Krieg und Gewalt gefunden, doch wirklich sicher und geborgen fühlt sie sich auch hier nicht. Denn ihre Kinder werden in der Schule und auf den Straßen der jordanischen Hauptstadt wegen ihrer Hautfarbe gemobbt und angefeindet. Als sie davon erzählt, bricht sie in Tränen aus. Andere Frauen aus dem Sudan stimmen ihr zu. Auch ihre Kinder werden gemobbt. Unter anderem deswegen kommen sie regelmäßig in das von Caritas Jordanien getragene Hashmi-Center für nichtsyrische Flüchtlinge. „Wenn ich nicht mehr weiterweiß und Rat brauche, komme ich hier hin“, sagt Amani und kämpft wieder mit den Tränen.
Diözese unterstützt Projekte
Mitten in der Gruppe von Geflüchteten sitzt Bischof Dr. Klaus Krämer auf einem gelben Sitzsack und hört mit ernstem Gesichtsausdruck schweigend zu. Noch bis zum kommenden Montag ist er auf seiner ersten Patoralreise als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Jordanien unterwegs. Das Ziel der Reise ist bewusst gewählt, denn erst vor ein paar Wochen hat die Diözese ein „Positionspapier zur aktuellen Lage von Flucht und Migration in der Diözese Rottenburg-Stuttgart“ veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Die Fürsorge für Geflüchtete und Migrant:innen gehört zum Selbstverständnis der Diözese Rottenburg-Stuttgart“. Jetzt macht sich der Bischof vor Ort ein Bild von den Projekten, die von der Diözese mitfinanziert werden.
Bereits seit 2014 werden von der Hauptabteilung Weltkirche in Rottenburg über Caritas International Projekte im Kontext von Flucht und Vertreibung in Jordanien unterstützt. In dem kleinen Land im Nahen Osten sind aktuell rund 1,8 Millionen Geflüchtete registriert - die meisten davon sind Palästinenser und Syrer, gefolgt von Menschen aus dem Irak. „Nur der Libanon hat im Verhältnis zu seiner Gesamtbevölkerung noch mehr Geflüchteten Schutz gegeben als Jordanien“, sagt Omar Abawi, der Programmchef von Caritas Jordanien. Da die jordanische Regierung die Registrierung der Geflüchteten durch die UN im März 2019 untersagt hat, dürfte die Dunkelziffer der Geflüchteten aber deutlich höher sein. Im Gegensatz zu registrierten Geflüchteten haben diese keinen Zugang zu staatlicher Unterstützung. Caritas Jordanien dagegen gewährt seine Hilfe allen Menschen unabhängig von Aufenthaltsstatus, Nationalität und Religionszugehörigkeit.







