Weltkirche

Bleiben und Salz der Erde sein

Am Ende des Gottesdienstes zur Eröffnung des Monats der Weltmission spendeten Bischof Dr. Gebhard Fürst (2.v.r.) und Erzbischof Hanna Rahmé (3.v.r.) den Segen - Foto: DRS/Waggershauser

Gewalteskalation im Nahen Osten überschattet die diözesane Eröffnung des Weltmissionsmonats mit libanesischem Erzbischof.

Mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst in der Wangener St.-Ulrichs-Kirche hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Sonntag (08.10.) den Monat der Weltmission eröffnet. Die einzelnen Kirchengemeinden gestalten dann am 22. Oktober Gottesdienste und Aktionen zum Motto „Ihr seid das Salz der Erde“ aus dem Matthäusevangelium. Das katholische Hilfswerk Missio stellt dieses Jahr die Situation der Christ:innen in Syrien und im Libanon in den Vordergrund und bittet um Unterstützung.

Im Beisein von Hanna Rahmé, dem maronitischen Erzbischof der Eparchie Baalbek-Deir El-Ahmar im Libanon, rief Bischof Gebhard Fürst gleich am Beginn der Eucharistiefeier zum Gebet für dessen Land auf, dass der Frieden dort erhalten bleibe. Die Nachrichten hatten gemeldet, dass sich auch die libanesische Hisbollah-Miliz an dem Überfall militanter Palästinenser auf Israel beteiligt habe.

Wird der Libanon in den Konflikt hineingezogen?

Aus Angst, dass der Libanon in den Konflikt hineingezogen werde, habe Erzbischof Rahmé in der Nacht nicht schlafen können. Das berichtete Missio-Diözesanreferent Ioan Brstiak, der schon einige Tage mit dem Gast in der Diözese unterwegs war. „Ich verurteile die Gewalt sehr, ich kann diese Unmenschlichkeit nicht verstehen“, sagte der Erzbischof selbst auf Französisch bei der Begegnung im Gemeindehaus St. Ulrich nach dem Gottesdienst.

Rahmé sieht die Christ:innen im Libanon mit ihrer weltweiten Vernetzung als Bindeglied zwischen dem Orient und dem Westen sowie als Architekten der Demokratie in der Region. Gemeinsam mit Juden und Muslimen „müssen wir gegen Extremismus und Zerstörung Widerstand leisten“, betonte er. Es gehe um den Schutz aller religiösen und ethnischen Minderheiten und um die friedliche Koexistenz der Religionen.

Nicht nur der Dialog zwischen den Religionen

„Die Christen sind wirklich tief verwurzelt in dieser Region“, unterstrich der Erzbischof im Blick auf das fast 2000-jährige kulturelle Erbe dort. Neben dem Dialog zwischen den Religionen engagierten sie sich stark in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wissenschaft und Kunst. Das größte Problem derzeit sei die Inflation. Der Monatslohn in libanesischen Pfund entspreche derzeit nur noch 20 US-Dollar, also knapp 19 Euro.

Rahmés Diözesangebiet im Nordosten des Libanon grenzt direkt an Syrien. Wenn die Geflüchteten aus dem Nachbarland ihre Unterstützung in Dollar ausgezahlt bekämen, hätten sie oft mehr als die Einheimischen, was zu Konflikten führe. Gerade die libanesische Mittelschicht verlasse zunehmend das Land. Für den Erzbischof ist das keine Option. Er sieht den christlichen Auftrag gerade darin, zu bleiben und den Menschen Perspektiven zu zeigen.

Hilfe für Bedürftige

Er habe beispielsweise ein Gewächshaus errichtet. Ein Foto zeigte Erzbischof Rahmé bei der Gemüseernte, die er an hungernde Nachbarn verteilt. Es gebe bereits Nachahmer. Für die Äpfel in der sehr fruchtbaren Bekaa-Ebene, die der Wind heruntergeweht habe, plane er eine Mosterei, um Apfelsaft für Schüler:innen zu produzieren. Für Bedürftige stelle die Kirche Hilfspakete zur Verfügung.

Aber sowohl der Staat Libanon als auch die Kirchen seien derzeit auf Hilfe von außen angewiesen, betonte der Geistliche und bedankte sich beim Hilfswerk Missio und bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Unterstützung. Mit ihrer Hingabe für andere Menschen folgten die Christ:innen im Libanon dem Vorbild Jesu und seien Salz der Erde, sagte Bischof Fürst.

Salz der Erde - damit andere Geschmack finden

In seiner Predigt während des Gottesdienstes rief der Diözesanbischof dazu auf, sich auch hierzulande bewusst aus dem Glauben heraus für die Mitmenschen einzusetzen, „damit andere Geschmack am Leben finden“. Für die musikalische Würze der Eröffnungsfeier sorgten neben dem Organisten der nicht mit dem Erzbischof verwandte libanesische Diakon Marc Rahmé, der unter anderem das Vaterunser auf Aramäisch sang, der Frauenchor „Sisters of Lord“ sowie eine ukrainische Musikgruppe.

Bischof Fürst und Erzbischof Rahmé

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