"Menschen fliehen, weil sie keine Lebensperspektive mehr für sich und ihre Familie sehen"
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl dankte in seiner Predigt allen Unterstützenden des Projekts ZIFA: „Mich beeindruckt, wie hier geflüchtete Menschen Begleitung finden. Mich beeindruckt, wie die Mitarbeiterinnen dort die Frauen in ihrer individuellen Situation wahrnehmen und sie dabei unterstützen, ihren Platz in unserer Gesellschaft finden zu können. Das ist gelebte christliche Nächstenliebe!“
Das Motto des Gedenktags „In ihrem Wohl liegt euer Wohl“, so Landesbischof Gohl, beziehe sich auf die vielen Geschichten aus der Bibel, die von Flucht und Vertreibung handelten, Geschichten von Menschen, die in Not ihre Heimat verlassen mussten. Auch sie seien Vertriebene im Krieg gewesen, wie die Israeliten zur Zeit Jeremias, oder auf der Flucht vor Hunger oder Terror. Er nannte Beispiele und verwies auf die Bibel als wertvolle Quelle, auch für aktuelle Fragen: „Eine Hungersnot zwingt Abraham und seine Frau Sarah zur Flucht nach Ägypten. Später fliehen wieder zwei nach Ägypten – nicht wegen des Hungers, sondern wegen des Terrors des Herodes – es sind Maria und Josef mit ihrem Sohn Jesus. Damals wie heute gilt: Niemand flieht aus Lust und Laune. Die Heimat verlassen zu müssen, fällt immer schwer. Menschen fliehen, weil sie keine Lebensperspektive mehr für sich und ihre Familie sehen. Die Bibel weiß, was es heißt, fliehen zu müssen. Deshalb ist sie eine kostbare Ressource für uns heute und für die aktuelle Frage, in welcher Haltung begegnen wir Geflüchteten.“
„In ihrem Wohl liegt euer Wohl“
Wie zuvor Pfarrer Martin Uhl in seinen Begrüßungsworten ging auch Landesbischof Gohl auf die völkerverbindende Rolle der Heiligen Hedwig aus dem 12. Jahrhundert ein, der Namenspatronin der Kirche St. Hedwig. Als süddeutsche Migrantin in der neuen Heimat Schlesien sei sie herzlich empfangen worden. Sie habe sich gut integriert und sich auf dieser Grundlage für die Menschen und ihr Wohl in der neuen Heimat einsetzen können. Auch Hedwig habe sich für die gute Bildung von Frauen engagiert – wie die ZIFA heute, spannte Gohl den Bogen zur aktuellen Situation. „Suchet das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum EWIGEN; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl!“, predigte Landesbischof Gohl die Sätze, die Jeremia vor 2.500 Jahren in Jerusalem schrieb. Die Adressaten, die über 1.000 Kilometer entfernt nach einem verlorenen Krieg ins ferne Babylon verschleppt wurden, wünschten sich nichts sehnlicher, als möglichst schnell wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Gohl zitierte in seiner Predigt Jeremias: „Akzeptiert Euer Los. Lasst euch in Babylon nieder! Arbeitet und betet für das Wohl des Gemeinwesens, dort, wo ihr seid“.