Herr Professor Groß, unter dem Leitwort „Herr, dein Angesicht suche ich“ malen Sie Bilder, die das Antlitz Jesu Christi zeigen. Wie lange sind Sie schon diesem Angesicht auf der Spur?
1985, in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, habe ich mich erstmals - aus freien Stücken - auf eine diesbezügliche Suche des Antlitzes Jesu eingelassen. Alle früheren Versuche in dieser Richtung waren eigentlich bescheidene Anleihen von schon mal Gesehenem.
Worauf führen Sie das zurück?
Einmal habe ich in Nürnberg eine Tagung über das Christus-Gesicht besucht. Dort kam man letztendlich zu dem Ergebnis: Eigentlich kann man seit Grünewald kein Christus-Gesicht mehr malen. Die Lösung ist da und überzeugt, so lautete das Fazit.
Was gab dennoch den Anstoß zu Ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Antlitz Christi?
1981 sind innerhalb von 14 Tagen meine Eltern unvorhergesehen gestorben. Dieses Ereignis musste verarbeitet werden. Ich habe damals ohne Rücksicht darauf, dass sich seit Grünewald kaum ein Maler mehr so ergreifend an diesen Stoff herangewagt hat, einen Kreuzweg in Angriff genommen, um diese Erfahrungen zu verarbeiten. Die 15-teilige Bilderfolge hängt heute im ökumenischen Gemeindezentrum in Stuttgart-Neugereut. 1985 habe ich mich, wie schon gesagt, für besagtes Langzeitprojekt entschlossen und eine Nacht durch nach Christus-Gesichtern gesucht.






